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Bargeld 2024: An der Ladenkasse noch 52 Prozent, und 62 Prozent wollen es behalten

Veröffentlicht: 20.12.2024 · Digitaler Euro & Bargeld

Am 19. Dezember 2024 hat die Europäische Zentralbank ihre große Studie zum Zahlungsverhalten im Euroraum veröffentlicht. Sie heißt SPACE, die Vorgänger stammen aus den Jahren 2019 und 2022. Sie zeigt, wie die Menschen bezahlen. Und sie zeigt, wie sie bezahlen wollen.

Zwei Zahlen stechen heraus. An der Ladenkasse wird noch immer mehr als jede zweite Zahlung bar erledigt. Und 62 Prozent der Menschen im Euroraum ist es wichtig, dass sie auch künftig bar zahlen können.

Beides zusammen ist eine klare Botschaft. Das Bargeld wird weniger genutzt. Aber die Menschen wollen es nicht hergeben.

Warum das mehr ist als eine Frage der Gewohnheit, und wie die EU die Nutzung von Bargeld schon heute begrenzt, erklärt unsere Übersicht zur Bargeldobergrenze. Neu sind die Zahlen der EZB.

Die Kernzahlen der Studie

Die EZB hat für ihre Studie zu den Zahlungsgewohnheiten in 18 Ländern des Euroraums fast 41.000 Menschen befragt. Für Deutschland und die Niederlande haben die nationalen Zentralbanken eigene, weitgehend abgestimmte Daten beigesteuert.

Das Ergebnis:

  • An der Ladenkasse wurden 52 Prozent aller Zahlungen bar erledigt. 2022 waren es 59 Prozent, 2019 noch 72 Prozent, 2016 sogar 79 Prozent.
  • Nach dem Wert der Zahlungen lag Bargeld bei 39 Prozent, Karten bei 45 Prozent.
  • Bei Beträgen bis 5 Euro wurden 68 Prozent der Zahlungen bar erledigt. Über 50 Euro zahlte die Mehrheit mit Karte.
  • Der Anteil der Online-Zahlungen an den alltäglichen Zahlungen stieg auf 21 Prozent, nach Wert sogar auf 36 Prozent.

Und dann die Zahl, die gegen den Trend läuft. 62 Prozent der Befragten halten es für sehr oder ziemlich wichtig, dass sie bar zahlen können. 2022 waren es 60 Prozent. Die Nutzung sinkt, der Wunsch nach der Möglichkeit steigt.

Die EZB selbst betont diesen Widerspruch. Die Menschen nutzen Bargeld seltener, sehen es aber weiterhin als relevanten und wichtigen Weg zu zahlen.

Was die Menschen am Bargeld schätzen

Die Studie fragt auch nach den Gründen. Die Antwort ist eindeutig.

Der wichtigste Vorteil von Bargeld ist für die Befragten, dass es anonym ist und die Privatsphäre schützt. 41 Prozent nennen das. Danach folgen: Bargeld macht die eigenen Ausgaben bewusster (35 Prozent). Die Zahlung ist sofort erledigt (30 Prozent). Und Bargeld wird in mehr Situationen angenommen (28 Prozent).

Die Privatsphäre ist inzwischen der wichtigste Grund, noch vor der Kontrolle über die eigenen Ausgaben. Das passt zu einem zweiten Befund. Eine Mehrheit der Menschen im Euroraum macht sich laut EZB Sorgen um ihre Privatsphäre, wenn sie digital bezahlt oder Bankgeschäfte erledigt. Entweder, weil sie ihre Zahlungen privater halten wollen. Oder weil sie befürchten, dass ihre Daten ohne Zustimmung für andere Zwecke genutzt werden.

Beim Bezahlen unter Privatleuten ist Bargeld noch stärker. Wenn die Menschen Freunden oder Familie Geld geben, bevorzugen 35 Prozent Bargeld. In Deutschland wurden 74 Prozent dieser Zahlungen bar erledigt, mehr als in jedem anderen Land des Euroraums.

Deutschland und Österreich im Vergleich

Für Deutschland hatte die Bundesbank ihre eigene Studie schon im Sommer vorgelegt. Laut ihrem Bericht zum Zahlungsverhalten wird in Deutschland noch etwa die Hälfte der Zahlungen im Alltag bar erledigt. Der Anteil unbarer Zahlungen ist seit 2021 um 7 Prozentpunkte auf 49 Prozent gestiegen.

Nach dem Umsatz ist die Debitkarte mit 32 Prozent das wichtigste Zahlungsmittel. Bargeld folgt mit 26 Prozent. Und auch die Bundesbank stellt fest: Am Bargeld schätzen die Befragten vor allem den Schutz ihrer Privatsphäre.

Ein Detail aus der EZB-Studie ist bemerkenswert. Deutschland war das einzige Land, in dem ein nennenswerter Teil der Befragten, nämlich 7 Prozent, angab, überhaupt keine digitalen Zahlungen zu nutzen. In allen anderen Ländern lag dieser Anteil nahe null.

Österreich fällt auf andere Weise auf. Nirgendwo im Euroraum ist die Vorliebe für Bargeld an der Kasse so ausgeprägt. 38 Prozent der Österreicher bevorzugen es, bar zu zahlen. Zum Vergleich: In Finnland sind es 10 Prozent. Allerdings ist dieser Wert in Österreich seit 2022 um 7 Prozentpunkte gesunken.

Der Zugang wird schwieriger

Ein Teil des Rückgangs hat mit Gewohnheit zu tun. Ein anderer Teil nicht.

Die EZB fragt auch, wie leicht die Menschen an Bargeld kommen. Die meisten sind zufrieden: 87 Prozent finden den Weg zum Geldautomaten oder zur Bankfiliale leicht. Aber der Anteil derer, die es schwierig finden, ist gestiegen. Getrieben wird dieser Anstieg vor allem von einem Land: Deutschland, mit einem Plus von 9 Prozentpunkten.

Die Bundesbank kommt zum selben Ergebnis. 15 Prozent der Befragten in Deutschland finden den Weg zum Geldautomaten oder Bankschalter schwierig. 2021 waren es 6 Prozent. Das gilt in der Stadt wie auf dem Land.

Die EZB-Studie ergänzt einen weiteren Befund. In Deutschland und Luxemburg gab über die Hälfte der Befragten an, eine Gebühr am Automaten bezahlt zu haben, weil es keine andere Möglichkeit gab, an Bargeld zu kommen. Im Durchschnitt des Euroraums zahlten 57 Prozent nie eine Gebühr am Automaten, 11 Prozent dagegen immer oder meistens. In Deutschland nennen 12 Prozent das Abheben an der Ladenkasse als bevorzugten Weg, an Bargeld zu kommen, nach dem Automaten die zweithäufigste Antwort.

Auch bei der Annahme zeigt sich der Trend. Laut einer Befragung von Unternehmen, die die EZB in der Studie zitiert, nahmen 2024 noch 88 Prozent der Unternehmen Bargeld an. 2021 waren es 96 Prozent. Die Verbraucher selbst gaben an, dass sie bei 95 Prozent ihrer Zahlungen an der Kasse bar hätten zahlen können.

Das Muster ist klar. Bargeld verschwindet nicht durch ein Verbot. Es wird unbequemer: weitere Wege, Gebühren, Geschäfte, die es nicht mehr nehmen.

Gleichzeitig wird das Bezahlen ohne Bargeld überall möglich. Laut EZB hätten die Befragten bei 89 Prozent der Zahlungen an der Kasse auch unbar zahlen können, 8 Prozentpunkte mehr als 2022. Die Bundesbank misst für Deutschland 81 Prozent, ein Plus von 20 Prozentpunkten seit 2021. Die Infrastruktur verschiebt sich. Und mit ihr das Verhalten.

Wenn das Terminal streikt

Die Studie enthält einen Befund, der in der Debatte selten vorkommt. Die EZB hat gefragt, ob die Menschen im Vormonat technische Probleme beim Bezahlen hatten.

Im Durchschnitt des Euroraums berichteten 22 Prozent von technischen Problemen. Also mehr als jeder Fünfte, innerhalb eines einzigen Monats. In Deutschland lag der Anteil derer ohne Probleme mit 88 Prozent deutlich höher als anderswo.

Dazu kommt die Annahme. In den meisten Ländern hatten mindestens 10 Prozent der Verbraucher im Vormonat erlebt, dass Karte oder Handy nicht angenommen wurden. Umgekehrt berichteten 6 Prozent, dass Bargeld abgelehnt wurde.

Kein Zahlungsmittel funktioniert immer und überall. Wer zwei hat, ist unabhängiger als wer nur eines hat.

Was die EZB selbst daraus schließt

Die EZB zieht aus ihren Zahlen einen Schluss, den man festhalten sollte. Die Ergebnisse unterstreichen laut Studie die Bedeutung, den Zugang zu Bargeld und seine Annahme dauerhaft zu sichern. Und zugleich die Notwendigkeit, digitale Zahlungsmittel für alle zugänglich zu machen, unabhängig von Alter, Einkommen oder Wohnort.

Ein Hauptpfeiler der Bargeldstrategie des Eurosystems ist nach eigener Darstellung, dass Bargeld breit verfügbar bleibt. Denn wie Menschen bezahlen, hängt auch davon ab, wie leicht sie an ihr Geld kommen.

Das ist ein wichtiger Satz. Er bedeutet: Die Wahlfreiheit beim Bezahlen entsteht nicht von selbst. Sie hängt an Automaten, Filialen und Annahmepflichten. Wo diese fehlen, fehlt die Wahl.

Der politische Rahmen

Die Politik hat das Thema erkannt. Die EU-Kommission hat im Juni 2023 einen Vorschlag zur Stellung des Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel vorgelegt. Er sieht eine grundsätzliche Pflicht vor, Bargeld anzunehmen. Und er verpflichtet die Mitgliedstaaten, in allen Regionen für einen hinreichenden und wirksamen Zugang zu Bargeld zu sorgen.

Doch der Vorschlag enthält auch Ausnahmen. Ein Händler darf Bargeld etwa ablehnen, wenn er mit dem Kunden vor der Zahlung ein anderes Zahlungsmittel vereinbart hat. Die Lage beim Zugang sollen die Mitgliedstaaten anhand gemeinsamer Kennzahlen überwachen, die die Kommission festlegt. Für Verstöße sollen sie wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen vorsehen. Und der Vorschlag ist noch nicht beschlossen.

Beschlossen ist dagegen eine andere Regel. Die neue EU-Verordnung gegen Geldwäsche begrenzt Barzahlungen an Händler ab dem 10. Juli 2027 auf 10.000 Euro, überall in der EU. Die Mitgliedstaaten dürfen niedrigere Grenzen festlegen. Und schon bei gelegentlichen Barzahlungen ab 3.000 Euro müssen Händler künftig die Identität des Kunden feststellen.

Parallel entsteht der digitale Euro. Die EZB beschreibt ihn als Ergänzung zum Bargeld. Aber nach dem Gesetzentwurf soll er eine Haltegrenze haben, und seine Nutzung soll in einer Infrastruktur stattfinden, die das Eurosystem betreibt.

Man kann die drei Entwicklungen nebeneinanderlegen. Eine Pflicht zur Annahme, die Ausnahmen kennt. Eine Obergrenze, die sinken kann. Ein digitales Zentralbankgeld, dessen Grenzen erst noch festgelegt werden. Die Wahlfreiheit beim Bezahlen hängt an Regeln, die gerade neu geschrieben werden.

Warum Bargeld für dein Vermögen zählt

Bargeld ist kein Anlageinstrument. Es bringt keine Zinsen und verliert mit der Inflation an Wert. Warum also sollte es für ein Vermögen eine Rolle spielen?

Weil es das einzige Geld ist, das ohne Zustimmung eines Dritten funktioniert. Keine Bank muss die Zahlung freigeben. Kein Kartennetz muss erreichbar sein. Kein System muss laufen. Die Befragten der EZB haben das in einem Wort zusammengefasst: Privatsphäre.

Für einen Vermögenden heißt das: Eine Barreserve ist eine Versicherung. Sie deckt die Tage und Wochen, in denen Konten gesperrt, Systeme gestört oder Banken geschlossen sein können. Sie ist klein im Verhältnis zum Vermögen und groß im Verhältnis zu ihrer Wirkung.

Aber Bargeld allein reicht nicht. Es ist an eine Währung gebunden und an einen Rechtsraum. Zu einer robusten Aufstellung gehört mehr.

Physische Edelmetalle sind ebenfalls Werte ohne Gegenpartei. Anders als Bargeld tragen sie kein Inflationsrisiko der eigenen Währung. Welche Formen sich eignen, zeigt unsere Übersicht zu Edelmetallen.

Konten außerhalb der EU unterliegen nicht den Obergrenzen und Regeln des Euroraums. Welche Länder in Frage kommen, steht in unserer Übersicht zu Bankkonten außerhalb der EU.

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62 Prozent sind eine Mehrheit

Die EZB-Studie ist ein Stimmungsbild. Sie zeigt, was die Menschen im Euroraum tun und was sie wollen. Und sie zeigt, dass beides auseinanderläuft.

Die Menschen zahlen seltener bar, weil Karte und Handy bequem sind. Weil fast überall ein Terminal steht. Und weil Bargeld schwerer zu bekommen ist. Aber sie wollen die Möglichkeit behalten. Bequemlichkeit und Freiheit sind nicht dasselbe.

62 Prozent sind eine Mehrheit. Ob diese Mehrheit ihr Bargeld behält, entscheidet sich nicht an der Ladenkasse. Es entscheidet sich an den Regeln für Annahme, Zugang und Obergrenzen. Diese Regeln werden in Brüssel, Frankfurt und in den nationalen Hauptstädten geschrieben. Du kannst sie nicht allein bestimmen. Aber du kannst dafür sorgen, dass dein Vermögen nicht allein von ihnen abhängt.

Nachtrag (Stand: 23.09.2026)

Seit dem Beitrag sind beide Verfahren weitergekommen, beschlossen sind die Verordnungen nicht. Der Rat hat am 19. Dezember 2025 seine Verhandlungsposition zur Stellung des Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel und zum digitalen Euro festgelegt. Danach sollen Händler und Dienstleister die Annahme von Bargeld grundsätzlich nicht verweigern dürfen, mit wenigen Ausnahmen, vor allem bei Käufen aus der Ferne, auch online, und an unbemannten Verkaufsstellen. Die Mitgliedstaaten sollen Annahme und Zugang überwachen. Das Europäische Parlament hat sein Mandat für die Verhandlungen über die Bargeldverordnung am 8. Juli 2026 bestätigt (Verfahren 2023/0208(COD)), das für den digitalen Euro am 9. Juli 2026 (Verfahren 2023/0212(COD)). Eine Einigung ist in beiden Verfahren bis heute nicht verzeichnet. Den laufenden Stand verfolgen wir auf unserer Seite zur Bargeldobergrenze.