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Bundesbank erwartet 2,9 Prozent Inflation für 2026: Was der Energiepreisschock für dein Geldvermögen bedeutet

Veröffentlicht: 19.6.2026 · Krisenvorsorge

Die Deutsche Bundesbank hat ihre Prognose für Deutschland vorgelegt, veröffentlicht im Monatsbericht Juni 2026 vom 18. Juni. Die zentrale Zahl: 2,9 Prozent Inflation für 2026. Im Dezember hatte die Bundesbank noch 2,2 Prozent erwartet.

Der Grund steht schon in der Überschrift des Kapitels: Ein Energiepreisschock treibt die Teuerung an und bremst die Konjunkturerholung. Seit März 2026 belasten die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten die privaten Haushalte, so die Bundesbank.

Für dein Geldvermögen ist die Prognose mehr als eine Konjunkturnachricht. Sie beschreibt, wie schnell Guthaben auf dem Konto an Kaufkraft verlieren, und sie beschreibt, wie sich die Staatsfinanzen entwickeln. Beides gehört zu der Frage, die wir unter Krisenvorsorge stellen: Woran kommst du heran, und was ist es noch wert, wenn sich die Lage ändert?

Die Zahlen der Prognose

Die Deutschland-Prognose der Bundesbank wurde am 27. Mai abgeschlossen und ging in die Projektion der EZB für den Euroraum ein. Die wichtigsten Werte:

  • Inflation nach dem harmonisierten Verbraucherpreisindex: 2,3 Prozent 2025, 2,9 Prozent 2026, 2,7 Prozent 2027, 1,9 Prozent 2028.
  • Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel: 2,8 Prozent 2025, 2,6 Prozent 2026, 2,5 Prozent 2027, 2,3 Prozent 2028.
  • Wirtschaftswachstum, kalenderbereinigt: 0,5 Prozent 2026, 0,8 Prozent 2027, 1,4 Prozent 2028.

Gegenüber der Prognose vom Dezember hat die Bundesbank die Inflation für 2026 und 2027 deutlich nach oben revidiert, für 2027 von 2,1 auf 2,7 Prozent. Das Wachstum für 2027 hat sie von 1,3 auf 0,8 Prozent gesenkt.

Für die kommenden Monate erwartet die Bundesbank eine Inflationsrate über 3 Prozent. Bei Kraftstoffen und Heizöl seien die höheren Rohstoffpreise weitgehend angekommen. Bei Gas rechnet sie mit einem verzögerten Preisauftrieb, weil längerfristige Verträge die höheren Großhandelspreise erst mit Verzögerung weitergeben.

Und die Risiken sind nach Einschätzung der Bundesbank klar verteilt: für die Inflation nach oben, für die Konjunktur nach unten. Ein noch stärkerer Energiepreisschock könne den Preisanstieg stark erhöhen.

Was die Statistik bereits zeigt

Die Prognose steht nicht allein. Das Statistische Bundesamt hat am 12. Juni die Inflationsrate für Mai 2026 bestätigt: 2,6 Prozent nach dem nationalen Verbraucherpreisindex, nach 2,9 Prozent im April und 2,7 Prozent im März.

Energieprodukte waren im Mai 6,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, leichtes Heizöl sogar 47,9 Prozent. Dass der Anstieg nicht höher ausfiel, erklärt das Amt unter anderem mit der befristeten Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel seit dem 1. Mai 2026. Dienstleistungen verteuerten sich um 3,1 Prozent.

Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei 2,5 Prozent. Die Teuerung hat sich also nicht auf Energie beschränkt. Sie steckt auch in Dienstleistungen und in der Kernrate, und die Bundesbank erwartet dort indirekte Effekte des Energiepreisanstiegs.

Das schwerwiegende Risikoszenario

Die Basisprognose unterstellt, dass sich der Konflikt rasch beruhigt und die Rohölpreise in der zweiten Jahreshälfte merklich zurückgehen. Die Bundesbank rechnet zusätzlich ein Szenario durch, in dem das nicht passiert.

