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Gold erstmals über 2.400 Dollar: Was der Rekord vom 12. April 2024 für deine Reserve außerhalb des Bankensystems bedeutet

Veröffentlicht: 26.4.2024 · Edelmetalle

Am Freitag, dem 12. April 2024, hat die LBMA den Goldpreis am Nachmittag bei 2.401,50 Dollar je Feinunze festgestellt. Zum ersten Mal über 2.400. Das bisherige Hoch vom 9. April lag bei 2.356,10 Dollar.

In Euro war es ebenfalls ein Rekord: 2.257,17 Euro je Unze. Eine Woche vorher, am 5. April, waren es noch 2.128 Euro.

Zwei Wochen später, am 26. April, liegt das Fixing wieder bei 2.343,10 Dollar und 2.187,75 Euro. Der Ausschlag nach oben war kurz. Das Niveau ist geblieben.

Ein Rekord ist ein guter Anlass für eine Frage, die mit dem Preis nichts zu tun hat: Wo liegt dein Gold, und wer kommt daran? Wie eine Reserve außerhalb des Bankensystems aufgebaut ist, beschreiben wir ausführlich im Leitfaden Gold im Ausland lagern.

Die Zahlen im April

Alle Werte sind Nachmittagsfixings aus den historischen Daten der LBMA. Der LBMA Gold Price ist der Referenzpreis für den Goldhandel weltweit.

  • 5. April: 2.298,55 Dollar, 2.128,00 Euro.
  • 9. April: 2.356,10 Dollar, 2.165,49 Euro.
  • 11. April: 2.345,65 Dollar, 2.185,68 Euro.
  • 12. April: 2.401,50 Dollar, 2.257,17 Euro. Rekord in beiden Währungen.
  • 15. April: 2.344,20 Dollar, 2.204,02 Euro.
  • 19. April: 2.379,70 Dollar, 2.230,97 Euro.
  • 26. April: 2.343,10 Dollar, 2.187,75 Euro.

In Euro hat Gold allein zwischen dem 5. und dem 12. April gut 6 Prozent zugelegt. Seit dem letzten Fixing des Jahres 2023, 1.871,60 Euro am 28. Dezember, waren es bis zum Rekord gut 20 Prozent.

Silber lief mit. Am 12. April lag das Fixing bei 29,025 Dollar und 27,26 Euro je Unze (LBMA Silver Price). Am 26. April waren es 27,625 Dollar und 25,75 Euro.

Der Rücksetzer gehört dazu

Schon am Montag nach dem Rekord lag das Fixing wieder 57 Dollar tiefer. Wer am 12. April gekauft hätte, wäre drei Tage später gut 2 Prozent im Minus gewesen. Zwei Wochen später lag der Preis immer noch unter dem Rekord.

Das ist normal für einen Markt, der seit Jahresbeginn um 20 Prozent gestiegen ist. Und es zeigt, warum der Einstiegszeitpunkt für eine Reserve die falsche Frage ist. Eine Reserve baust du nicht, um Schwankungen mitzunehmen. Du baust sie, um im Ernstfall etwas zu haben, das nicht von einer Bank, einem Emittenten oder einem Zahlungssystem abhängt. Ob der Einstand 2.300 oder 2.400 Dollar war, spielt dann keine Rolle.

Was an diesem Tag sonst passiert ist

Am Tag vor dem Rekord, dem 11. April, hat der EZB-Rat die Leitzinsen unverändert gelassen (EZB). Einlagefazilität 4,00 Prozent, Hauptrefinanzierung 4,50 Prozent. Und er hat einen Satz hinzugefügt: Wenn seine aktualisierte Einschätzung das Vertrauen weiter stärke, dass die Inflation nachhaltig zum Ziel zurückkehrt, sei es angemessen, den restriktiven Kurs zu lockern.

Am Tag des Rekords selbst hat das Statistische Bundesamt die Inflationsrate für Deutschland im März bestätigt: 2,2 Prozent (Destatis). Im Februar waren es 2,5 Prozent, im Januar 2,9 Prozent.

