Am 8. Oktober 2025 schloss der Goldpreis im Londoner Nachmittagsfixing bei 4.040,05 Dollar je Unze. Es war das erste Fixing über 4.000 Dollar in der Geschichte der LBMA-Preisreihe.
Einen Tag später, am 9. Oktober, schloss Silber bei 49,705 Dollar. Damit lag es über dem Fixing vom 18. Januar 1980, das mit 49,45 Dollar fast 46 Jahre lang der höchste Wert der Reihe war.
Zwei Rekorde in zwei Tagen. Und am Ende der Woche noch höhere Werte: Gold erreichte am 16. Oktober 4.261,95 Dollar, in Euro 3.655,90 Euro. Silber schloss am 17. Oktober bei 54,10 Dollar.
Wer Metall besitzt, hat in diesen Tagen auf dem Papier gewonnen. Was diese Zahlen tatsächlich bedeuten, und was sie nicht bedeuten, lohnt einen genaueren Blick. Genauso wie die Frage, die jeder Rekord mit sich bringt: Wo liegt das Metall, das gerade so viel wert ist? Warum Gold, das Vermögen schützen soll, außerhalb des eigenen Rechtsraums liegen sollte, steht im Leitfaden Gold im Ausland lagern.
Die Zahlen der Woche
Alle Werte stammen aus den Datenreihen der LBMA für Gold und Silber.
Gold, Nachmittagsfixing in Dollar je Unze:
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- Oktober: 4.040,05 (erstes Fixing über 4.000)
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- Oktober: 4.095,95
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- Oktober: 4.126,30
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- Oktober: 4.204,60
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- Oktober: 4.261,95 (Höchstwert der Woche)
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- Oktober: 4.224,75
Silber, Fixing in Dollar je Unze:
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- Oktober: 49,705 (erstmals über dem Wert von 1980)
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- Oktober: 50,76 (erstmals über 50 Dollar)
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- Oktober: 54,10 (Höchstwert der Woche)
In Euro schloss Silber am 17. Oktober bei 46,27 Euro. Das ist der höchste Wert der Euro-Reihe der LBMA, die im Januar 1999 beginnt.
Wie schnell das ging, zeigen die Schwellen beim Gold. Das erste Fixing über 3.000 Dollar gab es am 18. März 2025. Über 3.500 Dollar am 3. September 2025. Über 4.000 Dollar am 8. Oktober 2025. Von 3.000 auf 4.000 Dollar in weniger als sieben Monaten. Zum Vergleich: Von 2.000 Dollar, erstmals am 5. August 2020, bis 2.500 Dollar, erstmals am 20. August 2024, brauchte Gold vier Jahre.
Seit dem ersten Fixing des Jahres am 2. Januar 2025 mit 2.646,30 Dollar liegt Gold bis zum 16. Oktober rund 61 Prozent höher. In Euro sind es rund 42 Prozent, von 2.567,70 auf 3.655,90 Euro. Silber stieg im selben Zeitraum von 29,405 auf 54,10 Dollar, ein Plus von rund 84 Prozent.
Silber: fast 46 Jahre bis zum neuen Rekord
Die Silbermarke von 1980 hatte eine besondere Stellung. Am 18. Januar 1980 stand das Fixing bei 49,45 Dollar. Danach fiel der Preis und brauchte bis Oktober 2025, um diese Zahl wieder zu erreichen.
Wer 1980 zum Höchstkurs gekauft hat, hat also fast ein halbes Jahrhundert gewartet, um nominal wieder bei seinem Einstand zu sein. Und nominal heißt: ohne Berücksichtigung der Kaufkraft.
Die Kaufkraft des Dollars hat sich seitdem stark verändert. Der Verbraucherpreisindex der US-Statistikbehörde BLS lag im Januar 1980 bei 77,8 Punkten. Im August 2025, dem letzten vor dem 17. Oktober veröffentlichten Monat, lag er bei 323,976 Punkten. Die Preise sind in dieser Zeit also auf gut das Vierfache gestiegen. In der Kaufkraft von August 2025 entspricht der Silberpreis von 1980 damit rund 206 Dollar.
Der neue Rekord von 54,10 Dollar ist also ein Rekord in Zahlen. In Kaufkraft liegt Silber bei rund einem Viertel seines Höchststands von 1980.
Beim Gold sieht es anders aus. Das Fixing erreichte am 21. Januar 1980 850 Dollar. Nach derselben Rechnung entspricht das rund 3.540 Dollar in der Kaufkraft von August 2025. Mit über 4.000 Dollar liegt Gold also nicht nur nominal, sondern auch kaufkraftbereinigt über dem Hoch von 1980.
