Freitag, 6. Oktober 2023, Nachmittagsfixing in London: Eine Unze Gold kostet 1.819,60 Dollar. Am nächsten Morgen greift die Hamas Israel an. Zwei Wochen später, am Donnerstag, 19. Oktober, steht das Fixing bei 1.953,55 Dollar. Das ist ein Plus von 7,4 Prozent. In Euro sind es 6,7 Prozent, von 1.730,99 auf 1.847,08 Euro je Unze.
Und am Freitag, 20. Oktober, legt das Nachmittagsfixing noch einmal nach: 1.988,50 Dollar. In Euro sind es 1.879,33 Euro. So hoch hat die LBMA Gold in Euro noch nie festgestellt. Der bisherige Höchstwert stammte vom 8. März 2022, knapp zwei Wochen nach dem Einmarsch in die Ukraine: 1.870,22 Euro.
Zwei Kriege, zwei Rekordfixings in Euro. Das Muster ist dasselbe. Es ist ein Muster, das du kennen solltest, bevor du über Sachwerte entscheidest. Wie wir Gold als Vermögensbaustein grundsätzlich einordnen, steht in unserer Übersicht zu Gold und Silber als Asset-Klasse. Die zwei Wochen seit dem 7. Oktober zeigen dieses Muster besonders deutlich.
Was am 7. Oktober geschah
Der Deutsche Bundestag hat die Lage fünf Tage später in einem Beschluss festgehalten. Israel sehe sich seit den Morgenstunden des 7. Oktober einer „noch nie dagewesenen Welle terroristischer Angriffe ausgesetzt“, heißt es im Entschließungsantrag vom 12. Oktober 2023. Alle Fraktionen haben zugestimmt.
Der Beschluss beschreibt Raketenangriffe, eingedrungene Kämpfer und Hunderte Verschleppte. Er benennt die Hisbollah im Libanon und die Rolle Irans in der Region. Er spricht von der Sorge vor einem langen Krieg.
Für die Märkte heißt das: Eine Region, in der Staaten, Milizen und ihre Unterstützer gegeneinander stehen, ist über Nacht unberechenbar geworden. Niemand kann sagen, wie weit der Konflikt reicht. Genau in solchen Lagen zeigt sich, was ein Vermögenswert wirklich ist.
Die Zahlen, Tag für Tag
Der Anstieg kam nicht in einem Sprung. Er kam in Stufen. Das Nachmittagsfixing der LBMA in Dollar je Unze:
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- Oktober: 1.819,60
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- Oktober, erster Handelstag nach dem Angriff: 1.845,50
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- Oktober: 1.909,20
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- Oktober: 1.955,70
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- Oktober: 1.953,55
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- Oktober: 1.988,50
In Euro verlief die Kurve fast gleich. Der Euro hat sich in diesen zwei Wochen gegenüber dem Dollar kaum bewegt. Der Gewinn in Euro ist also kein Währungseffekt. Er ist echte Nachfrage nach Gold.
Silber zog mit. Das LBMA-Silberfixing stieg vom 6. auf den 19. Oktober von 21,115 auf 22,885 Dollar je Unze, ein Plus von 8,4 Prozent. Am 20. Oktober waren es 23,215 Dollar.
Wichtig ist der Ausgangspunkt. Gold war vor dem Angriff nicht gestiegen. Es war gefallen. Ende September kostete die Unze noch 1.870,50 Dollar. Bis zum 6. Oktober gab sie um fast drei Prozent nach. Der Markt hat also nicht auf eine Krise gewettet. Er wurde von ihr überrascht. Und dann hat er sich in Gold umgeschichtet.
Warum Gold in einer solchen Lage steigt
Gold ist ein einfaches Ding. Es ist ein Metall. Es ist nicht die Schuld von jemand anderem.
Ein Bankguthaben ist ein Versprechen deiner Bank. Eine Anleihe ist ein Versprechen eines Staates oder eines Unternehmens. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen, das liefern muss. Jeder dieser Werte hängt davon ab, dass ein anderer seine Zusage hält.
Gold hängt von niemandem ab. Es verspricht keinen Zins. Es verspricht auch nichts anderes. Es ist einfach da.
In ruhigen Zeiten ist das ein Nachteil. Wer Gold hält, verzichtet auf Zinsen. In unruhigen Zeiten wird genau diese Eigenschaft zum Kern. Wenn niemand weiß, welche Zusage morgen noch gilt, wird der Wert gesucht, der keine Zusage braucht.
Das erklärt nicht jeden Tag der Kurve. Aber es erklärt, warum die Kurve nach dem 7. Oktober nach oben zeigt und nicht nach unten.
Der Hintergrund in Euro
Für dich als Anleger in Deutschland, Österreich oder der Schweiz kommt eine zweite Ebene hinzu: dein eigenes Geld.
Die Inflationsrate in Deutschland lag im September 2023 bei 4,5 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt am 11. Oktober bestätigt. Im Juli und August lag sie noch über sechs Prozent. Nahrungsmittel waren um 7,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.
