Am 2. März 2026 kostete eine Unze Gold 4.537,54 Euro. So viel wie nie zuvor.
Am 24. März waren es 3.807,13 Euro.
Minus 16,1 Prozent. In drei Wochen.
Das sind die Zahlen der LBMA, des Londoner Marktes, dessen tägliche Preisfeststellung weltweit als Referenz gilt. Wer in diesen Wochen auf sein Depot oder seinen Lagerschein geschaut hat, hat Geld verloren. Jedenfalls auf dem Papier.
Die Frage ist nicht, ob das weh tut. Die Frage ist, was es über den Grund aussagt, aus dem du Gold hältst. Wie Gold in eine Schutzstrategie passt, haben wir unter Edelmetalle beschrieben. Der März 2026 ist ein Anlass, diese Frage neu zu stellen.
Die Zahlen
Die LBMA stellt den Goldpreis zweimal täglich fest. Der Nachmittagspreis wird in US-Dollar, Pfund und Euro veröffentlicht. Für dich zählt der Euro. Deine Ausgaben, deine Schulden und deine Steuern sind in Euro.
| Datum | Gold in Euro je Unze | Gold in US-Dollar je Unze |
|---|---|---|
| 2. April 2025 | 2.882,03 | 3.119,75 |
| 30. Dezember 2025 | 3.712,63 | 4.367,80 |
| 29. Januar 2026 | 4.521,82 | 5.405,00 |
| 2. März 2026 | 4.537,54 | 5.313,90 |
| 24. März 2026 | 3.807,13 | 4.413,55 |
| 2. April 2026 | 4.023,71 | 4.639,35 |
Drei Dinge fallen auf.
Erstens: In Dollar lag der Rekord schon Ende Januar. Am 29. Januar kostete die Unze 5.405 Dollar. Im März wurde dieses Hoch nicht mehr erreicht. In Euro schon, weil sich der Wechselkurs in der Zwischenzeit verschoben hatte. Rechnet man die beiden LBMA-Preise gegeneinander, kostete ein Euro am 29. Januar knapp 1,20 Dollar, am 2. März noch gut 1,17 Dollar und am 24. März knapp 1,16 Dollar. Der schwächere Euro hat den Einbruch in Euro abgefedert. Der Euro-Rekord vom 2. März war also auch ein Währungseffekt.
Das ist mehr als eine Fußnote. Wer in Euro lebt und in Gold spart, hält immer zwei Positionen: das Metall und die Wette gegen die eigene Währung. Fällt der Euro, steigt dein Gold in Euro, auch wenn der Weltmarktpreis stillsteht.
Zweitens: Der Rücksetzer war heftig, aber kurz. Am 2. April, dem letzten Handelstag vor Ostern, stand Gold wieder bei 4.023,71 Euro. Das sind knapp sechs Prozent über dem Tief vom 24. März. Und immer noch gut elf Prozent unter dem Rekord.
Drittens: Auf zwölf Monate sieht das Bild ganz anders aus. Am 2. April 2025 kostete die Unze 2.882,03 Euro. Wer damals gekauft hat, liegt trotz März mit rund 40 Prozent im Plus. Seit dem letzten Nachmittagspreis des Jahres 2025, am 30. Dezember, sind es gut acht Prozent.
Silber hat es härter getroffen. Die Unze fiel laut LBMA von 99,15 Euro am 29. Januar auf 60,36 Euro am 24. März. Das sind 39 Prozent in knapp zwei Monaten.
Was im März passiert ist
Die Europäische Zentralbank hat die Lage am 19. März in ihrer geldpolitischen Erklärung beschrieben. Sie ließ die Leitzinsen unverändert. Der Einlagesatz blieb bei 2,00 Prozent.
Der Grund für die Unsicherheit stand im dritten Satz: der Krieg im Nahen Osten. Er habe den Ausblick erheblich unsicherer gemacht, mit Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wachstum. Die Energiepreise würden die Inflation kurzfristig spürbar erhöhen.
In der Pressekonferenz wurde die EZB noch deutlicher. Der Krieg habe die Finanzmärkte stark getroffen. Die Aktienmärkte seien gefallen. Die Marktzinsen im Euroraum, vor allem am kurzen Ende, seien deutlich gestiegen.
In genau diesen Wochen fiel auch Gold. Die EZB nennt keinen Zusammenhang. Der Mechanismus ist aber einfach: Wenn Märkte unter Druck geraten, verkaufen Anleger das, was sich verkaufen lässt. Gold lässt sich immer verkaufen. Das ist seine Stärke. In einer Stressphase ist es auch der Grund, warum es dann verkauft wird.
Und steigende Zinsen haben eine einfache Folge für jeden, der rechnet. Gold zahlt keine Zinsen. Je mehr ein Festgeld bringt, desto teurer wird es, stattdessen Metall zu halten.
Ein Satz aus derselben Erklärung
In derselben Erklärung vom 19. März steht noch etwas. Nicht zum Gold. Zum Geld.
