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Silber hat sich seit Januar halbiert: Was der Absturz für deinen Silberkauf außerhalb der EU bedeutet

Veröffentlicht: 24.7.2026 · Edelmetalle

Am 29. Januar 2026 kostete eine Unze Silber im Londoner Fixing 118,45 US-Dollar. In Euro waren es 99,15. Beides waren Rekorde, der höchste Silberpreis, den die London Bullion Market Association je festgestellt hat.

Am 17. Juli 2026 lag das Fixing bei 55,29 Dollar. In Euro bei 48,38.

Das ist ein Minus von 53 Prozent in Dollar und von 51 Prozent in Euro. Silber hat sich in weniger als sechs Monaten halbiert. So tief stand das Fixing zuletzt Ende November 2025. Am 23. Juli, dem letzten Fixing vor diesem Freitag, notierte Silber bei 58,66 Dollar und 51,44 Euro, immer noch rund die Hälfte unter dem Rekord.

Wer im Januar gekauft hat, sieht heute die Hälfte seines Einsatzes. Wer in Deutschland gekauft hat, sieht noch weniger, denn er hat obendrauf 19 Prozent Mehrwertsteuer bezahlt. Genau an dieser Stelle wird die Frage interessant, wo und wie du Silber kaufst. Welche Wege es außerhalb der EU gibt und welche davon tatsächlich steuerfrei sind, haben wir in unserem Leitfaden zu Silberkäufen in Singapur, der Schweiz und im Zollfreilager ausführlich beschrieben.

Der Verlauf in Zahlen

Die Bewegung war nicht gleichmäßig. Sie kam in Schüben.

Am 30. Januar, einen Tag nach dem Rekord, fiel das Fixing auf 103,19 Dollar. Am 2. Februar, dem nächsten Handelstag, stand es bei 81,98 Dollar. Minus 31 Prozent in zwei Handelstagen. Danach folgte ein monatelanges Auf und Ab zwischen rund 67 und knapp 95 Dollar. Ende März stand das Fixing bei 72,69 Dollar, Ende April bei 73,55, am letzten Maitag bei 75,79. Dann kam der Juni. Am 30. Juni lag Silber bei 58,80 Dollar, ein Minus von rund 22 Prozent in einem einzigen Monat. Im Juli ging es Stufe um Stufe weiter nach unten, bis zum Tief vom 17. Juli.

Zur Einordnung gehört die andere Seite der Rechnung. Am 2. Januar 2025 kostete Silber 29,41 Dollar. Selbst beim Tief vom 17. Juli 2026 stand es also fast beim Doppelten. Und das alte Rekordhoch vom 28. April 2011 lag bei 48,70 Dollar. Auch nach dem Absturz liegt Silber über dem Hoch von 2011.

Der Absturz ist also vor allem ein Absturz von einer Spitze. Wer vor 2025 gekauft hat, liegt trotz allem vorne. Wer im Winter 2025 auf 2026 gekauft hat, liegt deutlich hinten.

Gold hat weniger verloren

Auch Gold ist gefallen, aber deutlich weniger. Das Gold-Fixing lag am 29. Januar 2026 bei 5.405 Dollar, am 17. Juli bei 3.995,35 Dollar. Das sind rund 26 Prozent weniger.

Damit hat sich das Verhältnis der beiden Metalle stark verschoben. Am Tag des Silberrekords bekam man für eine Unze Gold rund 46 Unzen Silber. Am 17. Juli waren es rund 72.

Der Befund ist eindeutig: Silber schwankt stärker als Gold, in beide Richtungen. Wer Silber hält, muss diese Schwankung aushalten können. Und er sollte sie nicht zusätzlich mit Steuern verteuern, die er vermeiden kann.

Die Mehrwertsteuer wirkt im Absturz doppelt

Gold ist in der EU als Anlagegold umsatzsteuerfrei. Silber ist es nicht. Für Silber gibt es in der EU keine vergleichbare Befreiung. In Deutschland gilt auf Silberbarren und Silbermünzen der Regelsteuersatz von 19 Prozent. In Österreich sind es 20 Prozent. In der Schweiz gilt der Normalsatz von 8,1 Prozent.

Rechne das einmal mit dem Rekordpreis durch. Wer am 29. Januar für 99,15 Euro je Unze plus 19 Prozent Mehrwertsteuer gekauft hat, hat netto rund 118 Euro je Unze bezahlt, noch ohne Händleraufschlag. Am 17. Juli war die Unze 48,38 Euro wert. Der Verlust liegt damit bei rund 59 Prozent, nicht bei 51.