Die EZB hat ihre Leitzinsen zuletzt am 14. September angehoben. Seit dem 20. September liegt der Zins für die Einlagefazilität bei 4,00 Prozent. Selbst dieser Satz liegt unter der Teuerung in Deutschland. Wer Geld auf dem Konto hält, verliert Kaufkraft. Das ist keine Prognose. Das ist die Rechnung des Septembers.
Gold in Euro auf einem Rekordfixing heißt also zweierlei. Gold ist gefragt. Und der Euro, in dem du misst, ist nicht der feste Maßstab, für den ihn viele halten.
Was die Krise über Sachwerte verrät
Sachwerte sind Dinge, die du anfassen kannst. Gold, Silber, Immobilien, Land, Kunst, Maschinen. Sie haben einen Wert, der nicht an einem Zahlungsversprechen hängt. Warum das für den Vermögensaufbau zählt, haben wir im Beitrag zur Investition in Sachwerte ausführlich beschrieben.
Die letzten zwei Wochen bestätigen den Grundgedanken. In einer Krise suchen Anleger das Greifbare.
Aber sie zeigen auch etwas, das oft untergeht. Ein Sachwert schützt dich vor Geldentwertung. Er schützt dich nicht automatisch vor dem Staat.
Denn gerade weil Sachwerte in Krisen gefragt sind, rücken sie in Krisen auch in den Blick der Politik. Die Geschichte kennt dafür klare Fälle.
1933: Als Gold abgegeben werden musste
Am 5. April 1933 unterzeichnete der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6102. Die Anordnung verbot das Horten von Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikaten. Jeder musste sein Gold bis zum 1. Mai 1933 bei einer Bank der Federal Reserve oder einer Mitgliedsbank abliefern. Er bekam dafür anderes Geld.
Ausgenommen waren Münzen und Zertifikate bis zu 100 Dollar je Person, Sammlermünzen und Gold für Industrie und Handwerk. Wer vorsätzlich gegen die Anordnung verstieß, dem drohten bis zu 10.000 Dollar Strafe oder bis zu zehn Jahre Haft.
Die Rechtsgrundlage war ein Gesetz aus dem Jahr 1917, ergänzt durch ein Notstandsgesetz vom März 1933. Die Begründung war eine Notlage im Bankensystem.
Warum das für dich zählt: Das Verbot galt ausdrücklich für das Horten innerhalb der kontinentalen Vereinigten Staaten. Abgeliefert wurde bei Banken im Inland. Eine solche Anordnung greift dort, wo der Staat seine Banken, seine Gerichte und seine Polizei hat.
Das ist kein Blick in die Zukunft. Es ist ein Präzedenzfall. Er zeigt, welche Befugnis ein Staat sich in einer Notlage nehmen kann.
Wie Gold in Deutschland heute erfasst wird
Der Staat muss heute nichts beschlagnahmen, um zu wissen, wer Gold kauft. Die Wege sind feiner.
Für Händler von Edelmetallen gilt eine Schwelle von 2.000 Euro bei Barzahlung. Ab diesem Betrag müssen sie ihre Kunden identifizieren. So steht es im Geldwäschegesetz. Wer darüber bar kauft, hinterlässt seinen Namen.
Steuerlich ist physisches Gold in Deutschland gut gestellt. Anlagegold ist von der Umsatzsteuer befreit. Ein Gewinn beim Verkauf ist steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Beides sind Regeln, die der Gesetzgeber setzt. Und beides sind Regeln, die der Gesetzgeber ändern kann.
In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln zu Steuern und Identifizierung. Das Grundprinzip ist überall gleich: Was du im Inland kaufst und im Inland lagerst, unterliegt vollständig dem Recht deines Landes.
Auch die Bundesbank achtet auf den Lagerort
Wie ernst Staaten selbst die Frage des Lagerorts nehmen, zeigt die Bundesbank. Sie hat zwischen 2013 und 2017 rund 300 Tonnen Gold aus New York und rund 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt geholt. Seit August 2017 liegen 50,6 Prozent der deutschen Goldreserven in Deutschland. So hat es die Bundesbank selbst mitgeteilt. Der Rest lagert bei der Federal Reserve in New York und der Bank of England in London.
Eine Zentralbank hält ihr Gold also bewusst verteilt. Ein Teil zu Hause, ein Teil an großen Handelsplätzen im Ausland. Der Gedanke dahinter ist keine Geheimwissenschaft. Wer alles an einem Ort hält, hängt vollständig an diesem Ort.
Für ein privates Vermögen gilt dieselbe Logik. Nur fehlt privaten Anlegern meist der Plan dazu.
Wo dein Gold liegt, entscheidet
Daraus folgt eine einfache Frage. Nicht nur, ob du Gold hast. Sondern wo es liegt und in wessen Namen.
Gold im eigenen Tresor zu Hause ist greifbar. Es ist aber auch dem Einbruchsrisiko ausgesetzt, und es liegt vollständig im Zugriff des Rechts, unter dem du lebst.
