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Gold steigt erstmals über 2.100 Euro je Unze

Veröffentlicht: 5.4.2024 · Edelmetalle

Am 2. April 2024 hat die LBMA den Goldpreis am Nachmittag bei 2.103,27 Euro je Feinunze festgestellt. Das war das erste Fixing über 2.100 Euro überhaupt.

Am 3. April stand der Preis bei 2.109,82 Euro. Am 5. April bei 2.128,00 Euro. In Dollar waren es an diesem Freitag 2.298,55.

Das ist keine Tagesschwankung. Es ist eine Serie. Und sie sagt weniger über Gold als über das Geld, in dem wir es messen. Wie du Gold und Silber so hältst, dass sie dich im Ernstfall tatsächlich schützen, steht in unserer Übersicht Edelmetalle als Asset-Klasse.

Die Zahlen der letzten Wochen

Maßgeblich ist der LBMA Gold Price, der zweimal täglich in London festgestellt wird. Er ist der Referenzpreis, auf den sich Händler, Banken und Zentralbanken weltweit beziehen. Die folgenden Werte sind die Nachmittagsfixings, abgerufen aus den historischen Daten der LBMA.

  • 28. Dezember 2023, letztes Nachmittagsfixing des Jahres: 1.871,60 Euro, 2.078,40 Dollar.
  • 22. März 2024: 2.007,86 Euro. Das erste Fixing über 2.000 Euro.
  • 28. März 2024: 2.050,71 Euro.
  • 2. April 2024: 2.103,27 Euro. Erstmals über 2.100.
  • 3. April 2024: 2.109,82 Euro.
  • 4. April 2024: 2.109,10 Euro.
  • 5. April 2024: 2.128,00 Euro, 2.298,55 Dollar.

Seit dem Jahreswechsel sind das in Euro gut 13 Prozent in gut drei Monaten. In Dollar gut 10 Prozent. Der Unterschied kommt vom Wechselkurs: Der Euro hat gegenüber dem Dollar in dieser Zeit nachgegeben, und das verstärkt den Anstieg für jeden, der in Euro rechnet.

Silber ist mitgezogen. Das Fixing am 5. April lag bei 24,72 Euro je Unze, am 29. Dezember 2023 bei 21,48 Euro (LBMA Silver Price). Das sind rund 15 Prozent, also sogar etwas mehr als bei Gold. Silber schwankt stärker, in beide Richtungen.

Der Wechselkurs als stiller Treiber

Aus den LBMA-Daten lässt sich der implizite Wechselkurs ablesen. Am 28. Dezember 2023 entsprach das Fixing einem Kurs von rund 1,11 Dollar je Euro. Am 5. April 2024 waren es rund 1,08. Der Euro hat also knapp 3 Prozent gegenüber dem Dollar verloren.

Für dich als Anleger in Euro heißt das: Ein Teil des Rekords ist kein Goldeffekt, sondern ein Euroeffekt. Gold ist in Dollar gestiegen, und der Euro ist gegenüber dem Dollar gefallen. Beides zusammen ergibt die 13 Prozent. Wer sein Vermögen ausschließlich in Euro hält, spürt die zweite Hälfte dieser Rechnung nicht als Gewinn, sondern als leisen Verlust an internationaler Kaufkraft.

Was die Inflationsrate dazu sagt

Am 2. April, dem Tag des ersten Fixings über 2.100 Euro, meldete das Statistische Bundesamt eine vorläufige Inflationsrate für Deutschland von 2,2 Prozent im März (Destatis). Das ist der niedrigste Wert seit Frühjahr 2021.

Halte beide Zahlen nebeneinander. Die offizielle Teuerung fällt. Der Goldpreis in Euro steigt in einem Quartal um mehr als das Fünffache der Jahresinflation.