Und der Rückweg ist steiler. Verkaufst du an einen Händler, bekommst du den Silberpreis abzüglich Spanne, aber nicht die Mehrwertsteuer zurück. Um nur den Kaufpreis wiederzusehen, muss Silber also nicht auf 99 Euro steigen, sondern deutlich darüber.

Ein Beispiel in runden Zahlen: Wer für 50.000 Euro Silber netto kaufen will, zahlt in Deutschland 9.500 Euro Mehrwertsteuer obendrauf. Dieses Geld ist mit dem Kauf verbraucht, egal wohin der Kurs danach geht.

Genau deshalb ist der Ort des Kaufs keine Nebensache. In einem Markt, der sich in sechs Monaten halbieren kann, ist eine Steuer von einem Fünftel des Kaufpreises ein Handicap, das jede Erholung zuerst aufholen muss.

Wie Silberkauf außerhalb der EU funktioniert

Es gibt zwei erprobte Wege, Silber ohne Mehrwertsteuer zu halten. Beide funktionieren nur zusammen mit einer Lagerung im Ausland.

Weg 1: Zollfreilager in der Schweiz oder in Liechtenstein. Das Silber wird direkt in ein Zollfreilager geliefert. Das schweizerische Mehrwertsteuergesetz behandelt die Lieferung in ein Zollfreilager wie eine Ausfuhr ins Ausland, die von der Steuer befreit ist. Solange es dort unter Zollüberwachung bleibt, fällt keine Mehrwertsteuer an, weder die deutschen 19 noch die schweizerischen 8,1 Prozent. Die Steuer entsteht erst, wenn du das Silber entnimmst und einführst. Wer direkt aus dem Lager wieder verkauft, zahlt sie nie.

Weg 2: Singapur. Dort sind Einfuhr und Lieferung von Anlagemetallen von der Umsatzsteuer, der GST, befreit. Die Befreiung ist dauerhaft, nicht nur aufgeschoben. Nach dem Leitfaden der Steuerbehörde IRAS gilt das für Silber ab 99,9 Prozent Feinheit. Barren müssen von einer Raffinerie auf der Good-Delivery-Liste der LBMA stammen, Münzen müssen auf einer eigenen Liste stehen. Wer dort kauft, muss also genau hinschauen, was er kauft.

Was nicht funktioniert: in der Schweiz kaufen und über die Grenze mitnehmen. Bei der Einfuhr nach Deutschland oder Österreich fällt Einfuhrumsatzsteuer an. Der Vorteil des Kauflandes verpufft vollständig. Dasselbe gilt für Silber aus Singapur, das nach Europa geholt wird. Der Steuervorteil hängt am Lager, nicht am Kaufland.

Daraus folgt eine einfache Regel: Wer Silber außerhalb der EU kauft, sollte es auch außerhalb der EU lassen. Und er sollte es so lagern, dass er es dort auch wieder verkaufen kann, ohne es je über eine EU-Grenze bewegen zu müssen. Ein Lager, das den Verkauf aus dem Bestand heraus anbietet, spart am Ende genau den Schritt, an dem die Steuer entstehen würde.

Das Zolllager in der EU ist seit April kaum noch ein Weg

Lange galt ein dritter Weg als Alternative: der Kauf über ein Zolllager innerhalb der EU. Das Bundesfinanzministerium hat diesen Weg am 9. April 2026 eng gemacht.

Nach dem BMF-Schreiben vom 9. April 2026 gilt für Lieferungen in einem Zolllager an einen Endverbraucher, ausdrücklich etwa beim Erwerb zur Kapitalanlage: Die Steuerbefreiung greift nur, wenn der Käufer selbst oder sein Beauftragter das Zolllagerverfahren beendet. Das Ministerium rechnet ein Beispiel durch. Eine Privatperson kauft Ware im Zolllager als Kapitalanlage und lässt sie dort bis zum Verkauf liegen. Ergebnis: Die Lieferung an sie ist steuerpflichtig.

Das Schreiben gilt nach seiner Anwendungsregelung für alle offenen Fälle. Für Anleger, die Silber in einem deutschen Zolllager halten wollten, um es später aus dem Lager heraus zu verkaufen, ist das der Kern des alten Modells. Zollfreilager in der Schweiz und in Liechtenstein sind von einem deutschen BMF-Schreiben nicht berührt. Sie liegen außerhalb der EU.

Die Schwankung ist das Produkt

Wer Silber kauft, kauft Schwankung. Das zeigen nicht nur die letzten sechs Monate. Das Fixing brauchte vom 2. Januar 2025 bis zum 29. Januar 2026 rund dreizehn Monate, um sich von 29,41 auf 118,45 Dollar zu vervierfachen. Es brauchte weniger als sechs Monate, um die Hälfte davon wieder abzugeben.

