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Gold in Euro auf Rekordhoch: 2.589,85 Euro je Unze am 22. November 2024

Veröffentlicht: 29.11.2024 · Edelmetalle

Freitag, 22. November 2024, nachmittags in London. Der LBMA-Goldpreis für den Nachmittag wird festgestellt. In Euro lautet er 2.589,85 Euro je Feinunze.

Das ist ein Rekord. Nie zuvor war eine Unze Gold in Euro so teuer.

Das Bemerkenswerte daran: In Dollar war es kein Rekord. Da lag Gold an diesem Tag rund drei Prozent unter seinem Hoch vom 30. Oktober. Gold ist also nicht einfach teurer geworden. Der Euro ist schwächer geworden.

Wer Gold als Schutz für sein Vermögen hält, sollte beides auseinanderhalten. Und er sollte eine zweite Frage stellen, die mindestens so wichtig ist wie der Preis: Wo liegt das Gold eigentlich? Dazu mehr in unserer Übersicht, warum es sich lohnt, Gold im Ausland zu lagern. Zuerst die Zahlen.

Die Zahlen vom 22. November

Die Werte stammen aus dem Goldpreis der LBMA, dem Referenzpreis des Londoner Goldmarkts. Er wird täglich in Dollar, Pfund und Euro veröffentlicht.

Am Nachmittag des 22. November 2024 lag er bei:

  • 2.694,95 US-Dollar je Unze
  • 2.153,00 Pfund je Unze
  • 2.589,85 Euro je Unze

In Euro und in Pfund war das jeweils ein neues Allzeithoch. Der bisherige Rekord in Euro stammte vom 29. Oktober 2024. Damals lag der Preis bei 2.564,51 Euro. Dass auch das Pfund einen Rekord markierte, zeigt: Nicht nur der Euro hat gegenüber dem Dollar nachgegeben.

In Dollar lag das Hoch dagegen am 30. Oktober 2024 bei 2.777,80 Dollar. Davon war der Preis am 22. November ein gutes Stück entfernt.

Warum Gold in Euro steigt, wenn es in Dollar fällt

Gold wird weltweit in Dollar gehandelt. Der Preis in Euro ergibt sich aus dem Dollarpreis und dem Wechselkurs. Fällt der Euro gegenüber dem Dollar, steigt der Goldpreis in Euro, selbst wenn er in Dollar gleich bleibt.

Genau das ist im November passiert. Der Referenzkurs der EZB lag am 30. Oktober bei 1,0815 Dollar je Euro. Am 22. November lag er bei 1,0412 Dollar. Der Euro hatte in gut drei Wochen fast vier Prozent verloren.

Für jemanden, der in Euro denkt, rechnet und spart, ist das die eigentliche Nachricht. Gold hat seinen Wert gegenüber dem Dollar in dieser Zeit nicht gesteigert. Es hat ihn gegenüber dem Euro gehalten und ausgebaut. Gold misst hier nicht den eigenen Aufstieg, sondern den Abstieg der Währung.

Der Euro auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren

Der Kurs von 1,0412 Dollar ist mehr als eine Momentaufnahme. Er war der niedrigste Referenzkurs der EZB im ganzen Jahr 2024. Zu Jahresbeginn, am 2. Januar, hatte der Euro noch 1,0956 Dollar gekostet.

Einen noch niedrigeren Kurs gab es zuletzt am 30. November 2022. Der Euro stand am 22. November 2024 also so tief wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.

Für einen Sparer im Euroraum heißt das: Alles, was in Euro geführt wird, hat gegenüber der Weltwährung an Kaufkraft verloren. Konto, Tagesgeld, Anleihen, Lebensversicherung. Gold nicht. Es wird in Dollar gehandelt, und sein Preis in Euro gleicht den Verlust der Währung aus.

Was die EZB gleichzeitig tut

Hinzu kommt die Geldpolitik. Am 17. Oktober 2024 hat die EZB ihre drei Leitzinsen erneut um jeweils 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der Zinssatz für die Einlagefazilität liegt seit dem 23. Oktober bei 3,25 Prozent. So steht es in der Pressemitteilung der EZB. Es war die dritte Zinssenkung des Jahres.

Gold bringt keine Zinsen. Das ist sein einziger struktureller Nachteil gegenüber Konto und Anleihe. Je niedriger die Zinsen, desto kleiner wird dieser Nachteil. Sinkende Zinsen und ein schwächerer Euro wirken für einen Anleger im Euroraum in dieselbe Richtung.

Die EZB hat in derselben Mitteilung auch festgehalten, dass sie sich nicht im Voraus auf einen Zinspfad festlegt. Wie es weitergeht, entscheidet sie von Sitzung zu Sitzung. Die Richtung bestimmt eine Institution, auf die du keinen Einfluss hast.

Ein Jahr der Rekorde

Der 22. November war kein Ausreißer. Er war der Höhepunkt eines Jahres, in dem Gold in Euro immer wieder neue Höchststände markiert hat.