Die EZB schreibt, der digitale Euro werde Europas strategische Autonomie, Wettbewerbsfähigkeit und Finanzintegration stärken. Und weiter: Es sei daher unerlässlich, die Verordnung zur Einführung des digitalen Euro zügig zu verabschieden. Im englischen Original: „It is thus essential to swiftly adopt the Regulation on the establishment of the digital euro.“
Mitten in einem Energieschock und einem Markteinbruch nutzt die Zentralbank ihre geldpolitische Erklärung, um für digitales Zentralbankgeld zu werben.
Das sagt nichts über den Goldpreis. Aber es sagt viel darüber, warum Menschen Gold halten. Nicht, weil der Kurs jeden Monat steigt. Sondern weil physisches Gold nicht auf einem Konto liegt, das eine Stelle sperren, begrenzen oder mit einem Klick umbuchen kann. Wie ein digitaler Euro ausgestaltet wird und welche Befugnisse er Behörden gibt, ist nicht entschieden. Dass er kommen soll, sagt die EZB so deutlich wie selten.
Was der Rücksetzer für deinen Bestand bedeutet
Gold ist Versicherung, kein Trade
Wer Gold als Versicherung hält, bewertet es nicht nach dem Monatschart. Eine Feuerversicherung ist auch nicht schlecht, weil es im März nicht gebrannt hat.
Die Frage lautet nicht: Was war Gold am 24. März wert? Die Frage lautet: Ist dein Anteil an Gold groß genug, um im Ernstfall zu tragen, und klein genug, um einen Rücksetzer von 16 Prozent auszuhalten, ohne dass du verkaufen musst?
Wenn du im März nervös geworden bist, war vielleicht nicht der Preis das Problem. Sondern die Größe der Position.
Die Steuer im Blick behalten
In Deutschland ist der Verkauf von physischem Gold nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Innerhalb eines Jahres ist ein Gewinn als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig, sofern die Gewinne im Kalenderjahr insgesamt 1.000 Euro oder mehr erreichen.
Für alle, die im Januar oder Februar nahe am Hoch gekauft haben, ist eine andere Regel wichtiger. Verluste aus solchen Geschäften lassen sich nur mit Gewinnen aus ebensolchen Geschäften verrechnen. Nicht mit deinem Gehalt, nicht mit Mieteinnahmen. Sie lassen sich aber in das Vorjahr zurück- oder in spätere Jahre vortragen.
Ein Verkauf innerhalb der Frist realisiert also einen Verlust, der sich nur begrenzt nutzen lässt. Nach Ablauf der Frist spielt die Einkommensteuer beim Verkauf von physischem Gold dagegen keine Rolle mehr.
Beim Kauf gilt: Anlagegold, also Barren ab 995 Tausendstel Feingehalt und bestimmte Münzen, ist in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit. Silber ist es nicht. Warum sich Silber deshalb im Ausland oft anders rechnet, steht unter Silber im Ausland kaufen.
Silber ist kein kleines Gold
Wer Silber hält, hat den März doppelt gespürt. Minus 39 Prozent vom Januarhoch bis zum 24. März, gegenüber minus 16 Prozent beim Gold vom Märzhoch.
Dazu kommt in Deutschland die Steuer beim Kauf. Silberbarren sind kein Anlagegold. Auf sie fällt der Regelsatz von 19 Prozent Umsatzsteuer an. Wer im Inland kauft, startet also mit einem Abschlag, den der Markt erst wieder aufholen muss, bevor überhaupt ein Gewinn entsteht. Ein Einbruch wie im März trifft diese Position von einem schon niedrigeren Ausgangspunkt.
Silber verlangt deshalb eine andere Behandlung als Gold: kleiner gewichtet, bewusster gekauft und dort gelagert, wo die Umsatzsteuer nicht bei jedem Kauf mitläuft.
Was in Deutschland, Österreich und der Schweiz beim Kauf gilt
Innerhalb der EU ist die Regel einheitlich. Die Mehrwertsteuer-Richtlinie verpflichtet alle Mitgliedstaaten, Lieferung, innergemeinschaftlichen Erwerb und Einfuhr von Anlagegold von der Mehrwertsteuer zu befreien. Das gilt in Deutschland wie in Österreich.
Die Schweiz ist nicht in der EU und hat eigene Regeln, die im Ergebnis ähnlich sind. Das Mehrwertsteuergesetz befreit staatlich geprägte Goldmünzen und Gold zu Anlagezwecken ab 995 Tausendsteln. Silber trägt den Normalsatz von 8,1 Prozent. Und bei der direkten Bundessteuer sind Kapitalgewinne aus privatem Vermögen steuerfrei, ohne Haltefrist.
Für den Rücksetzer heißt das: Wer in Euro kauft und in Deutschland steuerpflichtig ist, schaut auf die Jahresfrist. Wer einen Verlust realisiert, schaut auf die Verrechnung. Und wer nachkauft, zahlt beim Anlagegold keine Mehrwertsteuer, beim Silber schon.