Das Bild ist also dieses: Die offizielle Teuerung sinkt. Die Zentralbank stellt Zinssenkungen in Aussicht. Und der Preis des Metalls, das keine Zinsen zahlt und das keine Zentralbank vermehren kann, erreicht in Euro einen Rekord. Wie du das deutest, entscheidest du. Die Zahlen stehen nebeneinander.

Zins gegen Metall

Eine einfache Rechnung macht den Abstand sichtbar. Die Einlagefazilität der EZB liegt bei 4 Prozent im Jahr. Das ist der Satz, zu dem Banken Geld bei der Zentralbank parken. Auf ein Quartal umgelegt ist es ein Prozent.

Gold hat vom letzten Fixing 2023 bis zum Rekord, also in gut dreieinhalb Monaten, in Euro rund 20 Prozent zugelegt. Das ist kein Argument, alles in Gold zu tauschen. Gold kann auch fallen, und es zahlt keinen Zins. Aber es zeigt, dass die Kaufkraft deines Guthabens nicht nur an der Inflationsrate hängt, sondern auch daran, in welcher Form du sie hältst.

Was ein Kontoguthaben ist, und was Gold nicht ist

Der Rekord lenkt den Blick auf eine Unterscheidung, die im Alltag verschwimmt. Dein Guthaben auf einem Bankkonto ist kein Geld, das dir gehört wie ein Gegenstand. Es ist eine Forderung gegen die Bank.

Solange die Bank zahlt, merkst du den Unterschied nicht. Wenn sie nicht mehr zahlt, zeigt er sich. In Deutschland ist der Anspruch aus der gesetzlichen Einlagensicherung nach § 8 des Einlagensicherungsgesetzes auf 100.000 Euro begrenzt. Und im Abwicklungsfall sind nur gedeckte Einlagen bis zu dieser Höhe vom Bail-in ausgenommen (§ 91 Sanierungs- und Abwicklungsgesetz). Was darüber liegt, kann in Anteile umgewandelt oder herabgeschrieben werden.

Ausgenommen ist auch Kundenvermögen, das die Bank nur verwahrt und das dir im Insolvenzfall zusteht. Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Forderung und einem Eigentum.

Das ist kein Misstrauen gegenüber deiner Bank. Es ist die Rechtslage, und sie gilt für jede Bank in Deutschland, die solide wie die wackelige. Wer sein gesamtes liquides Vermögen auf Konten hält, hält es vollständig in Form von Forderungen. Eine Reserve, die davon unabhängig ist, muss deshalb eine andere Rechtsnatur haben.

Physisches Gold in segregierter Verwahrung ist Eigentum. Deine Barren, mit Seriennummern, getrennt gelagert. Es steht in keiner Bankbilanz. Es wird nicht umgewandelt, nicht herabgeschrieben. Es hat keine Gegenpartei.

Das gilt nicht für jedes Gold. Ein Goldkonto bei einer Bank ist eine Forderung auf Gold. Ein börsengehandeltes Goldpapier ist eine Forderung gegen einen Emittenten. Beide steigen mit dem Rekordpreis mit. Beide sind im Ernstfall das, was ein Kontoguthaben ist: ein Versprechen.

Die Reserve außerhalb des Bankensystems

Eine Goldreserve, die dich schützen soll, braucht drei Eigenschaften.

Physisch. Barren oder Münzen, keine Papiere. In Deutschland ist Anlagegold nach § 25c des Umsatzsteuergesetzes umsatzsteuerfrei: Barren ab 995 Tausendstel Feingehalt, Goldmünzen ab 900 Tausendstel, die bestimmte weitere Bedingungen erfüllen.

Einzeln verwahrt. Deine konkreten Stücke, inventarisiert, getrennt vom Bestand anderer Kunden. Du bist Eigentümer bestimmter Barren, nicht Gläubiger eines Anteils an einem Sammelbestand.