Am 2. Januar 2024 lag der Nachmittagspreis bei 1.886,43 Euro. Bis zum 22. November stieg er um rund 37 Prozent.

Am 22. März 2024 lag Gold zum ersten Mal über 2.000 Euro. Am 21. Oktober zum ersten Mal über 2.500 Euro. Zwischen Januar und dem 22. November hat der Nachmittagspreis in Euro an 46 Tagen einen neuen Rekord gesetzt.

Noch deutlicher wird es mit etwas Abstand. Am 29. November 2019, genau fünf Jahre vor diesem Freitag, lag der Preis bei 1.327,42 Euro. Bis zum Rekord hat er sich fast verdoppelt.

Nach dem Rekord ging es wieder etwas nach unten. Am Donnerstag, dem 28. November, lag der Nachmittagspreis bei 2.503,15 Euro. Schwankungen gehören zu Gold wie zu jedem Markt. Die Richtung der letzten fünf Jahre ist trotzdem eindeutig.

Und Silber?

Silber ist den Rekorden nicht gefolgt. Der Silberpreis der LBMA lag am 22. November bei 30,00 Euro je Unze. Das Jahreshoch in Euro stammt vom 23. Oktober 2024 mit 32,02 Euro. Das bisherige Allzeithoch in Euro aus dem April 2011 lag noch darüber.

Silber ist volatiler als Gold. Es ist stärker Industriemetall und schwankt mit der Konjunktur. Für den Vermögensschutz spielt es eine andere Rolle als Gold: als Ergänzung, nicht als Ersatz.

Dazu kommt ein steuerlicher Unterschied. Anlagegold ist in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit, so regelt es das Umsatzsteuergesetz. Silber nicht. Wer Silberbarren im Inland kauft, zahlt die Umsatzsteuer mit. Deshalb spielt beim Silber der Lagerort eine noch größere Rolle als beim Gold, etwa in einem Zollfreilager außerhalb der EU.

Was der Preis nicht zeigt

Ein Rekordpreis ist eine gute Nachricht für jeden, der Gold besitzt. Er sagt aber nichts darüber, ob dieses Gold im Ernstfall auch verfügbar ist.

Physisches Gold hat einen besonderen Vorteil. Es ist keine Forderung gegen irgendjemanden. Es hängt an keiner Bankbilanz, keinem Emittenten und keinem Konto. Genau deshalb ist es ein Schutz gegen das, was eine Währung schwächt.

Dieser Vorteil gilt aber nur, wenn du ihn nicht selbst aufgibst. Ein Goldkonto ist eine Forderung gegen eine Bank. Ein börsengehandeltes Goldpapier ist eine Forderung gegen einen Emittenten. Ein Schließfach bei der Hausbank ist nur so erreichbar wie die Bank selbst.

Und es gibt einen historischen Präzedenzfall dafür, dass ein Staat auf privates Gold zugreift. Am 5. April 1933 unterzeichnete US-Präsident Roosevelt die Executive Order 6102. Privatleute mussten ihr Gold bis zum 1. Mai 1933 abliefern. Erlaubt blieben 100 Dollar je Person. Wer sich weigerte, riskierte bis zu 10.000 Dollar Strafe oder bis zu zehn Jahre Haft.

Das war kein Gesetz aus einer Diktatur. Es war eine Verordnung in einer Demokratie, in einer Krise, per Federstrich des Präsidenten. Wo dein Gold liegt, entscheidet, welcher Staat es erreichen kann.

Was 1948 mit Geld geschah, und was nicht

Der zweite Präzedenzfall liegt näher. Er betrifft Deutschland selbst.

Mit der Währungsreform 1948 wurden laufende Zahlungen wie Löhne und Mieten im Verhältnis 1:1 umgestellt. Private Bankguthaben dagegen nicht. Nach dem Umstellungsgesetz vom 27. Juni 1948 wurden sie im Verhältnis 10:1 umgetauscht. Nur über die Hälfte davon konnten die Kontoinhaber frei verfügen. Die andere Hälfte lag zunächst auf einem Festkonto. Im Oktober 1948 wurde das Verhältnis auf 100 zu 6,50 festgelegt. Die Bundesbank beschreibt, dass die Militärregierung schließlich die ersatzlose Streichung der restlichen Guthaben verordnete.

Das Muster ist einfach. Was als Forderung in einer Währung geführt wurde, wurde umgerechnet, gesperrt und gekürzt. Was als Sachwert im Eigentum lag, blieb, was es war. Eine Unze Gold war vor und nach dem 20. Juni 1948 eine Unze Gold.

Die Regeln für den Kauf werden enger

Noch ein Punkt gehört zum Bild. Die EU hat im Juni 2024 ihre neue Verordnung gegen Geldwäsche veröffentlicht. Sie gilt ab dem 10. Juli 2027.

Ab dann dürfen Händler Barzahlungen nur noch bis 10.000 Euro annehmen, überall in der EU. Einzelne Mitgliedstaaten dürfen niedriger gehen. Für den Goldkauf mit Bargeld heißt das: Was heute bei deutschen Händlern ab 2.000 Euro mit Ausweis geht, geht ab Juli 2027 über 10.000 Euro gar nicht mehr in bar.