Das Verhältnis zwischen beiden Metallen hat sich im Lauf des Jahres verschoben. Am 2. Januar 2025 kostete eine Unze Gold rund 90 Unzen Silber. Am 17. Oktober waren es rund 78. Silber hat im Jahr 2025 also schneller zugelegt als Gold, liegt aber kaufkraftbereinigt noch weit unter seinem alten Hoch.
Der Maßstab für Anleger im Euroraum
Für Anleger in Deutschland und Österreich ist der Dollarpreis nur die halbe Geschichte. Die Euro-Reihe der LBMA beginnt am 4. Januar 1999, wenige Tage nach der Einführung des Euro. Damals kostete eine Unze Gold 243,04 Euro. Am 16. Oktober 2025 waren es 3.655,90 Euro. Das ist rund das Fünfzehnfache. Wer damals für 10.000 Euro Gold kaufte, besaß Mitte Oktober 2025, vor Kosten und Aufschlägen gerechnet, Metall im Wert von rund 150.000 Euro, ohne eine einzige Unze dazugekauft zu haben. Eine Unze Silber kostete am 4. Januar 1999 4,231 Euro, am 17. Oktober 2025 46,27 Euro, rund das Elffache.
Dieselbe Rechnung lässt sich auch umgekehrt lesen: als Maß dafür, wie viel Euro heute nötig sind, um dieselbe Menge Metall zu kaufen wie am ersten Tag der Währung. So gelesen beschreibt sie, was über gut ein Vierteljahrhundert mit dem Geld passiert ist, in dem die meisten Vermögen in Deutschland und Österreich gemessen werden.
Dass der Anstieg in Dollar 2025 deutlich höher ausfiel als in Euro, liegt am Wechselkurs. Aus den beiden LBMA-Reihen ergibt sich für Anfang Januar ein Kurs von rund 1,03 Dollar je Euro, für Mitte Oktober rund 1,17. Wer in Euro rechnet, hat 2025 weniger gewonnen als die Dollar-Schlagzeile. Er hat dafür von einem stärkeren Euro profitiert.
Was Silber 1934 passiert ist
Ein Rekordpreis macht Metall wertvoll. Er macht es auch interessant für jeden, der Zugriff darauf hat.
Am 9. August 1934 unterzeichnete Präsident Roosevelt die Executive Order 6814. Sie verpflichtete alle Personen, sämtliches Silber, das sich zu diesem Zeitpunkt in den kontinentalen USA befand, innerhalb von 90 Tagen bei der nächstgelegenen Münzprägeanstalt abzuliefern. Ausgenommen waren unter anderem Silbermünzen, Silber mit einem Feingehalt von 0,8 oder weniger, Silber für industrielle, berufliche oder künstlerische Zwecke bis 500 Unzen je Person und Silber in gefertigten Gegenständen, die für ihren gewöhnlichen Zweck gehalten wurden.
Wer ablieferte, bekam nach Section 4 den Münzwert von rund 1,29 Dollar je Unze, abzüglich eines Abschlags von über 61 Prozent für Prägung und Gebühren. Am Ende blieben rund 50 Cent je Unze. Die Order hielt fest, dieser Betrag sei nicht geringer als der Marktwert zum Zeitpunkt der Order. Wer nach Ablauf von 75 Tagen noch Silber erwarb, musste es nach Section 3 binnen 15 Tagen abliefern. Die Order regelte also nicht nur den Bestand, sondern auch jeden künftigen Erwerb.
Im Jahr zuvor war dasselbe mit Gold geschehen, mit der Executive Order 6102 vom April 1933. Beide Male ging es um Metall, das im eigenen Land lag. Beide Male entschied eine Unterschrift. Das belegt, welche Befugnisse ein Staat über Metall auf seinem Gebiet hat, wenn er sie braucht. Das Metall selbst ist ohne Gegenpartei. Der Ort, an dem es liegt, ist es nicht.
Rekord heißt auch: mehr Steuer beim Kauf
Silber trägt beim Kauf in allen drei Ländern Mehrwertsteuer. Beim Anlagegold ist das anders.
In Deutschland ist Anlagegold nach § 25c UStG von der Umsatzsteuer befreit. Silberbarren tragen den vollen Satz von 19 Prozent. In Österreich beträgt der Normalsatz nach § 10 UStG 1994 20 Prozent. In der Schweiz liegt er nach Art. 25 MWSTG bei 8,1 Prozent.
Bei einem Silberpreis von über 50 Dollar wird diese Steuer zu einem echten Betrag. Eine Rechnung zur Größenordnung: 1.000 Unzen Silber zum Fixing vom 17. Oktober von 46,27 Euro sind 46.270 Euro. Darauf kämen in Deutschland 19 Prozent Umsatzsteuer, also rund 8.790 Euro, noch vor jedem Händleraufschlag. Wer im Inland kauft, zahlt sie auf den Rekordpreis. Und bekommt sie beim Verkauf in aller Regel nicht zurück. Der Preis muss also erst um die Steuer steigen, bevor ein privater Käufer überhaupt im Plus ist.