Ausgangspunkt ist nach ihrer Darstellung die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Öl und Flüssiggas. Im Szenario bleiben die Energiepreise bis 2028 deutlich höher. Der Ölpreis erreicht in der Spitze 166 US-Dollar je Fass, der europäische Gaspreis rund 112 Euro je Megawattstunde.

Die Folgen, die die Bundesbank errechnet, sind erheblich. Die Inflation stiege in der Spitze auf über 5 Prozent und läge selbst 2028 noch bei fast 4 Prozent. Die deutsche Wirtschaft würde 2026 kaum wachsen und 2027 schrumpfen. Die Wachstumsverluste summierten sich bis Ende 2028 auf etwa 2 Prozentpunkte.

Die Bundesbank betont, dass viele Annahmen des Szenarios selbst unsicher sind. Es ist keine Vorhersage. Es zeigt, wie weit die Spanne reicht, innerhalb derer sich die Kaufkraft deines Geldes in den nächsten Jahren bewegen kann.

Was 2,9 Prozent für dein Konto bedeuten

Inflation ist eine stille Form des Vermögensverlusts. Es fehlt kein Euro auf dem Konto, und trotzdem kannst du damit weniger kaufen.

Eine einfache Rechnung zeigt die Größenordnung. Liegt die Teuerung ein Jahr lang bei 2,9 Prozent, entsprechen 100.000 Euro am Jahresende nur noch der Kaufkraft von rund 97.200 Euro am Jahresanfang. Rechnet man die Prognose der Bundesbank für 2025 bis 2028 durch, steigt das Preisniveau über diese vier Jahre um rund 10 Prozent. 100.000 Euro, die unverzinst liegen bleiben, hätten danach die Kaufkraft von gut 90.000 Euro.

Die Zinsen gleichen das für viele Sparer nicht aus. Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen mit Wirkung vom 17. Juni 2026 angehoben. Der Einlagesatz, zu dem Banken Geld bei der Zentralbank anlegen, liegt jetzt bei 2,25 Prozent. Schon dieser Satz liegt unter der erwarteten Teuerung für 2026. Was eine Bank ihren Kunden auf dem Tagesgeldkonto zahlt, ist davon noch einmal getrennt, und auf Zinsen fällt Steuer an.

Höhere Leitzinsen haben eine zweite Wirkung, die in der Prognose ebenfalls auftaucht. Sie verteuern auch die Schulden des Staates. Die Bundesbank nennt die steigende Durchschnittsverzinsung der Staatsschulden ausdrücklich als Grund für wachsende Zinsausgaben. Jeder Zinsschritt gegen die Teuerung vergrößert mit der Zeit also auch die Last im Haushalt.

Das Ergebnis heißt realer Zins. Wenn er negativ ist, wird Geldvermögen jedes Jahr ein Stück weniger wert, ganz ohne Eingriff und ganz legal. Das ist die leiseste Form der Umverteilung vom Sparer zum Schuldner.

Dasselbe gilt für alles, was auf einen festen Eurobetrag lautet. Eine Anleihe mit festem Kupon, eine Lebensversicherung mit Garantiezins, ein Bausparguthaben, ein Darlehen an Dritte: Nominalwerte zahlen dir Euro zurück, nicht Kaufkraft. In Phasen steigender Teuerung ist das der wichtigste Unterschied zwischen Geldvermögen und Sachwerten.

Wie der Staat in die Preise eingreift

Die Prognose zeigt auch, wie eng Staat und Preise inzwischen verbunden sind. Seit dem 1. Mai 2026 gilt eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Das Statistische Bundesamt führt die niedrigere Teuerung im Mai auch darauf zurück.

Die Bundesbank weist auf die Kehrseite hin. Nach dem Auslaufen des befristeten Tankrabatts dürfte die Energieteuerung zunächst wieder höher ausfallen. Eine Entlastung heute ist also eine höhere Rate morgen, und sie wird aus einem Haushalt bezahlt, dessen Defizit ohnehin steigt.

