Am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, stellte die London Bullion Market Association den Silberpreis auf 118,45 Dollar je Unze fest. Das ist der höchste Wert, den die LBMA-Reihe seit ihrem Beginn 1968 verzeichnet. In Euro waren es 99,15.
Am Freitag stand der Preis bei 103,19 Dollar. Am Montag, dem 2. Februar, bei 81,975.
Minus 30,8 Prozent in zwei Handelstagen. In Euro gerechnet fiel Silber von 99,15 auf 69,11. Fast ein Drittel des Werts war in zwei Handelstagen weg.
Und es ging nicht einfach wieder hoch. Am 3. Februar lag das Fixing bei 87,49 Dollar, am 4. bei 90,59, am 5. wieder bei 78,71. Heute Mittag, am 6. Februar, bei 74,94 Dollar.
Wer Silber besitzt oder kaufen will, sollte diese Woche genau anschauen. Nicht wegen der nächsten Kursbewegung. Die kann niemand vorhersagen. Sondern weil sie offenlegt, was Silber ist, was es kostet und wo es liegen sollte. Die Grundlagen dazu, wie du Silber ohne die deutsche Mehrwertsteuer erwirbst und lagerst, haben wir getrennt zusammengestellt.
Ein Rekord, der 45 Jahre alt war
Um die Fallhöhe zu verstehen, muss man sehen, woher der Preis kam.
Am 18. Januar 1980 stellte die LBMA Silber auf 49,45 Dollar fest. Dieser Wert blieb mehr als 45 Jahre lang der nominale Höchststand der Reihe. Erst am 9. Oktober 2025 lag das Fixing mit 49,705 Dollar darüber.
Danach ging es schnell. Am ersten Handelstag 2025 hatte Silber 29,405 Dollar gekostet. Am letzten Handelstag des Jahres waren es 71,99. Am 26. Januar 2026 lag das Fixing erstmals über 100 Dollar, bei 109,605. Drei Tage später kam der Rekord.
Vom Jahresanfang 2025 bis zum Rekord hatte sich der Preis vervierfacht. Allein im Januar 2026 stieg er um rund 65 Prozent.
Und dann die Gegenbewegung. Selbst nach dem Absturz lag Silber am 2. Februar noch höher als am Jahresende 2025. Das ist wichtig: Wer vor einem Jahr gekauft hat, sitzt weiterhin auf einem großen Gewinn. Wer im Januar gekauft hat, sitzt auf einem großen Verlust. Dasselbe Metall, dieselbe Woche, zwei völlig verschiedene Geschichten.
In Euro gerechnet
Für Anleger in Deutschland und Österreich zählt am Ende der Euro-Preis. Die LBMA stellt ihn jeden Tag mit fest.
Am 31. Dezember 2025 lag Silber bei 61,27 Euro je Unze. Am Rekordtag, dem 29. Januar, bei 99,15 Euro. Am 2. Februar bei 69,11 Euro. Und am 6. Februar bei 63,56 Euro.
Das heißt: Der gesamte Januar-Gewinn in Euro ist in einer Woche fast vollständig verschwunden. Wer am Silvestertag gekauft hat, liegt am Marktpreis gemessen knapp im Plus, mit deutscher Umsatzsteuer gerechnet klar im Minus. Wer in der zweiten Januarhälfte gekauft hat, liegt deutlich im Minus.
Dass der Euro-Verlust vom Rekord bis zum 2. Februar mit 30,3 Prozent etwas kleiner ausfällt als der Dollar-Verlust, liegt an der Wechselkursbewegung in denselben Tagen. An der Größenordnung ändert das nichts.
Die Parallele von 1980
Die LBMA-Reihe reicht bis 1968 zurück. Rückgänge dieser Größe in so kurzer Zeit sind darin extrem selten.
Die nächste Parallele liegt im März 1980. Vom 13. bis 17. März 1980 fiel das Fixing von 27 auf 19,01 Dollar, knapp 30 Prozent in zwei Handelstagen. Im Januar 1980 war Silber innerhalb weniger Tage von 49,45 auf 38,478 Dollar gefallen.
Was 1980 und 2026 verbindet, steht in keiner Tabelle. Beide Male war der Preis vorher senkrecht gestiegen. Und beide Male zeigte sich, wie dünn der Markt wird, wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen.
Gold fiel mit, aber weniger tief
Auch Gold hatte am 29. Januar sein Rekordfixing: 5.405 Dollar je Unze im LBMA Gold Price PM, in Euro 4.521,82. Am 2. Februar lag Gold bei 4.714,75 Dollar. Ein Minus von 12,8 Prozent.
Das ist viel für Gold. Aber es ist weniger als die Hälfte des Silberverlusts.
Das Verhältnis beider Metalle zeigt es deutlich. Am Rekordtag kostete eine Unze Gold so viel wie gut 45 Unzen Silber. Am 2. Februar waren es gut 57. Silber schwankt stärker als Gold, nach oben wie nach unten. Das ist keine Neuigkeit. Aber selten hat man es so klar in zwei Tagen gesehen.
Für die Vermögensplanung heißt das: Silber und Gold sind nicht austauschbar. Wer Silber hält, hält ein Metall mit einem deutlich schwankungsanfälligeren Preis. Wer das weiß, dimensioniert seine Position danach. Wer es nicht weiß, lernt es in Wochen wie dieser.
Die 19 Prozent, die der Staat vorab nimmt
Jetzt der Teil, der schon beim Kauf beginnt.
In Deutschland unterliegt Silber beim Kauf der Umsatzsteuer. Der Normalsatz beträgt nach § 12 des Umsatzsteuergesetzes 19 Prozent. Anlagegold dagegen ist nach § 25c von der Steuer befreit. Diese Befreiung beruht auf Artikel 346 der EU-Mehrwertsteuerrichtlinie und gilt deshalb auch in Österreich. Für Silber gibt es in beiden Ländern keine solche Befreiung.
Was das in einer Woche wie dieser bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung. Wer am 29. Januar in Deutschland zum Fixing gekauft hätte, hätte mit Umsatzsteuer rund 118 Euro je Unze bezahlt. Am 2. Februar war die Unze am Markt 69,11 Euro wert. Rechnerisch ein Verlust von rund 41 Prozent, und da sind Händleraufschläge und Rückkaufabschläge noch gar nicht eingerechnet.
Der Staat verdient an jedem Silberkauf, bevor du einen Cent verdienst. Er trägt kein Risiko. Fällt der Preis, bleibt die Steuer trotzdem bezahlt. Steigt der Preis, musst du erst die 19 Prozent aufholen, bevor dein Silber überhaupt im Plus ist.
Das ist kein Detail. Es ist der Grund, warum die Frage nach dem Kaufort bei Silber wichtiger ist als bei jedem anderen Edelmetall.
Wann der Staat beim Verkauf mitverdient
Die Umsatzsteuer trifft den Kauf. Beim Verkauf kommt in Deutschland die Einkommensteuer ins Spiel, zumindest am Anfang.
Physisches Silber ist ein sogenanntes anderes Wirtschaftsgut. Ein Gewinn daraus ist nach § 23 des Einkommensteuergesetzes steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt. Danach ist der Gewinn steuerfrei.
In einer Woche wie dieser hat das eine unangenehme Seite. Wer im Herbst 2025 gekauft hat und im Januar nervös verkaufen wollte, hätte seinen Gewinn versteuern müssen. Wer gewartet hat, hat einen Teil des Gewinns an den Markt zurückgegeben. Der Staat verdient in beiden Fällen: einmal über die Umsatzsteuer beim Kauf, einmal über die Einkommensteuer bei frühem Verkauf.
Wer Edelmetall als langfristige Reserve versteht, hat mit dieser Jahresfrist kein Problem. Wer es als Handelsposition nutzt, sollte sie einpreisen, bevor er kauft.
Metall oder Anspruch auf Metall
Noch eine Unterscheidung wird in solchen Wochen sichtbar. Silber kann man auf zwei Arten besitzen.
Als physisches Metall, Barren oder Münzen, die irgendwo in einem Tresor liegen. Oder als Anspruch: ein Zertifikat, ein Fondsanteil, ein Metallkonto bei einer Bank. Beides folgt demselben Preis. Beides fiel in derselben Woche um fast ein Drittel.
Der Unterschied liegt woanders. Physisches Metall hat keinen Schuldner. Die Unze, die du besitzt, ist nach dem Absturz immer noch dieselbe Unze. Ein Anspruch dagegen hängt am Institut, das ihn ausgibt, an dessen Bedingungen und an dem Rechtsraum, in dem es sitzt. Wenn ein Markt so heftig ausschlägt, ist das kein theoretischer Unterschied. Es ist genau die Stelle, an der man merkt, was man eigentlich gekauft hat.
Anonym ist beim Silberkauf wenig
Edelmetall liegt außerhalb des Bankensystems. Beim Kauf gilt das nur eingeschränkt.
Händler von Edelmetallen müssen nach § 10 Absatz 6a des Geldwäschegesetzes ihre Sorgfaltspflichten erfüllen, sobald eine Barzahlung mindestens 2.000 Euro erreicht. Das heißt: Ausweis, Identifizierung, Aufzeichnung. Bei Silber sind 2.000 Euro nach dem Absturz knapp 30 Unzen.
