Am Donnerstag, dem 26. September 2024, hat das Londoner Nachmittagsfixing den Goldpreis auf 2.663,75 Dollar je Feinunze gesetzt. Das ist der höchste Wert, den die London Bullion Market Association je festgestellt hat. Am Vortag lag das Fixing bei 2.661,45 Dollar. Auch das war schon ein Rekord.
Für dich zählt eine andere Zahl. Dieselbe Unze kostete am 26. September 2.392,05 Euro. Auch in Euro gab es nie einen höheren Wert. Beide Zahlen stehen in der offiziellen Preisreihe der LBMA, dem Referenzpreis, an dem sich Händler, Banken und Zentralbanken weltweit ausrichten.
Rekorde in Dollar sind eine Schlagzeile. Rekorde in Euro sind eine Aussage über dein Geld. Wer in Euro spart, in Euro Steuern zahlt und in Euro vererbt, misst Gold am Euro. Und am Euro gemessen hat Gold in diesem Jahr etwas gezeigt, das kein Sparbuch zeigt.
Warum Anleger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den Kauf außerhalb des eigenen Landes überhaupt in Betracht ziehen, steht im Leitfaden zum Goldkauf jenseits der eigenen Grenze. Der Rekord selbst sagt aber schon für sich genommen viel über dein Vermögen.
Der Rekord vom 26. September in Zahlen
Das letzte Nachmittagsfixing des Jahres 2023 fand am 28. Dezember statt. Gold kostete damals 2.078,40 Dollar oder 1.871,60 Euro. Bis zum 26. September 2024 stieg der Preis damit um gut 28 Prozent in Dollar und um knapp 28 Prozent in Euro. In neun Monaten.
Der Anstieg kam nicht in einem Sprung. Er kam in Stufen, und jede Stufe war ein neuer Höchststand:
- Am 4. März 2024 übertraf das Dollar-Fixing erstmals den alten Rekord aus dem Dezember 2023.
- Am 22. März 2024 lag das Euro-Fixing zum ersten Mal über 2.000 Euro.
- Am 20. August 2024 fiel die Marke von 2.500 Dollar.
- Am 20. September 2024, einen Monat später, fiel die Marke von 2.600 Dollar.
Bis einschließlich 26. September verzeichnet die LBMA-Reihe für 2024 in Dollar 31 Fixings auf Rekordniveau, in Euro sogar 34. Allein in der letzten Septemberwoche setzten der 23., 24., 25. und 26. September jeweils einen neuen Höchstwert. Auch in britischen Pfund stand das Fixing am 26. September mit 1.993,28 Pfund so hoch wie nie.
Rechne das auf einen Kilobarren hoch. Ein Kilo sind 32,15 Feinunzen. Zum Fixing vom 26. September entspricht das rund 76.900 Euro. Am 28. Dezember 2023 waren es rund 60.200 Euro. Wer Ende 2023 einen Kilobarren gehalten hat, hält heute nominal etwa 16.700 Euro mehr, ohne einen Handgriff getan zu haben.
Und im längeren Blick: Am 26. September 2019 lag das Euro-Fixing bei 1.374,89 Euro. Fünf Jahre später sind es rund 74 Prozent mehr.
Warum der Euro-Preis die wichtigere Zahl ist
Gold wird weltweit in Dollar gehandelt. Das Fixing in London entsteht in Dollar, die Werte in Pfund und Euro rechnet die LBMA zum jeweiligen Kurs um. Deshalb können Dollar-Preis und Euro-Preis auseinanderlaufen.
Im Jahr 2024 liefen sie weitgehend parallel. Aus dem Fixing vom 26. September ergibt sich ein Kurs von rund 1,11 Dollar je Euro. Aus dem Fixing vom 28. Dezember 2023 ergibt sich fast genau derselbe Kurs. Gold ist nicht deshalb in Euro gestiegen, weil der Euro gefallen wäre. Gold ist gegenüber beiden Währungen gestiegen.
Das ist der eigentliche Befund. Gold misst die Kaufkraft von Papiergeld, und zwar von jedem Papiergeld gleichzeitig. Wenn eine Unze in Dollar, Pfund und Euro am selben Tag Rekord markiert, sagt das weniger über Gold als über die Währungen, in denen es gemessen wird.
Für einen Sparer in Deutschland oder Österreich heißt das konkret: Die Summe auf dem Konto ist gleich geblieben. Die Menge Gold, die man dafür bekommt, ist geschrumpft. Wer Ende 2023 für 100.000 Euro knapp 53,4 Unzen kaufen konnte, bekam am 26. September 2024 dafür nur noch rund 41,8 Unzen.
Für Leser in der Schweiz gilt die Rechnung in Franken, und der Franken bewegt sich eigenständig. Die LBMA veröffentlicht keinen Franken-Wert. Wer in Franken bilanziert, rechnet den Dollar-Preis zum Tageskurs selbst um.
Und Silber? Das Silber-Fixing der LBMA lag am 26. September bei 32,48 Dollar oder 29,12 Euro je Unze. Am 2. Januar 2024 waren es 23,95 Dollar oder 21,83 Euro. Das ist ein Plus von gut einem Drittel, in beiden Währungen. Einen Rekord gab es bei Silber nicht: Der höchste Wert der Reihe stammt vom 18. Januar 1980 und lag bei 49,45 Dollar. Silber läuft mit, aber es hat seinen alten Gipfel noch nicht erreicht.
Was die Notenbanken im September beschlossen haben
Der Rekord fiel nicht in eine ruhige Woche. Er fiel in einen Monat, in dem beide großen Notenbanken ihre Leitzinsen gesenkt haben.
Am 12. September 2024 hat der EZB-Rat den Zinssatz für die Einlagefazilität um 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent gesenkt, wirksam ab dem 18. September.
Am 18. September 2024 hat die US-Notenbank das Zielband für den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 bis 5 Prozent gesenkt. Ein halber Prozentpunkt auf einmal ist ein großer Schritt. Nicht alle stimmten dafür: Ein Mitglied des Offenmarktausschusses wollte nur einen Viertelpunkt.
Zwei Tage nach der Fed-Entscheidung fiel die Marke von 2.600 Dollar. Sechs Tage danach stand der Rekord von 2.663,75 Dollar.
Man muss keine Theorie über Zinsen und Gold vertreten, um das Muster zu sehen. Gold trägt keinen Zins. Wenn der Zins auf Geld sinkt, sinkt der Preis dafür, Gold statt Geld zu halten. Und wenn Notenbanken lockern, während Staaten hohe Schulden tragen, lässt sich das als Signal über den künftigen Wert der Währung lesen. Die Kurve der LBMA zeigt, wie der Markt im September 2024 gelesen hat.
Steuerlich ist Gold in Deutschland noch privilegiert
Beim Kauf zahlst du in Deutschland auf Anlagegold keine Umsatzsteuer. Das regelt § 25c des Umsatzsteuergesetzes: Lieferung, Einfuhr und innergemeinschaftlicher Erwerb von Anlagegold sind steuerfrei. