Am Montag, dem 20. Mai 2024, hat der LBMA-Silberpreis in London bei 31,795 Dollar je Unze festgestellt. Zwei Tage später, am 22. Mai, lag er bei 31,815 Dollar. So hoch stand das Silberfixing zuletzt am 5. Februar 2013. Damals waren es 32,01 Dollar.
Elf Jahre und drei Monate hat es gedauert, bis Silber dieses Niveau wieder erreicht hat. Die Zahlen stammen aus der Preisreihe der London Bullion Market Association, dem Referenzpreis des Londoner Marktes. Was die Woche für deinen Bestand bedeutet, hängt weniger vom Preis ab als von der Frage, wo und wie du dein Silber hältst. Die steuerliche Seite davon, samt der Länder, in denen Anlagesilber gar nicht mit Mehrwertsteuer belastet wird, haben wir unter Silber ohne Mehrwertsteuer im Ausland zusammengestellt.
Die Zahlen der Woche
Das LBMA-Fixing wird einmal am Tag festgestellt, in Dollar, Pfund und Euro. So sah die Woche aus:
| Datum | Dollar je Unze | Euro je Unze |
|---|---|---|
| Freitag, 17. Mai 2024 | 29,680 | 27,38 |
| Montag, 20. Mai 2024 | 31,795 | 29,25 |
| Dienstag, 21. Mai 2024 | 31,635 | 29,11 |
| Mittwoch, 22. Mai 2024 | 31,815 | 29,36 |
| Donnerstag, 23. Mai 2024 | 30,540 | 28,16 |
| Freitag, 24. Mai 2024 | 30,590 | 28,22 |
Zwischen Freitag und Montag lag ein Sprung von gut zwei Dollar. Am Mittwoch folgte das Hoch der Woche. Am Donnerstag gab der Preis wieder über einen Dollar ab. Wer Silber hält, kennt diese Bewegungen. Silber schwankt stärker als Gold, in beide Richtungen.
Zum Jahresanfang sah das Bild anders aus. Am 2. Januar 2024 stand das Fixing bei 23,945 Dollar. Bis zum 20. Mai war das ein Plus von rund 33 Prozent. In Euro fiel der Anstieg sogar noch etwas stärker aus, von 21,83 auf 29,25 Euro, rund 34 Prozent.
Was die Zahl in Euro bedeutet
Für Anleger in Deutschland und Österreich zählt der Euro-Preis. Und der erzählt eine eigene Geschichte.
Mit 29,25 Euro je Unze am 20. Mai lag Silber so hoch wie seit September 2011 nicht mehr. Das damalige Rekordniveau in Euro liegt allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Am 28. April 2011 notierte das Fixing bei 32,88 Euro, in Dollar bei 48,70.
Dass der Euro-Preis weniger weit von seinem Rekord entfernt ist als der Dollar-Preis, liegt am Wechselkurs. Im Fixing vom 20. Mai entsprach ein Euro rund 1,09 Dollar. Am 28. April 2011 waren es rund 1,48 Dollar. Für dich als Anleger im Euroraum zählt am Ende die Rechnung in deiner Währung.
Und selbst der Stand von 2011 war nicht der höchste. Das historische Hoch des Silberfixings in Dollar stammt vom 18. Januar 1980. Damals waren es 49,45 Dollar je Unze. Von diesem Wert ist der Preis im Mai 2024 noch weit entfernt.
Diese Zahlen sind keine Prognose. Sie zeigen, wo der Markt schon einmal war. Wie weit Silber in der Vergangenheit gestiegen und gefallen ist, gehört zu den Dingen, die du kennen solltest, bevor du dich für einen Anteil entscheidest.
Gold lief voraus
Silber stieg nicht allein. Das LBMA-Goldfixing am Nachmittag erreichte am 21. Mai 2024 2.427,30 Dollar je Unze. Das war der höchste Wert in der Goldpreisreihe bis zu diesem Tag. In Euro lag das Hoch schon etwas zurück. Am 12. April 2024 stand Gold bei 2.257,17 Euro.
Interessant ist das Verhältnis der beiden Metalle. Am 2. Januar 2024 kostete eine Unze Gold rund 86 Unzen Silber. Am 20. Mai waren es nur noch rund 76. Silber hat gegenüber Gold also deutlich aufgeholt.
Das Gold-Silber-Verhältnis ist keine Regel, nach der Märkte sich richten. Es ist eine Beobachtungsgröße. Wer beide Metalle hält, sieht an ihm, welches Metall sich in einem Zeitraum besser entwickelt hat. Mehr zu den Unterschieden zwischen den Metallen und ihrer Rolle im Vermögensschutz steht im Bereich Edelmetalle.
Silber wird anders behandelt als Gold
Der größte Unterschied zwischen Gold und Silber hat nichts mit dem Markt zu tun. Er steht im Steuerrecht.