Wer größere Beträge anlegt, hinterlässt also eine Spur beim Händler. Was darüber hinaus gilt und welche Wege legal bleiben, beschreiben wir unter Gold anonym kaufen. Die Regeln dort gelten für Silber genauso.
Was 1934 mit Silber geschah
Edelmetall schützt vor vielem. Vor der Entwertung von Papiergeld. Vor dem Ausfall einer Bank. Vor einem Zahlungssystem, das Nein sagt. Aber es schützt nicht automatisch vor dem Staat, in dem es liegt.
Dafür gibt es einen präzisen Präzedenzfall, und er betrifft ausdrücklich Silber. Am 9. August 1934 unterzeichnete der amerikanische Präsident die Executive Order 6814. Sie verlangte die Ablieferung allen Silbers, das sich an diesem Tag auf dem amerikanischen Festland befand. Von jeder Person, die es besaß, hielt oder kontrollierte.
Die Frist betrug 90 Tage. Abzuliefern war an die nächstgelegene Münzanstalt. Ausgenommen waren unter anderem Silbermünzen, Silber mit einem Feingehalt von höchstens 0,8 und kleinere Mengen für Handwerk und Industrie.
Bezahlt wurde ein festgesetzter Betrag: gut 50 Cent je Feinunze, errechnet aus dem damaligen Münzwert abzüglich über 61 Prozent für Prägung und Gebühren. Den Preis bestimmte der Staat, nicht der Besitzer.
Entscheidend ist ein Wort im Text: „situated“. Die Anordnung knüpfte daran an, wo das Silber lag. Nicht daran, wem es gehörte. Wer sein Silber an diesem Tag außerhalb des Festlands verwahrte, fiel nicht unter diese Anordnung.
Das war vor über 90 Jahren. Aber es ist ein Beleg dafür, was ein Staat mit Edelmetall tun kann, wenn er es für seine Geldpolitik braucht. Und dafür, dass der Ort der Verwahrung dabei die entscheidende Rolle spielt.
Österreich und die Schweiz
Der Silberpreis ist ein Weltmarktpreis. Das Fixing gilt in Wien und Zürich genauso wie in Frankfurt. Der Absturz traf Anleger in allen drei Ländern in derselben Stunde.
Unterschiedlich ist, was der Staat beim Kauf dazurechnet. In Österreich gilt dieselbe EU-Richtlinie wie in Deutschland: Anlagegold ist befreit, Silber wird mit dem Normalsatz belastet. Die Schweiz ist nicht an die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie gebunden und setzt ihre Sätze selbst. Wer in der Schweiz lebt, sollte die dortige Regel für seinen Kaufweg prüfen, bevor er große Mengen erwirbt.
Was das für dich heißt
Vier Dinge lassen sich aus dieser Woche festhalten.
Erstens: Silber ist ein Sachwert mit großer Schwankung. Wer es hält, braucht Zeit und Nerven. Wer auf eine schnelle Verdopplung gesetzt hat, hat in zwei Tagen gesehen, wie es sich anfühlt, wenn der Markt kippt.
Zweitens: Der Kaufweg entscheidet über deine Ausgangslage. 19 Prozent Umsatzsteuer sind bei einem Metall, das in zwei Tagen 30 Prozent verlieren kann, eine schwere Hypothek. Es gibt legale Wege, Silber zum Weltmarktpreis zu kaufen und zu halten. Sie funktionieren nur zusammen mit einer Lagerung außerhalb des Heimatlandes.
Drittens: Der Lagerort ist Teil des Schutzes. Sachwerte wie Edelmetalle gehören physisch dorthin, wo deutsche Verwaltungsakte nicht vollstreckt werden: in Zollfreilager und Hochsicherheitsverwahrung außerhalb der EU, auf deinen Namen, außerhalb des Bankensystems. Welche Standorte sich dafür eignen, vergleichen wir für Gold unter Gold im Ausland lagern. Die Grundsätze gelten für Silber identisch. Den Überblick über alle Metalle findest du bei den Edelmetallen.
Viertens, und das wird in hektischen Wochen gern vergessen: Verkaufen ist eine Entscheidung, keine Reaktion. Wer Silber als Reserve für den Ernstfall hält, bewertet es nicht jeden Morgen neu. Wer es als Wette auf den nächsten Rekord gekauft hat, sollte ehrlich prüfen, ob die Position zu seinem Vermögen passt.
Ein Preisbruch ändert nichts daran, warum Menschen Silber halten. Er ändert nur, wie teuer es ist, dabei Fehler zu machen.