Am 7. Februar 2024 hat das Londoner Goldfixing am Nachmittag bei 1.895,83 Euro je Unze geschlossen. Das ist der höchste Euro-Wert, den das Nachmittagsfixing je festgestellt hat. Am selben Tag lag der Preis in Dollar bei 2.041,60. Das ist kein Rekord. Das Hoch in Dollar stammt vom 28. Dezember 2023, mit 2.078,40.
Gold ist also in Euro teurer als je zuvor, in Dollar aber nicht. Wie kann das sein? Die Antwort hat wenig mit Gold zu tun und viel mit dem Geld, in dem du es misst. Wer wissen will, wie man Edelmetall so hält, dass es im Ernstfall auch wirklich schützt, findet die Grundlagen in unserem Überblick zu Gold und Silber außerhalb der EU.
Die Zahlen der ersten Februarwoche
Das maßgebliche Referenzpreis-Fixing für Gold ist der LBMA Gold Price. Er wird zweimal täglich in London festgestellt und in Dollar, Pfund und Euro veröffentlicht. Die Tageswerte der LBMA für das Nachmittagsfixing zeigen die Bewegung genau:
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- Dezember 2023: 1.890,45 Euro. Das war bis Ende Januar der Rekord in Euro.
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- Dezember 2023: 2.078,40 Dollar. Rekord in Dollar. In Euro: 1.871,60.
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- Februar 2024: 1.890,77 Euro. Neuer Rekord in Euro.
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- Februar 2024: 1.891,49 Euro. Neuer Rekord.
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- Februar 2024: 1.895,83 Euro. Neuer Rekord. In Dollar: 2.041,60.
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- Februar 2024: 1.876,80 Euro, 2.023,50 Dollar.
Zwischen dem 28. Dezember und dem 7. Februar ist Gold in Dollar um rund 1,8 Prozent gefallen. In Euro ist es im selben Zeitraum um rund 1,3 Prozent gestiegen. Dasselbe Metall, dieselbe Unze, zwei gegenläufige Bewegungen.
Was der Abstand bedeutet
Die Erklärung liegt im Wechselkurs. Laut den Referenzkursen der EZB kostete ein Euro am 28. Dezember 2023 noch 1,1114 Dollar. Am 7. Februar 2024 waren es 1,0776 Dollar. Der Euro hat in sechs Wochen rund drei Prozent gegenüber dem Dollar verloren.
Wenn der Goldpreis in Dollar leicht fällt, der Euro aber stärker fällt, steigt der Goldpreis in Euro. Das ist reine Arithmetik. Und sie sagt etwas Unbequemes: Der Euro-Rekord ist weniger eine Aussage über Gold als eine über den Euro.
Für einen Sparer in Deutschland oder Österreich ist das die entscheidende Perspektive. Du bezahlst in Euro, du sparst in Euro, deine Lebenshaltung kostet Euro. Ob Gold in Dollar ein Rekordhoch hat, ist für dich zweitrangig. Wichtig ist, was deine Unze in der Währung wert ist, in der du lebst. Und in dieser Währung war sie nie so viel wert wie in dieser Woche.
Der längere Blick
Ein einzelner Rekord sagt wenig. Die Linie dahinter sagt viel. Das erste Goldfixing in Euro nach der Einführung der Gemeinschaftswährung stellte die LBMA am 4. Januar 1999 fest: 243,04 Euro je Unze. Am 7. Februar 2024 waren es 1.895,83 Euro. Das ist knapp das Achtfache in 25 Jahren.
Ein Datum dazwischen zeigt, wie sich die Maßstäbe verschoben haben. Am 5. September 2011 stellte das Fixing 1.895,00 Dollar je Unze fest, damals ein Rekord in Dollar. In Euro waren es an diesem Tag 1.345,59. Im Februar 2024 steht fast genau dieselbe Zahl, 1.895,83, in Euro. Was 2011 in der härteren Währung als Spitze galt, ist dreizehn Jahre später der Preis in der eigenen.
Kürzer: Am 2. Januar 2020, kurz vor der Pandemie, kostete die Unze 1.366,91 Euro. Vier Jahre später 1.895,83. Ein Plus von rund 39 Prozent. Im selben Zeitraum hat der Euro gegenüber dem Dollar von 1,1193 auf 1,0776 nachgegeben.
Dreh die Rechnung um, dann wird sie deutlicher. Für 1.000 Euro bekamst du am 2. Januar 2020 rund 0,73 Unzen Gold. Am 7. Februar 2024 waren es noch rund 0,53 Unzen. Gemessen in Gold hat der Euro in gut vier Jahren rund 28 Prozent verloren. Das ist dieselbe Zahl, nur aus der Sicht deines Kontos.