Außerhalb des Bankensystems. Ein Hochsicherheitslager, das von einem privaten Lagerunternehmen betrieben wird, nicht von einer Bank. Das inländische Bankschließfach erfüllt das nicht. Sein Zugang hängt an der Bank, an ihren Öffnungszeiten und im Krisenfall an Entscheidungen, auf die du keinen Einfluss hast.

Wo diese drei Eigenschaften zusammenkommen, steht in unserem Leitfaden Gold im Ausland lagern. Die Schweiz, Liechtenstein und Singapur sind die Standorte, die wir dort vergleichen. Alle drei liegen außerhalb der EU. Warum das eine eigene Schutzschicht ist, fassen wir unter Warum außerhalb der EU zusammen.

Das EU-Parlament hat diese Woche das Geldwäschepaket verabschiedet

Am 24. April 2024 hat das Europäische Parlament das Paket gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verabschiedet (Europäisches Parlament). Darin: eine EU-weite Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen, ausgenommen Zahlungen zwischen Privatpersonen außerhalb eines beruflichen Zusammenhangs. Dazu eine neue EU-Behörde mit Sitz in Frankfurt, AMLA, die die riskantesten Finanzunternehmen direkt beaufsichtigen soll. Und ein unmittelbarer, kostenloser Zugang zu den Registern über wirtschaftliche Eigentümer für alle mit berechtigtem Interesse, ausdrücklich auch für Journalisten und zivilgesellschaftliche Organisationen.

Für den Goldkauf heißt das: Der Weg über Bargeld wird schmaler. In Deutschland müssen Händler von Edelmetallen schon heute bei Barzahlungen ab 2.000 Euro ihre Sorgfaltspflichten erfüllen und dich identifizieren (§ 10 Geldwäschegesetz). Eine Unze Gold kostet bei diesem Preis bereits mehr als 2.000 Euro. Die EU-Obergrenze begrenzt künftig zusätzlich, wie viel überhaupt bar bezahlt werden darf, auch mit Ausweis. Das ist keine Aussage über deine Absichten. Es ist eine Aussage darüber, wo jede Transaktion Spuren hinterlässt.

Umso wichtiger wird, was nach dem Kauf passiert. Die Frage verschiebt sich vom anonymen Erwerb zur geschützten Verwahrung.

Der Kauf ist dokumentiert, der Händler kennt dich, die Überweisung steht auf deinem Kontoauszug. Das lässt sich in der EU nicht mehr vermeiden. Beeinflussen kannst du den Ort, an dem das Gold danach liegt, und die Rechtsordnung, unter der es liegt.

Was ein guter Lagervertrag enthält

Wer sein Gold außerhalb des Bankensystems lagert, gibt es trotzdem in fremde Hände. Umso wichtiger ist, was im Vertrag steht.

  • Unabhängige Bestandsprüfung. Ein externer Prüfer bestätigt regelmäßig, dass die Bestände vorhanden sind, und die Berichte werden veröffentlicht.
  • Versicherung. Eine Allgefahrenversicherung über einen namhaften Versicherer, die den vollen Wert deckt.
  • Zugang. Ein jederzeitiges Besuchsrecht und ein Recht auf Auslieferung.
  • Betreiber. Ein Lagerunternehmen, das keine Bank ist.

Dazu kommt, was du selbst regeln musst: Vollmachten, die Hinterlegung der Lagerdokumente, eine klare Regelung für den Erbfall. Eine Reserve, an die im Notfall niemand herankommt, ist keine Reserve.

Konten gehören trotzdem dazu

Gold ist keine Alternative zu Bankkonten. Du brauchst Konten, um zu leben, zu investieren, zu bezahlen. Die Frage ist, wo sie liegen.

Wer alle Konten in einem Land hat, hat das Bankrisiko verteilt, nicht das Länderrisiko. Ein Konto in einer Rechtsordnung außerhalb der EU unterliegt anderen Regeln und anderen Behörden. Welche Länder sich eignen, steht unter Nicht-EU-Bankkonten. Die Kontoeröffnung selbst begleitet unsere Schwesterseite FreedomBanking Plus. Gold und Konto ergänzen sich: Das Konto hält die Liquidität für den Alltag, das Gold die Reserve für den Fall, dass der Alltag nicht mehr funktioniert.