Wie du das liest, ist deine Sache. Eine Beobachtung ergibt sich schlicht aus der Mathematik: Der Preis eines Gutes, das seit Jahrtausenden als Geld dient und von keiner Zentralbank vermehrt werden kann, steigt in Euro schneller, als der Warenkorb teurer wird. Gold misst die Kaufkraft des Euro auf eine Weise, die im Verbraucherpreisindex nicht vorkommt.

Warum Sachwerte grundsätzlich anders funktionieren als Geldwerte, haben wir im Beitrag über Investitionen in Sachwerte beschrieben.

Der 5. April ist ein Datum mit Geschichte

Auf den Tag genau 91 Jahre vor diesem Rekordfixing hat der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6102 unterzeichnet. Datiert: 5. April 1933.

Was darin stand, ist nachlesbar. Alle Personen mussten bis zum 1. Mai 1933 ihre Goldmünzen, ihr Barrengold und ihre Goldzertifikate an eine Federal Reserve Bank oder eine Mitgliedsbank abliefern. Ausnahmen gab es für kleine Mengen, für gewerblichen Bedarf und für Sammlerstücke. Wer vorsätzlich verstieß, riskierte bis zu 10.000 Dollar Strafe oder bis zu zehn Jahre Haft.

Das war kein autoritärer Staat. Das waren die Vereinigten Staaten, in einer Bankenkrise. Die Rechtsgrundlage war ein Gesetz aus dem Jahr 1917, das der Kongress im März 1933 erweitert hatte, verbunden mit der Erklärung eines nationalen Notstands im Bankwesen. Der Zugriff lief über das Bankensystem: Abgabe bei der Federal Reserve oder den Mitgliedsbanken, Weiterleitung von den Mitgliedsbanken an die Federal Reserve.

Ein Detail aus Abschnitt 7 zeigt, wie so etwas praktisch funktioniert. Wer für die Ablieferung mehr Zeit brauchte, konnte eine Fristverlängerung beantragen. Schriftlich, unter Eid. Und im Antrag waren Menge und Ort des Goldes anzugeben. Die Ausnahme war an die Offenlegung gebunden.

Entschädigt wurde nach Abschnitt 4 mit dem gleichen Betrag in anderen Münzen oder Banknoten. Also zum Nennwert.

Und die Freigrenze? Goldmünzen und Goldzertifikate bis zu insgesamt 100 Dollar je Person durften behalten werden. Das war ein Betrag für die Geldbörse, nicht für ein Vermögen. Die Grenze war so gezogen, dass sie den kleinen Besitz schonte und den großen erfasste.

Präzedenz ist keine Prognose. Aber sie zeigt, welche Befugnisse ein Staat in einer Krise in Anspruch nehmen kann, und über welchen Kanal er sie durchsetzt.

Anonymität wird schmaler

Wer heute in Deutschland Gold kauft, wird ab einer bestimmten Summe erfasst. Das Geldwäschegesetz verpflichtet Händler hochwertiger Güter, zu denen Edelmetalle gehören, bei Barzahlungen ab 2.000 Euro zu ihren Sorgfaltspflichten. Dazu gehört, dich zu identifizieren.

Auf EU-Ebene haben Rat und Parlament am 18. Januar 2024 eine vorläufige Einigung über das Geldwäschepaket erzielt (Rat der EU). Darin: eine EU-weite Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen, niedrigere nationale Grenzen bleiben erlaubt. Bei gelegentlichen Bargeschäften zwischen 3.000 und 10.000 Euro ist eine Identifizierung vorgesehen.

Welche Grenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beim Tafelgeschäft gelten und was legal möglich ist, steht in unserem Leitfaden Gold anonym kaufen.

Rechne mit dem heutigen Preis nach, was das bedeutet. Bei 2.128 Euro je Unze liegt schon eine einzige Unze über der Schwelle von 2.000 Euro. Eine Grenze, die früher für eine Handvoll Münzen galt, greift heute beim ersten Stück. Der Schwellenwert ist in Euro festgeschrieben, der Goldpreis steigt. Jeder Rekord senkt die Zahl der Unzen, die du noch ohne Ausweis kaufen kannst.