Anlagegold ist in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit. So steht es im Umsatzsteuergesetz. Gemeint sind Barren mit mindestens 995 Tausendstel Feingehalt und bestimmte Goldmünzen. Für Silber gibt es diese Befreiung nicht. Wer in Deutschland Silberbarren kauft, zahlt den Regelsatz von 19 Prozent. In Österreich liegt der Normalsteuersatz bei 20 Prozent.
Das heißt: Jeder Kauf startet mit einem Abschlag. Der Preisanstieg der letzten Monate muss erst die Steuer verdienen, bevor er beim Anleger ankommt. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf Lagerorte außerhalb der EU. Welche Wege dort legal zu einem Silberkauf ohne Mehrwertsteuer führen, zeigt unser Leitfaden zu Anlagesilber außerhalb der EU. Die Rechnung gehört vor den Kauf, nicht danach.
Beim Verkauf sind Gold und Silber in Deutschland wieder gleich. Gewinne aus dem Verkauf physischer Edelmetalle im Privatvermögen sind nach dem Einkommensteuergesetz nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Wer im Mai 2024 Silber verkauft, das er seit mehr als einem Jahr besitzt, behält den Gewinn.
Silber und die Pflicht zur Identifizierung
Beim Kauf wird Silber genauso erfasst wie Gold. Das Geldwäschegesetz verpflichtet Händler, dich bei Barzahlungen für Edelmetalle ab 2.000 Euro zu identifizieren. Silber ist ausdrücklich eingeschlossen.
Bei Silber ist diese Grenze schnell erreicht. Rechnet man das Fixing vom 24. Mai auf ein Kilogramm hoch, sind das rund 907 Euro. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer werden daraus rund 1.080 Euro, noch vor dem Aufschlag des Händlers. Zwei Kilobarren, bar bezahlt, und du stehst mit Namen und Ausweis in den Unterlagen des Händlers. Dein Silberbestand ist damit keine unbekannte Größe mehr, sobald er über ein paar Münzen hinausgeht.
Die Erfassung wird enger. Vier Wochen vor dem Hoch, am 24. April 2024, hat das Europäische Parlament die neue Geldwäscheverordnung beschlossen. Sie enthält eine EU-weite Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen im Handel. Edelmetallhändler bleiben darin zur Prüfung ihrer Kunden verpflichtet, und Silber steht ausdrücklich auf der Liste der erfassten Edelmetalle. Der Rat muss noch zustimmen, und die Regeln greifen erst nach einer Übergangszeit von drei Jahren. Die Richtung ist aber klar: Der anonyme Kauf größerer Mengen wird in der EU nicht leichter.
Was ein höherer Preis im Erbfall bedeutet
Ein Preisanstieg hat noch eine zweite Seite. Er erhöht nicht nur dein Vermögen. Er erhöht auch die Bemessungsgrundlage, wenn dieses Vermögen übertragen wird.
Für die Erbschaft- und Schenkungsteuer in Deutschland zählt der Wert am Stichtag, also am Tag des Erbfalls oder der Schenkung. Bewertet wird Silber nach dem Bewertungsgesetz mit dem gemeinen Wert. Das ist der Preis, der bei einem Verkauf im gewöhnlichen Geschäftsverkehr zu erzielen wäre.
Wer also im Mai 2024 Silber verschenkt oder vererbt, überträgt es zum Preis von Mai 2024. Ein Rekordpreis ist auch ein Rekordwert für das Finanzamt. Freibeträge bleiben dagegen gleich hoch, egal wie stark das Metall steigt. Wer einen größeren Bestand an die nächste Generation weitergeben will, sollte den Zeitpunkt und die Form der Übertragung deshalb nicht dem Zufall überlassen.
In Österreich stellt sich die Frage anders. Dort wird seit 2008 keine Erbschafts- und Schenkungssteuer mehr erhoben. Schenkungen von beweglichem Vermögen, also auch von Silber, müssen dem Finanzamt aber angezeigt werden. Zwischen Angehörigen gilt das, sobald der Wert innerhalb eines Jahres 50.000 Euro übersteigt.
Silber war schon einmal Ziel einer Ablieferungspflicht
Das Goldverbot von 1933 hatte ein Jahr später ein Gegenstück beim Silber.
Am 9. August 1934 unterzeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt die Executive Order 6814. Sie verpflichtete jeden, der in den kontinentalen USA Silber besaß, hielt oder kontrollierte, es innerhalb von 90 Tagen an eine Münzstätte abzuliefern. Grundlage war der Silver Purchase Act von 1934.