Beim Silber sieht das Bild anders aus. Die Silberwerte der LBMA lagen am 7. Februar 2024 bei 22,29 Dollar und 20,69 Euro je Unze. Das Allzeithoch in Dollar stammt aus dem Januar 1980, mit 49,45 Dollar. Silber ist weit davon entfernt. In Euro hat die Unze seit Anfang 2020 zwar rund 29 Prozent zugelegt, von 16,02 Euro, bleibt aber deutlich unter dem Niveau von 2011, als die Unze zeitweise über 30 Euro kostete. Silber schwankt stärker, Gold ist das ruhigere Wertaufbewahrungsmittel. Die Zahlen zeigen es auch diesmal.
Die Inflation ist gesunken, das Preisniveau nicht
Das Statistische Bundesamt beziffert die Inflationsrate für Januar 2024 auf voraussichtlich 2,9 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Juni 2021. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt bei voraussichtlich 3,4 Prozent.
Eine sinkende Inflationsrate heißt, dass die Preise langsamer steigen. Sie steigen weiter. Das Preisniveau sinkt nicht, nur weil die Rate sinkt. Die Kaufkraft, die dein Euro-Guthaben in dieser Zeit verloren hat, kommt nicht zurück.
Gold ist kein Inflationsschutz im Sinne eines Versicherungsvertrags. Es gibt Jahre, in denen es fällt, während die Preise steigen. Aber über lange Zeiträume ist es das, was es seit Jahrtausenden ist: ein Wert, den keine Zentralbank nachdrucken kann. Welche Rolle Sachwerte neben Gold spielen, haben wir in unserer Übersicht zu Investitionen in Sachwerte zusammengestellt.
Wie du Gold hältst, entscheidet über seinen Schutz
Der Rekord in Euro ist eine gute Nachricht für jeden, der Gold besitzt. Er ist aber auch eine Erinnerung daran, dass Gold nur so viel schützt, wie der Zugriff darauf gesichert ist. Drei Dinge verdienen deine Aufmerksamkeit.
Erstens: die Steuer. In Deutschland ist der Verkauf von physischem Gold steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Das folgt aus der Vorschrift über private Veräußerungsgeschäfte: Bei anderen Wirtschaftsgütern als Grundstücken beträgt die Frist ein Jahr. Beim Kauf fällt für Anlagegold keine Umsatzsteuer an, bei Silber schon. In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus der Veräußerung von Privatvermögen bei der direkten Bundessteuer steuerfrei. In Österreich gelten eigene Fristen und Regeln, die du für deinen Fall prüfen lassen solltest.
Zweitens: die Anonymität. Sie ist beim Goldkauf in Deutschland seit Jahren begrenzt. Händler müssen nach dem Geldwäschegesetz ihre Sorgfaltspflichten erfüllen, sobald bei einem Geschäft über hochwertige Güter Barzahlungen von mindestens 2.000 Euro fließen. Zu diesen Gütern zählt das Gesetz ausdrücklich Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin. Wer mehr bar bezahlt, wird identifiziert. Das ist kein Verbot, aber es ist eine Spur. Und die Richtung ist klar: Am 18. Januar 2024 haben sich Europäisches Parlament und Rat auf ein einheitliches Regelwerk gegen Geldwäsche geeinigt, das nach der Mitteilung des Parlaments eine EU-weite Obergrenze für große Barzahlungen von 10.000 Euro enthält.
Drittens: der Ort. Gold zu Hause ist ein Einbruchsrisiko. Gold im Schließfach einer inländischen Bank liegt im Zugriffsbereich derselben Institutionen, gegen die es dich schützen soll. Physisches Metall gehört dorthin, wo deutsche Verwaltungsakte nicht vollstreckt werden: in Zollfreilager und Hochsicherheitsverwahrung außerhalb der EU, auf deinen Namen, außerhalb des Bankensystems. Welche Standorte dafür in Frage kommen, vergleicht unsere Seite zum Gold im Ausland lagern.
Verkaufen, weil der Preis hoch ist?
Ein Rekord weckt den Reflex, Gewinne mitzunehmen. Bevor du dem folgst, lohnt ein zweiter Blick auf die Rechnung. Wer verkauft, tauscht Metall zurück in genau die Währung, deren Schwäche den Rekord erst erzeugt hat. Der Gewinn steht dann auf einem Euro-Konto, bei einer inländischen Bank, im Zugriffsbereich aller Regeln, die für Konten gelten.
Steuerlich ist der Verkauf in Deutschland nach einem Jahr Haltedauer frei. Innerhalb des ersten Jahres ist der Gewinn einkommensteuerpflichtig. Das Datum auf der Kaufrechnung entscheidet also mit. Wer verkauft, sollte wissen, wofür. Eine Umschichtung in einen anderen Sachwert ist etwas anderes als eine Rückkehr ins Girokonto.
Selbst die Bundesbank verteilt ihr Gold
Wie ernst Lagerorte genommen werden, zeigt ausgerechnet die Deutsche Bundesbank. Sie hat zwischen 2013 und 2017 674 Tonnen Gold nach Frankfurt geholt: rund 374 Tonnen aus Paris und rund 300 Tonnen aus New York. Seitdem lagern 50,6 Prozent der deutschen Goldreserven in Deutschland. Der Rest liegt an zwei Orten, bei der Federal Reserve Bank in New York und bei der Bank of England in London. Die Banque de France bewahrt kein deutsches Gold mehr auf.