Der Preis ist nicht dein größtes Risiko
Ein Kurs von minus 16 Prozent ist sichtbar. Er steht jeden Tag auf dem Bildschirm.
Die größeren Risiken für deinen Goldbestand stehen auf keinem Bildschirm. Sie stehen in Gesetzen.
Am 5. April 1933 unterschrieb der amerikanische Präsident die Executive Order 6102. Alle Personen mussten ihre Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikate bis zum 1. Mai 1933 bei einer Bank des Federal-Reserve-Systems abliefern. Erlaubt blieben im Wesentlichen 100 Dollar pro Person und Sammlermünzen. Wer sich vorsätzlich widersetzte, dem drohten bis zu 10.000 Dollar Strafe oder bis zu zehn Jahre Haft.
Die Banken zahlten dafür den Gegenwert in anderen Münzen oder in Papiergeld. Über die Ausnahmen hinaus durfte niemand das Metall behalten.
Kein Chart hätte dich davor geschützt. Geschützt hätte dich nur, wo dein Gold lag.
Wo und wie du hältst, entscheidet
Deshalb ist der März ein guter Anlass, nicht auf den Preis zu schauen, sondern auf den Lagerort.
Gold im eigenen Haus ist ein Einbruchsrisiko. Gold im Bankschließfach im eigenen Land liegt im Zugriffsbereich derselben Rechtsordnung, die im Ernstfall über Zugang und Meldepflichten entscheidet. Gold in einem Lager außerhalb der EU liegt in einer anderen Rechtsordnung. Welche Länder dafür infrage kommen, haben wir unter Gold im Ausland lagern verglichen.
Genauso wichtig ist die Form. Gehört dir ein bestimmter Barren, oder hast du eine Forderung auf Gold?
Wer Gold über die Börse hält, hat im März kein Metall verloren, sondern Kurswert eines Wertpapiers. Börsengehandelte Goldprodukte sind rechtlich oft Schuldverschreibungen. Du hast dann eine Forderung gegen den Emittenten, besichert mit Gold, das er hält. Im Alltag ist das bequem. Du verkaufst mit einem Klick. Aber dieser Klick läuft über deine Bank, dein Depot und die Börse deines Landes. Alles, was dein Konto betrifft, betrifft dann auch dein Gold.
Physisches Metall, das in einem Lager auf deinen Namen liegt, hängt an keiner dieser Stellen. Es ist langsamer zu verkaufen. Dafür hängt es nicht an deinem Konto. In der Einzelverwahrung liegt dein Metall getrennt, mit Nummer, auf deinen Namen. Im Sammelbestand hast du einen Anspruch gegen den Verwahrer. Im Normalfall merkst du keinen Unterschied. Im Krisenfall ist es der Unterschied.
Und wenn du verkaufen musst, spielt der Ort erneut eine Rolle. Ein Bestand, der im Ausland liegt, lässt sich oft direkt dort verkaufen, ohne das Metall zu bewegen. Wie das abläuft, steht unter Gold im Ausland verkaufen.
Was der März lehrt
Gold ist im März 2026 gefallen, während Aktien und Anleihen ebenfalls unter Druck standen. Bis Anfang April hat es einen Teil des Verlusts wieder aufgeholt.
Der März spricht gegen Gold als einziges Standbein. Und gegen Gold, das am falschen Ort liegt.
Der März hat auch gezeigt, wie schnell sich die Lage drehen kann. Am 2. März lag Gold auf Rekord. Drei Wochen später stand es 16 Prozent tiefer, die EZB sprach von einem Energieschock, und die Aktienmärkte waren gefallen. Niemand hat das am 1. März angekündigt. Genau deshalb wird ein Schutz nicht dann aufgebaut, wenn man ihn braucht, sondern vorher.
Wer seinen Bestand danach bemisst, was im schlimmsten Fall gebraucht wird, und ihn dort lagert, wo der Zugriff der eigenen Behörden endet, muss auf den Monatschart nicht schauen. Mehr dazu, warum eine Grenze auf der Landkarte für dein Vermögen zählt, unter Warum außerhalb der EU.
16 Prozent Rücksetzer sind ein Kursrisiko. Ein Goldverbot ist ein Totalrisiko. Das eine siehst du jeden Tag. Gegen das andere musst du dich vorher aufstellen.
Nachtrag (Stand: 23.09.2026)
Seit dem Beitrag hat der EZB-Rat die Leitzinsen angehoben. Der Einlagesatz, der am 19. März bei 2,00 Prozent blieb, stieg mit Wirkung vom 17. Juni 2026 auf 2,25 Prozent und mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. So steht es in der Übersicht der EZB-Leitzinsen und im Beschluss vom 10. September 2026. Für den Mechanismus aus dem Beitrag heißt das: Ein Festgeld bringt heute mehr als im März, und Gold zahlt weiterhin keine Zinsen. Wie Gold in eine Schutzstrategie passt, steht unter Edelmetalle.