Gold im Schließfach einer inländischen Bank hängt an den Öffnungszeiten, den Regeln und der Lage dieser Bank.
Dazu kommt der Name. Gold, das du auf deinen Namen kaufst und hältst, ist Teil deines persönlichen Vermögens. Jeder, der an dein Vermögen will, ob Gläubiger, Prozessgegner oder Fiskus, fragt zuerst danach, was auf deinen Namen läuft.
Gold in einem Lager außerhalb der EU liegt unter einem anderen Recht. Genau darin liegt der Gedanke der geografischen Streuung, den wir in unserer Übersicht zu Edelmetallen beschreiben.
Wer Sachwerte nur nach dem Preis beurteilt, sieht die Hälfte. Der Preis sagt, was ein Wert heute wert ist. Die Rechtslage sagt, ob er dir morgen noch zur Verfügung steht. Beides gehört in dieselbe Rechnung.
Die Immobilie: der Sachwert mit Grundbuch
Ein Sachwert ist für den Staat besonders leicht zu erfassen: die Immobilie. Sie kann nicht umziehen. Sie kann nicht in einem Tresor verschwinden. Und sie steht mit deinem Namen im Grundbuch, einem öffentlichen Register.
Jede Abgabe auf Grundbesitz, jede Zwangshypothek, jede Pfändung setzt an diesem Register an. Wer dort als Eigentümer steht und wer dort welche Rechte eingetragen hat, bestimmt, worauf ein Gläubiger zugreifen kann. Auch der Staat.
Für Immobilieneigentümer, die in Deutschland wohnen bleiben, gibt es einen Weg, der an genau diesem Punkt ansetzt. Eine Gesellschaft außerhalb der EU, in UK als Stiftungs-Limited oder in den USA als Wyoming LLC, die dir gehört oder von dir kontrolliert wird. Zu ihren Gunsten nimmt dein Notar Eintragungen im Grundbuch deiner Immobilie vor.
Die Immobilie wird dabei nicht übertragen. Es gibt keinen Eigentümerwechsel. Deine steuerliche Situation bleibt unverändert. Grunderwerbsteuer und Schenkungsteuer fallen nicht an. Alle Maßnahmen sind reversibel. Wie das im Einzelnen abläuft und worin sich die beiden Varianten unterscheiden, steht auf unserer Seite zur Lastenausgleich-Lösung und im direkten Vergleich beim Immobilienschutz.
Die UK-Variante ist die bekannte europäische Rechtsform. Die Wyoming-Variante bringt maximale geografische Distanz und ein hohes Maß an Vertraulichkeit. Beide stehen gleichrangig zur Wahl.
Was du aus diesen zwei Wochen mitnehmen kannst
Die Krise im Nahen Osten ist nicht vorbei. Wie sich der Goldpreis weiter entwickelt, weiß niemand. Das ist auch nicht die Frage, die dein Vermögen schützt.
Die Frage, die dein Vermögen schützt, lautet: Wie ist es aufgestellt, wenn die nächste Krise kommt?
Drei Punkte ergeben sich aus den Zahlen seit dem 7. Oktober.
Erstens: Sachwerte tragen in Krisen. Gold hat in zwei Wochen zugelegt, in Euro bis auf ein Rekordfixing. Ein Konto hat im selben Zeitraum real verloren.
Zweitens: Ein Sachwert ist nur so sicher wie sein Standort. Was im Inland liegt, unterliegt dem Inland. Das gilt für Gold im Tresor wie für die Immobilie im Grundbuch.
Drittens: Schutz wird vor der Krise gebaut. Die Anordnung von 1933 ließ Amerikanern knapp vier Wochen Zeit. Ein Grundbucheintrag braucht Notar, Unterlagen und Vorlauf. Wer erst reagiert, wenn eine Regel verkündet ist, reagiert zu spät.
Die zwei Wochen nach dem 7. Oktober 2023 sind eine Erinnerung. Nicht daran, dass Gold steigt. Sondern daran, dass Unsicherheit über Nacht kommt. Und dass die Entscheidung, wo dein Vermögen liegt, vorher fällt.
Nachtrag (Stand: 23.09.2026)
Seit dem Beitrag hat der EZB-Rat die Leitzinsen mehrfach geändert. Ab Juni 2024 senkte er den Zins für die Einlagefazilität in acht Schritten von 4,00 auf 2,00 Prozent, gültig ab dem 11. Juni 2025. Mit Wirkung vom 17. Juni 2026 hob er ihn auf 2,25 Prozent an, mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. So steht es in der Übersicht der EZB-Leitzinsen und im Beschluss vom 10. September 2026. Die Frage bleibt dieselbe: was dir von einem Zins nach Steuern und Teuerung bleibt, und was ein Sachwert ohne Zins dagegen leistet. Wie Edelmetalle heute in eine Vermögensaufstellung passen, beschreibt unsere Übersicht zu Edelmetallen.