Dazu kommen die Sozialversicherungen. Nach der Prognose verzeichnet die Rentenversicherung bis 2027 hohe Defizite und verzehrt ihre Rücklagen. Anfang 2028 seien diese weitgehend aufgebraucht, der Beitragssatz steige dann stark von 18,6 auf 19,8 Prozent. Für Unternehmer und Arbeitnehmer heißt das höhere Lohnnebenkosten, für alle anderen eine weitere Last auf demselben Staatshaushalt.

Der größte Schuldner ist der Staat

Wer profitiert von einer Teuerung, die über den Zinsen liegt? Schuldner, deren Schulden real schrumpfen. Der größte Schuldner in Deutschland ist der Staat.

Die Bundesbank zeichnet in derselben Prognose ein deutliches Bild der Staatsfinanzen. Die Defizitquote steigt von 2,8 Prozent 2025 auf 4,4 Prozent 2026, 4,8 Prozent 2027 und 4,9 Prozent 2028. Die Maastricht-Schuldenquote steigt von 63,5 Prozent Ende 2025 auf 69,6 Prozent Ende 2028.

Die Bundesbank nennt die Gründe: steigende Verteidigungsausgaben, nicht-militärische Investitionen, Steuerentlastungen, Transfers und kräftig wachsende Ausgaben der Sozialversicherungen. Die Zinsausgaben wachsen weiter, vor allem wegen der steigenden Durchschnittsverzinsung der Staatsschulden.

Ein Satz aus dem Bericht verdient es, wörtlich zitiert zu werden. Über die steigende Nettokreditaufnahme des Bundes für Verteidigung schreibt die Bundesbank: „Die Schuldenbremse begrenzt diesen Anstieg nicht mehr.“ Trotz der erweiterten Spielräume verfehle der Bund 2028 die reguläre Grenze der Schuldenbremse im Kernhaushalt um knapp 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Defizitquote übersteige den EU-Referenzwert von 3 Prozent deutlich.

Und noch eine Zahl steht in der Prognose, die in der Schuldenquote nicht auftaucht. Nicht enthalten sei der Anteil der EU-Schulden, für den Deutschland letztlich haftet, insbesondere im Zusammenhang mit dem Wiederaufbauprogramm NGEU. Er beläuft sich nach Angaben der Bundesbank Ende 2028 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Wie Staaten mit hohen Schulden umgehen

An dieser Stelle hilft der Blick in die Geschichte mehr als jede Prognose. Für hohe Staatsschulden gibt es drei Auswege: Wachstum, Teuerung oder Abgaben auf Vermögen.

Wachstum ist der angenehmste Weg. Die Bundesbank erwartet für die Produktionsmöglichkeiten der deutschen Wirtschaft ein Wachstum von 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr, gebremst durch Fachkräftemangel, hohe Arbeits- und Energiekosten und Wettbewerbsdruck.

Teuerung ist der leise Weg. Er trifft jeden, der Geld auf Konten, in Anleihen oder in Lebensversicherungen hält.

Die Abgabe auf Vermögen ist der sichtbare Weg. In Deutschland ist er mit dem historischen Lastenausgleich belegt, den wir unter Lastenausgleich beschreiben. Welcher Weg gewählt wird, entscheidet die Politik. Die Befugnisse für alle drei stehen zur Verfügung.

Was die Krisen des vergangenen Jahrhunderts gemeinsam haben, haben wir bei der Krisenvorsorge zusammengetragen: Am leichtesten erreichbar ist immer das Vermögen, das im Inland liegt, im Register steht und über inländische Institutionen läuft.

Was Sachwerte leisten und was nicht

Die klassische Antwort auf Teuerung heißt Sachwerte. Die Überlegungen dahinter haben wir im Beitrag zur Investition in Sachwerte ausgeführt. Die Zahlen des Jahres 2026 zeigen, dass diese Antwort Geduld verlangt.

Gold kostete nach dem LBMA-Preis am 18. Juni 2020 1.532,93 Euro je Unze. Am 18. Juni 2026 waren es 3.692,23 Euro. Über sechs Jahre ist das mehr als eine Verdopplung, in einer Zeit, in der die Kaufkraft des Euro deutlich gesunken ist.

Im Jahr 2026 selbst war der Weg unruhig. Am 2. März notierte Gold bei 4.537,54 Euro, am 24. März bei 3.807,13 Euro. Mitten im Energiepreisschock fiel der Goldpreis in Euro also deutlich. Gold schützt Kaufkraft über lange Zeiträume, nicht über Wochen.

Die Immobilie ist der zweite klassische Sachwert, und für viele Familien der größte. Sie schützt vor Teuerung, weil Mieten und Bodenwerte langfristig mit dem Preisniveau steigen können. Sie hat aber eine Eigenschaft, die in einer Schuldenkrise zählt: Sie kann das Land nicht verlassen. Sie steht im Grundbuch, ihr Wert ist bekannt, und jede Abgabe auf Grundbesitz erreicht sie ohne Umweg. Wie sich eine deutsche Immobilie gegen einen solchen Zugriff schützen lässt, ohne dass ein Eigentümerwechsel stattfindet, vergleichen wir beim Immobilienschutz.

Für die Frage, wie Edelmetalle gehalten werden, zählt neben dem Preis der Ort. Wer Gold im Inland lagert, schützt sich vor der Teuerung, bleibt aber in Reichweite jeder künftigen Ablieferungspflicht. Die Alternativen, etwa ein privates Hochsicherheitslager außerhalb der EU, beschreiben wir unter Gold im Ausland lagern.

Was du aus der Prognose ableiten kannst

Die Bundesbank-Prognose ist keine Handlungsanweisung. Sie liefert aber drei nüchterne Befunde.

Erstens: Geldvermögen verliert 2026 voraussichtlich real an Wert, wenn es nicht über der Teuerung verzinst wird. Das betrifft Tagesgeld, Festgeld und viele Anleihen.

Zweitens: Die Staatsverschuldung steigt über den gesamten Prognosezeitraum, und die Schuldenbremse bremst den Anstieg nach Aussage der Bundesbank nicht mehr. Ein Staat mit wachsender Zinslast profitiert real von Teuerung, und er hat Werkzeuge für den Zugriff auf Vermögen.

Drittens: Krisenvorsorge heißt Verteilung. Ein Teil des Vermögens in Sachwerten, ein Teil außerhalb des eigenen Rechtsraums, ein Teil in Strukturen, die einem Zugriff standhalten. Für die deutsche Immobilie gibt es dafür die Grundbuchlösung mit einer Wyoming LLC oder einer Stiftungs-Limited: Eintragungen im Grundbuch, kein Eigentümerwechsel, die steuerliche Situation bleibt unverändert, alle Maßnahmen sind reversibel. Für Geldvermögen gibt es Konten in einer anderen Rechtsordnung.

In Österreich gilt dieselbe Geldpolitik der EZB, die Teuerung verläuft ähnlich. In der Schweiz gilt eine eigene Währung und eine eigene Geldpolitik. Für Vermögen in Euro gilt die Rechnung dieser Prognose unabhängig davon, wo du lebst.

Die Bundesbank hat ihre Zahlen vorgelegt. Die Rechnung für dein eigenes Vermögen musst du selbst aufmachen.

Nachtrag (Stand: 23.09.2026)

Seit dem Beitrag hat der EZB-Rat die Leitzinsen erneut angehoben. Der Einlagesatz, der seit dem 17. Juni bei 2,25 Prozent lag, stieg mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. So steht es in der Übersicht der EZB-Leitzinsen und im Beschluss vom 10. September 2026. Auch der neue Satz liegt unter den 2,9 Prozent Teuerung, die die Bundesbank für 2026 erwartet. Wie du dein Vermögen auf diese Lage einstellst, ordnen wir unter Krisenvorsorge ein.