Genau deshalb spielt beim Silber der Ort des Kaufs und der Lagerung eine größere Rolle als beim Gold. Welche Lagerformen dafür in Frage kommen, steht im oben genannten Leitfaden.
Verkaufen oder halten?
Rekorde bringen die Frage nach dem Verkauf. Die Antwort hängt auch am Steuerrecht.
In Deutschland sind Gewinne aus dem Verkauf von Metall im Privatvermögen nach § 23 EStG steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. In Österreich gilt nach § 31 EStG 1988 ebenfalls eine Frist von einem Jahr. In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus Privatvermögen nach Art. 16 Abs. 3 DBG steuerfrei.
Wer in den letzten zwölf Monaten gekauft hat, sollte deshalb das Kaufdatum jeder Tranche kennen. Wer länger hält, entscheidet frei von der Einkommensteuer.
Frei von jeder Steuer ist ein Rekord trotzdem nicht. In Deutschland zählt für die Erbschaft- und Schenkungsteuer nach § 11 ErbStG der Wert am Tag, an dem die Steuer entsteht. Wer einen Bestand im Oktober 2025 vererbt oder verschenkt, überträgt ihn zum Oktoberpreis. In der Schweiz fließt der Wert in die kantonale Vermögenssteuer. Ein höherer Preis bedeutet dort eine höhere Bemessungsgrundlage, Jahr für Jahr, auch ohne Verkauf. In Österreich wird seit August 2008 keine Erbschafts- und Schenkungssteuer mehr erhoben, nachdem der Verfassungsgerichtshof den Grundtatbestand 2007 aufgehoben hatte. Ein Rekordpreis fällt dort vor allem beim Verkauf innerhalb der Jahresfrist ins Gewicht.
Und noch etwas sagt der Rekord nicht. Der LBMA-Preis ist laut LBMA der Referenzpreis für nicht zugeordnetes Metall, das in London geliefert wird. Wer beim Händler verkauft, bekommt einen Ankaufspreis, der darunter liegt. Wer kauft, zahlt einen Aufschlag, bei Silber im Inland zusätzlich die Mehrwertsteuer. Der Rekord ist der Maßstab, nicht der Betrag auf deiner Abrechnung.
Die bessere Frage ist aber oft eine andere. Nicht: verkaufen oder halten? Sondern: Liegt das Metall dort, wo es im Ernstfall hilft? Ein Bestand, der zum Rekordpreis bewertet wird, aber im Schließfach der Hausbank liegt, ist genauso erreichbar wie das Konto daneben.
Das Muster hinter den Rekorden
Gold und Silber gehören zu den wenigen Anlagen, die ohne Emittenten, ohne Bank und ohne Konto auskommen. Das macht sie zu dem, was sie sind. Es macht sie aber nicht unerreichbar. Erreichbar ist jedes Vermögen für die Rechtsordnung, in der es liegt. Ein Barren im Ausland ist nicht unerreichbar. Aber er liegt unter einem anderen Recht als dem, das dein Wohnsitzstaat im Ernstfall ändern kann. Das ist der ganze Unterschied, und er ist groß.
Wer Sachwerte besitzt, kennt die Grundidee: Werte, die nicht an einer einzelnen Institution hängen. Welche Formen es dafür gibt und wo ihre Grenzen liegen, haben wir in Investition in Sachwerte zusammengestellt.
Dieselbe Logik gilt für die Immobilie. Sie steht im Grundbuch, und über das Grundbuch lief der historische Lastenausgleich. Für Eigentümer, die in Deutschland bleiben, gibt es dafür eine Lösung ohne Eigentumsübertragung: gezielte Eintragungen im Grundbuch zugunsten einer Struktur außerhalb der EU, wahlweise einer Wyoming LLC oder einer Stiftungs-Limited. Du bleibst Eigentümer, die steuerliche Situation bleibt unverändert, und alle Maßnahmen sind reversibel.
Ein Rekord ist ein guter Anlass für eine Inventur. Was genau liegt wo? Seit wann, mit welchem Kaufbeleg? Unter welchem Recht steht der Lagerort? Wer kommt im Erbfall heran, mit welchen Dokumenten? Wer diese Fragen für jeden Teil seines Bestands beantworten kann, weiß mehr über seinen Schutz als jeder Blick auf den Kurs.
Die Rekorde vom Oktober 2025 messen den Wert. Sie messen nicht, wie sicher dieser Wert ist. Das entscheidet der Ort.