Für den Preis spielt das keine Rolle. Für die Frage, wie frei du über den Erwerb entscheidest, schon.

Was das für dich heißt

Der Rekord ist ein guter Anlass, die eigene Aufstellung zu prüfen. Nicht die Frage, ob du jetzt kaufen oder verkaufen solltest. Das ist eine Frage des Marktes. Sondern die Frage, wie dein Gold gehalten wird.

Physisch statt auf Papier. Nur physisches Gold in deinem Eigentum hat den Vorteil, keine Forderung zu sein. Unsere Übersicht zu Edelmetallen als Schutzvermögen zeigt, welche Formen sich eignen.

Außerhalb des Bankensystems. Ein spezialisiertes Hochsicherheitslager mit segregierter Einzelverwahrung ist etwas anderes als ein Bankschließfach. Du bist Eigentümer bestimmter, nummerierter Stücke. Nicht Gläubiger eines Anspruchs.

Der Unterschied zeigt sich im schlechtesten Fall. Geht der Betreiber eines Lagers in die Insolvenz, gehört segregiertes Gold weiterhin dir. Bei der Sammelverwahrung hast du einen Anspruch auf eine Menge Feingold aus einem gemeinsamen Bestand. Das ist bei erstklassigen Anbietern akzeptabel, aber eine Stufe abstrakter. Goldkonten und Goldzertifikate sind Forderungen gegen eine Bank oder einen Emittenten. Sie tragen genau das Gegenparteirisiko, das physisches Gold vermeiden soll.

Worauf es beim Anbieter ankommt: eine unabhängige Bestandsprüfung mit veröffentlichten Berichten, eine Versicherung gegen alle Gefahren, das jederzeitige Recht auf Besuch und Auslieferung. Und ein Betreiber, der keine Bank ist.

Außerhalb des eigenen Rechtsraums. Ein Lager außerhalb der EU liegt außerhalb der Reichweite der EU. Das ist die Logik hinter dem Gold im Ausland: Nicht Verstecken, sondern Verteilen auf verschiedene Rechtsordnungen.

Mit Blick auf die Regeln beim Kauf. In Deutschland müssen Händler bei Barzahlungen für Edelmetalle ab 2.000 Euro den Kunden identifizieren. So steht es im Geldwäschegesetz. Was darunter und im Ausland möglich ist, erklärt unser Leitfaden, wie du Gold anonym kaufen kannst, und zwar legal.

Mit Blick auf die Steuer. In Deutschland ist der Gewinn aus dem Verkauf von physischem Gold nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Grundlage ist die Regel für private Veräußerungsgeschäfte im Einkommensteuergesetz. Wer seit Jahresbeginn gekauft hat, sollte diese Frist kennen, bevor er Gewinne mitnimmt. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln, die du mit deinem Steuerberater klären solltest.

Gold ist ein Baustein, nicht das Ganze

Gold schützt gegen die Schwäche einer Währung. Es schützt nicht gegen alles.

Deine Immobilie zum Beispiel lässt sich nicht in ein Lager nach Zürich oder Singapur bringen. Sie steht im Grundbuch, und dort ist sie für jeden staatlichen Zugriff sichtbar. Das war beim letzten Lastenausgleich die Grundlage für die Zwangshypothek.

Für Eigentümer, die in Deutschland bleiben wollen, gibt es dafür einen eigenen Weg. Eine Gesellschaft außerhalb der EU, entweder als Stiftungs-Limited in UK oder als Wyoming LLC in den USA, erhält Eintragungen im Grundbuch deiner Immobilie. Ein Eigentümerwechsel findet nicht statt. Es fallen keine Grunderwerbsteuer und keine Schenkungsteuer an, und die Gestaltung ist jederzeit rückgängig zu machen. Die Details stehen auf unserer Seite zum Immobilienschutz vor dem Lastenausgleich.

Der Goldpreis in Euro erzählt eine Geschichte über den Euro. Über eine Währung, deren Kurs, Zins und Menge andere steuern. Und über ein Metall, das niemand drucken, sperren oder umstellen kann, solange es an der richtigen Stelle liegt. Wer sie versteht, schützt nicht nur das Gold. Er schützt das Vermögen, das in derselben Währung und im selben Rechtsraum liegt.

Nachtrag (Stand: 23.09.2026)

Seit dem Beitrag hat der EZB-Rat den Zins für die Einlagefazilität in fünf weiteren Schritten von 3,25 auf 2,00 Prozent gesenkt, gültig ab dem 11. Juni 2025. Mit Wirkung vom 17. Juni 2026 hob er ihn auf 2,25 Prozent an, mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. So steht es in der Übersicht der EZB-Leitzinsen und im Beschluss vom 10. September 2026. Wie Edelmetalle heute in eine Vermögensaufstellung passen, beschreibt unsere Übersicht zu Edelmetallen.