Die Bundesbank tut also genau das, was für private Bestände auch gilt. Sie verteilt ihr Metall auf mehrere Rechtsräume, sie weiß, wo jeder Barren liegt, und sie hat die Lagerstellen bewusst gewählt. Für eine Zentralbank heißt das: im eigenen Tresor und bei befreundeten Notenbanken. Für dich heißt es: nicht alles an einem Ort und nicht alles im Zugriff derselben Behörden.
Präzedenz: Wer Gold braucht, holt es sich
Der Staat hat in der Vergangenheit auf privates Gold zugegriffen, wenn seine Währung unter Druck stand. Das bekannteste Beispiel sind die Vereinigten Staaten 1933. Ein Notgesetz vom März 1933 gab dem Finanzminister die Befugnis, die Herausgabe von Goldmünzen und Goldzertifikaten zu erzwingen. Anfang April folgte die Anordnung des Präsidenten gegen das Horten von Gold, im Juni hob der Kongress die Goldklauseln in allen Verträgen auf, staatlichen wie privaten. Wer Gold im Land hielt, hielt es im Zugriff des Staates.
Das ist kein Grund zur Panik, sondern ein Grund zur Planung. Ein solcher Zugriff setzt voraus, dass der Staat weiß, wo das Gold liegt, und dass es in seinem Rechtsraum liegt. Beides kannst du beeinflussen. Beides musst du vorher regeln, nicht wenn der Druck schon da ist.
Gold ist ein Baustein, nicht die ganze Mauer
Immobilien in Deutschland lassen sich nicht in ein Zollfreilager tragen. Aber auch sie lassen sich schützen, ohne dass du sie verkaufst oder überträgst.
Der Weg führt über gezielte Eintragungen in den Abteilungen I, II und III des Grundbuchs zugunsten einer Gesellschaft außerhalb der EU. Zwei Strukturen stehen dafür gleichrangig zur Wahl: die Wyoming LLC und die Stiftungs-Limited in London. Ein Eigentümerwechsel findet nicht statt. Du bleibst Eigentümer, die steuerliche Situation bleibt unverändert, und alle Maßnahmen sind reversibel. Wie das im Einzelnen abläuft, beschreibt die Seite zum Immobilienschutz.
Für die Handlungsfähigkeit im Ernstfall sorgen zusätzlich Konten in Nicht-EU-Staaten, wenn inländische Konten eingefroren oder mit Abgaben belegt werden. Gold, Immobilienschutz und ein Konto außerhalb der EU sind drei Bausteine, die sich ergänzen. Keiner ersetzt die anderen.
Wer ohnehin einen Umzug ins Ausland plant, hat weitere Möglichkeiten wie Trust oder Family Investment Company. Die gehören in eine konkrete Wegzugsplanung, nicht in die Vorsorge von jemandem, der in Deutschland bleibt.
Was der Februar 2024 zeigt
Der Euro-Rekord beim Gold ist kein Zufall der Kurstafel. Er ist das Spiegelbild einer Währung, die gegenüber dem Dollar nachgibt, und einer Kaufkraft, die über Jahre verloren gegangen ist. Wer in Euro spart, verliert still. Wer einen Teil in Gold hält, sieht diesen Verlust als Preisanstieg auf seinem Metall. Für Leser in der Schweiz gilt dieselbe Logik in Franken. Die Tageswerte der LBMA, auf die sich die Zahlen stützen, liegen in Dollar, Pfund und Euro vor, aber das Prinzip ist gleich: Der Goldpreis in deiner Währung misst, was deine Währung gegenüber dem ältesten Geld der Welt verliert oder gewinnt.
Die Frage ist nicht, ob Gold in den nächsten Wochen weiter steigt. Das weiß niemand. Die Frage ist, ob dein Gold dort liegt, wo es dir im Ernstfall gehört. Ein Rekordpreis nützt nichts, wenn du an das Metall nicht herankommst.
Nachtrag (Stand: 23.09.2026)
Seit dem Beitrag ist das Regelwerk beschlossen. Die Verordnung (EU) 2024/1624 vom 31. Mai 2024 ist am 19. Juni 2024 im Amtsblatt erschienen und gilt ab dem 10. Juli 2027. Nach Artikel 80 dürfen Händler und Dienstleister Barzahlungen dann nur noch bis 10.000 Euro annehmen; niedrigere nationale Grenzen bleiben gültig. Nach Artikel 19 müssen Verpflichtete, zu denen Edelmetallhändler gehören, schon bei gelegentlichen Barzahlungen ab 3.000 Euro grundsätzlich den Kunden identifizieren. Bis dahin gilt in Deutschland die Schwelle von 2.000 Euro aus dem Geldwäschegesetz unverändert. Wie Edelmetalle heute in eine Vermögensaufstellung passen, beschreibt unsere Übersicht zu Edelmetallen.