Für die Vermögensplanung heißt das: Silber ist ein Baustein für einen Teil des Vermögens, den du über lange Zeit halten kannst, ohne verkaufen zu müssen. Wer in einem Absturz verkaufen muss, verliert zweimal, einmal am Kurs und einmal an der Steuer, die er beim Kauf bezahlt hat.

Was der Absturz steuerlich für dich heißt

Für physisches Silber im Privatvermögen gilt in Deutschland die Regel für private Veräußerungsgeschäfte. Nach § 23 des Einkommensteuergesetzes ist ein Gewinn steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt. Danach ist er steuerfrei.

Im Absturz kehrt sich das um. Wer Silber, das er vor weniger als einem Jahr gekauft hat, mit Verlust verkauft, realisiert einen Verlust aus einem privaten Veräußerungsgeschäft. Solche Verluste dürfen nach dem Gesetz nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden, im selben Jahr, im Vorjahr oder in späteren Jahren. Mit Arbeitslohn oder Mieten lassen sie sich nicht verrechnen.

Der Zeitpunkt eines Verkaufs hat damit steuerliche Folgen, die du kennen solltest, bevor du handelst.

Warum Silber außerhalb der EU mehr ist als eine Steuerfrage

Die Mehrwertsteuer ist der offensichtliche Grund, Silber außerhalb der EU zu halten. Er ist nicht der einzige.

Die Geschichte kennt den Zugriff auf Silber. Am 9. August 1934 unterzeichnete der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6814. Gestützt auf den Silver Purchase Act von 1934 verlangte sie die Ablieferung allen Silbers, das sich auf dem amerikanischen Festland befand. Ausnahmen gab es für Münzen, für Silber geringer Feinheit, für industrielle Bestände bis 500 Unzen pro Person und für einige weitere Fälle. Entscheidend war der Satz: Silber, das sich in den Vereinigten Staaten befand. Nicht Silber, das Amerikanern gehörte.

Das Präzedenzbeispiel zeigt, woran staatlicher Zugriff anknüpft: an den Ort. Silber in einem Lager in der Schweiz oder in Singapur liegt außerhalb des unmittelbaren Zugriffs der Heimatjurisdiktion. Wie die Lagerung im Ausland im Einzelnen funktioniert, von der Wahl des Lagers bis zur Verwahrform, steht in unserem Leitfaden Gold im Ausland lagern. Die Grundsätze gelten für Silber genauso.

Warum Sachwerte überhaupt in ein Vermögen gehören, haben wir schon 2023 in unserem Beitrag zur Investition in Sachwerte beschrieben. Die Grundsatzargumente für Rechtsräume außerhalb der Union stehen unter Warum außerhalb der EU.

Wenn du in Österreich oder der Schweiz lebst

Für Österreich gilt dieselbe Rechnung wie für Deutschland, nur mit 20 statt 19 Prozent. Wer im Januar in Wien gekauft hat, hat im Absturz noch etwas mehr verloren als ein Käufer in München.

Wer in der Schweiz lebt, zahlt beim physischen Kauf 8,1 Prozent. Das ist deutlich milder als in der EU, aber nicht null. Auch für Schweizer Anleger ist das Zollfreilager der Weg, auf dem Silber ohne Mehrwertsteuer gekauft, gehalten und wieder verkauft werden kann.

Was du daraus machst

Ein Absturz um die Hälfte ist schmerzhaft. Aber er ist auch ein Moment, die eigene Struktur zu prüfen, statt nur auf den Kurs zu schauen.

Drei Fragen helfen:

  • Wo liegt dein Silber? Im Bankschließfach in Deutschland, zu Hause oder in einem Lager außerhalb der EU?
  • Mit welcher Steuer ist es belastet? Hast du beim Kauf 19 oder 20 Prozent bezahlt, die du nie zurückbekommst?
  • Wie willst du künftig kaufen? Wer weiter Silber aufbauen will, sollte das über einen Weg tun, bei dem die Mehrwertsteuer nicht anfällt.

Wer diese drei Fragen beantwortet hat, weiß mehr über sein Silber als jeder Chart. Denn der Chart zeigt nur den Preis. Die Antworten zeigen, was davon bei dir ankommt.

Der Kurs der nächsten Monate ist offen. Die Steuer auf den nächsten Kauf ist es nicht. Sie hängt allein davon ab, wo du kaufst und wo du lagerst.