Die Richtung ist klar. Jeder Goldkauf über Bargeldgrenzen hinweg hinterlässt eine Spur. Das Gold selbst ist anonym. Der Weg dorthin wird es immer weniger.

Wo Gold hingehört

Der Rekord ändert nichts an der wichtigsten Frage einer Goldanlage. Sie lautet nicht, wann du kaufst. Sie lautet, wo das Gold liegt.

Physisches Gold hat einen strukturellen Vorteil gegenüber jedem Wertpapier: Es existiert außerhalb des Finanzsystems, ohne Gegenpartei, ohne Emittent, ohne Konto. Wer es in ein inländisches Bankschließfach legt, holt es in genau das System zurück, dem er ausweichen wollte. Der Zugang hängt an Öffnungszeiten, und in einer Bankenkrise ist er genau dann versperrt, wenn du ihn brauchst.

Die Alternative ist das Hochsicherheitslager im Ausland, außerhalb des Bankensystems, betrieben von privaten Lagerunternehmen. Für Schutzvermögen ist die segregierte Einzelverwahrung der Maßstab: deine konkreten Barren und Münzen, mit Seriennummern inventarisiert, getrennt gelagert. Du bist Eigentümer bestimmter Stücke, nicht Gläubiger eines Anspruchs. Welche Standorte sich eignen und wie sie sich unterscheiden, steht in unserem Leitfaden Gold im Ausland lagern.

Beim Anbieter kommt es auf vier Dinge an. Eine unabhängige Bestandsprüfung mit veröffentlichten Berichten. Eine Allgefahrenversicherung über einen namhaften Versicherer. Ein jederzeitiges Besuchs- und Auslieferungsrecht. Und ein Betreiber, der keine Bank ist. Der letzte Punkt ist der wichtigste, und nach dem Blick auf 1933 wird klar, warum.

Der Schritt über die Grenze hat einen zweiten Effekt. Ein Lager in der Schweiz oder in Singapur liegt außerhalb der EU und damit außerhalb der Rechtsordnung, in der die neuen Regeln zu Bargeld, Identifizierung und Meldewegen gerade gemacht werden. Welche Gründe insgesamt für Vermögen außerhalb der EU sprechen, fassen wir unter Warum außerhalb der EU zusammen.

Goldkonten und börsengehandelte Goldprodukte sind etwas anderes. Sie sind Forderungen gegen eine Bank oder einen Emittenten, mit genau dem Gegenparteirisiko, das physisches Gold vermeiden soll. Sie laufen mit dem Rekordpreis mit. Sie schützen dich nicht vor dem System, in dem sie verbucht sind.

Silber ist ein eigener Fall

Bei Gold ist die Umsatzsteuer in Deutschland kein Thema. Nach § 25c des Umsatzsteuergesetzes ist die Lieferung von Anlagegold steuerfrei. Anlagegold sind Barren mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel und Goldmünzen mit mindestens 900 Tausendstel, geprägt nach 1800, gesetzliches Zahlungsmittel im Ursprungsland, verkauft nahe am Goldwert.

Für Silber gibt es diese Befreiung nicht. Für den Vermögensschutz gilt dort deshalb eine zusätzliche Rechnung: In Deutschland und Österreich fällt beim Kauf von Silberbarren Mehrwertsteuer an, im Zollfreilager nicht, solange das Metall dort bleibt. Wie groß der Unterschied ist und welche Länder sich eignen, steht in unserem Leitfaden Silber im Ausland kaufen.

Was der Rekord steuerlich bedeutet

Für Anleger in Deutschland ist ein Kursgewinn bei physischem Gold nach § 23 des Einkommensteuergesetzes ein privates Veräußerungsgeschäft. Liegen zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr, ist der Gewinn steuerpflichtig. Danach ist er steuerfrei.