Und wenn du Gold im Ausland lagerst, brauchst du dort früher oder später einen Weg, es zu verkaufen, ohne es zu bewegen. Wie der Verkauf direkt aus dem Lager funktioniert, steht in unserem Leitfaden Gold im Ausland verkaufen.

Was der Rekord in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet

Der Dollarpreis ist für alle derselbe. Was er für dich bedeutet, hängt von deiner Währung und deinem Wohnsitz ab.

In Deutschland und Österreich rechnest du in Euro. Hier war der 12. April ein Rekord, und der Anstieg seit Jahresbeginn war größer als in Dollar, weil der Euro gegenüber dem Dollar nachgegeben hat.

In der Schweiz rechnest du in Franken. Die LBMA stellt keinen Franken-Preis fest. Wer dort lebt, rechnet den Dollarpreis über den Wechselkurs um.

Steuerlich gelten drei verschiedene Rechtsordnungen. In Deutschland ist der Gewinn aus dem Verkauf von physischem Gold nach § 23 des Einkommensteuergesetzes steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Wer den Rekord nutzen will, um Gewinne mitzunehmen, sollte deshalb zuerst auf das Kaufdatum schauen. Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln. Welche Regeln für dich gelten, entscheidet dein Wohnsitz, nicht der Lagerort des Goldes. Das ist ein Punkt, der bei Auslandslagerung oft übersehen wird: Der Lagerort ändert den Schutz, nicht die Steuerpflicht.

Was du aus dem 12. April mitnimmst

Ein Rekord sagt dir nicht, ob du kaufen oder verkaufen sollst. Er sagt dir, dass der Wert deiner Goldposition gerade so hoch ist wie nie. Und damit auch, wie viel an der Frage hängt, wo sie liegt.

Die Prüfliste ist kurz:

  • Hältst du Gold oder eine Forderung auf Gold?
  • Liegt es einzeln verwahrt oder in einem Sammelbestand?
  • Liegt es bei einer Bank oder außerhalb des Bankensystems?
  • Liegt es in der EU oder außerhalb?
  • Kannst du es verkaufen, ohne es zu bewegen, und kommen deine Erben daran?

Wie Edelmetalle insgesamt in eine Vermögensstruktur passen, zeigt unsere Übersicht Edelmetalle als Asset-Klasse. Dort steht auch, welche Jurisdiktionen für die Lagerung in Frage kommen und warum Gold in einem deutschen Bankschließfach im Krisenfall für den Staat zugänglich ist. Der Rekord ist ein guter Tag, diese fünf Fragen zu beantworten. Nicht weil der Preis morgen fällt oder steigt. Sondern weil eine Reserve nur dann schützt, wenn sie steht, bevor du sie brauchst.

Nachtrag (Stand: 23.09.2026)

Seit dem Beitrag hat sich zweierlei geändert. Erstens ist das Geldwäschepaket beschlossen: Die Verordnung (EU) 2024/1624, die Richtlinie (EU) 2024/1640 und die Verordnung (EU) 2024/1620 über die neue Behörde AMLA sind am 19. Juni 2024 im Amtsblatt erschienen. Die Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen steht in Artikel 80 der Verordnung 2024/1624 und gilt ab dem 10. Juli 2027.

Zweitens hat der EZB-Rat den Kurs gelockert, wie er es im April 2024 in Aussicht gestellt hatte. Ab Juni 2024 senkte er den Zins für die Einlagefazilität in acht Schritten von 4,00 auf 2,00 Prozent, gültig ab dem 11. Juni 2025. Mit Wirkung vom 17. Juni 2026 hob er ihn auf 2,25 Prozent an, mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. So steht es in der Übersicht der EZB-Leitzinsen und im Beschluss vom 10. September 2026. Wie Edelmetalle heute in eine Vermögensaufstellung passen, beschreibt unsere Übersicht zu Edelmetallen.