Die Ausnahmen sind aufschlussreich. Silbermünzen waren ausgenommen. Silber mit einem Feingehalt von 0,8 oder weniger ebenfalls, solange es nicht verarbeitet war. Industrielle, berufliche und künstlerische Bestände bis 500 Unzen je Person auch. Und Silber in Gegenständen, die für ihren üblichen Gebrauch gehalten wurden und nicht wegen ihres Metallwerts. Getroffen wurde vor allem das reine Anlagesilber in Barrenform.
Bezahlt wurde nicht zum Marktpreis. Die Order legte fest, dass der Staat den Geldwert von rund 1,29 Dollar je Unze zurückgab, abzüglich von gut 61 Prozent für Münzgewinn, Prägung und weitere Gebühren der Münzstätte. Übrig blieben rund 50 Cent je Unze.
Das ist kein Szenario für morgen. Es ist ein dokumentierter Fall aus einem Rechtsstaat mit Verfassung und Gerichten. Er zeigt, auf welche Form ein Staat zugreift, wenn er auf ein Metall zugreift: auf das, was im Inland liegt und sich als Anlage erkennen lässt.
Was Silber leistet und was nicht
Silber ist ein Sachwert. Es zahlt keine Zinsen und keine Dividende. Sein Wert hängt allein an dem Preis, den ein anderer dafür zahlt. Das gilt für Gold genauso. Der Unterschied liegt in der Handhabung.
Silber ist schwer und sperrig im Verhältnis zu seinem Wert. Beim Verhältnis vom 20. Mai brauchst du für den Gegenwert einer Unze Gold rund 76 Unzen Silber, also gut 2,3 Kilogramm. Für einen Bestand im Wert von 100.000 Euro sind das bei 29,25 Euro je Unze rund 3.400 Unzen, mehr als 100 Kilogramm Metall. Das braucht Platz, Transport und Versicherung. Diese Kosten fallen jedes Jahr an, egal wie der Preis steht.
Dafür lässt sich Silber in kleinen Einheiten halten und abgeben. Eine Unze kostete im Mai 2024 knapp 30 Euro vor Steuer. Wer in einer Lage, in der Zahlungssysteme gestört sind, kleine Werte tauschen will, kann das mit Silber leichter als mit einer Goldunze. Eine mögliche Aufteilung ist deshalb: Gold für den Wert, Silber für die Stückelung. Welche davon zu dir passt, hängt von deinem Bestand und deinem Plan ab, nicht vom Rekord einer einzelnen Woche.
Wo dein Silber liegt, entscheidet mehr als der Preis
Aus der Woche lassen sich drei nüchterne Punkte ableiten. Keiner davon hängt davon ab, ob der Preis weiter steigt oder fällt.
Erstens: Der Lagerort ist Teil der Rendite. Silber, das du in Deutschland oder Österreich kaufst und dort lagerst, trägt 19 oder 20 Prozent Umsatzsteuer. Bei gleichem Marktpreis ist das fast ein Fünftel, das erst verdient werden muss. Ob sich ein Lagerort außerhalb der EU für dich rechnet, entscheidet deshalb mit über dein Ergebnis.
Zweitens: Der Lagerort ist Teil des Schutzes. Eine Ablieferungspflicht, eine Meldepflicht oder eine Sonderabgabe erfasst, was ein Staat in seinem Gebiet erreicht. Metall in einem privaten Hochsicherheitslager in einem anderen Rechtsraum liegt außerhalb dieses Gebiets. Wie ein solches Lager funktioniert und welche Standorte sich eignen, steht unter Gold im Ausland lagern. Die Grundsätze gelten für Silber genauso.
Drittens: Ein Preishoch ist ein Anlass zum Nachrechnen, nicht zum Handeln. Wenn ein Metall in wenigen Monaten um ein Drittel steigt, verschiebt sich die Aufteilung deines Vermögens. Wer Silber als Teil seiner Sachwerte hält, prüft in einer solchen Woche, ob der Anteil noch zu seinem Plan passt. Mehr nicht.
Silber hat im Mai 2024 ein Niveau erreicht, das es elf Jahre lang nicht gesehen hat. Ob es dort bleibt, weiß niemand. Was du weißt, ist, wo dein Silber liegt, wie es besteuert wird und wer im Ernstfall darauf zugreifen kann. Darauf kommt es an.
Nachtrag (Stand: 23.09.2026)
Seit dem Beitrag hat auch der Rat zugestimmt. Die Geldwäscheverordnung ist als Verordnung (EU) 2024/1624 vom 31. Mai 2024 am 19. Juni 2024 im Amtsblatt erschienen und gilt ab dem 10. Juli 2027. Die Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen an Händler steht in Artikel 80; niedrigere nationale Grenzen bleiben gültig. Bis dahin gilt die Identifizierung ab 2.000 Euro aus dem Geldwäschegesetz unverändert, auch für Silber. Wie du Silber heute kaufst und lagerst, beschreibt unser Leitfaden zum Silberkauf im Ausland.