Wer also zu Jahresbeginn gekauft hat und jetzt verkauft, versteuert den Gewinn. Wer hält, hat keine Eile. Für Österreich und die Schweiz gelten eigene Regeln, und dein Wohnsitzstaat entscheidet, welche.

Der Rekord ist deshalb vor allem ein Anlass, die eigene Position zu prüfen: Wie viel Gold hältst du, in welcher Form, an welchem Ort, unter welcher Rechtsordnung?

Was ein Rekord mit deinem Verhalten macht

Rekorde erzeugen Druck. Wer noch kein Gold hat, fürchtet, zu spät zu kommen. Wer Gold hat, überlegt, Gewinne mitzunehmen. Beides sind Entscheidungen über den Zeitpunkt. Für den Vermögensschutz ist der Zeitpunkt die unwichtigste Größe.

Drei Fehler kommen in solchen Phasen besonders oft vor. Erstens: aus Eile zum nächstbesten Produkt greifen, einem Goldkonto oder einem Zertifikat, weil es schneller geht als der Kauf von physischem Metall. Das ist dann kein Gold, sondern eine Forderung. Zweitens: physisches Gold kaufen und es dort ablegen, wo es gerade bequem ist, im Schließfach der Hausbank. Drittens: die Dokumentation vergessen. Rechnungen, Seriennummern, Lagerverträge. Ohne sie wird der Verkauf, der Umzug des Bestands oder der Erbfall zum Problem.

Ein Rekordpreis macht jeden dieser Fehler teurer, nicht billiger.

Was du aus der Rekordserie mitnimmst

Die Serie der letzten Wochen zeigt, wie schnell sich Relationen verschieben. Innerhalb von zwei Wochen hat Gold die Marken von 2.000 und 2.100 Euro überschritten.

Sie zeigt auch, dass der Preis nicht das Entscheidende ist. Das Gold von 1933 wurde zum Nennwert in Papiergeld getauscht. Es kam nicht darauf an, was es auf dem Markt wert gewesen wäre. Es kam darauf an, wo es lag und wer davon wusste.

Deshalb gehört zu jeder Goldposition dieselbe Prüfliste:

  • Form. Physisch oder Forderung?
  • Verwahrung. Einzeln verwahrt oder in einem Sammelbestand?
  • Ort. Im Inland im Bankschließfach oder im Ausland außerhalb des Bankensystems?
  • Rechtsordnung. In der EU oder außerhalb?
  • Zugang. Wer kommt im Notfall an dein Gold, und wie?

Wer diese fünf Fragen beantwortet hat, braucht den nächsten Rekord nicht zu fürchten und muss dem letzten nicht hinterherlaufen.

Das gilt in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz gleichermaßen. Die Steuerregeln unterscheiden sich, die Bargeldgrenzen auch. Die fünf Fragen nicht. Denn sie handeln nicht vom Preis des Goldes, sondern von deiner Verfügungsgewalt darüber. Genau die ist das Ziel jeder Goldanlage, die Vermögen schützen soll.

Nachtrag (Stand: 23.09.2026)

Seit dem Beitrag ist das Geldwäschepaket beschlossen. Die Verordnung (EU) 2024/1624 vom 31. Mai 2024 ist am 19. Juni 2024 im Amtsblatt erschienen und gilt ab dem 10. Juli 2027. Die Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen an Händler und Dienstleister steht in Artikel 80; niedrigere nationale Grenzen bleiben gültig. Die Identifizierung bei gelegentlichen Barzahlungen ab 3.000 Euro steht in Artikel 19. Bis dahin gilt in Deutschland die Schwelle von 2.000 Euro aus dem Geldwäschegesetz unverändert. Wie Edelmetalle heute in eine Vermögensaufstellung passen, beschreibt unsere Übersicht zu Edelmetallen.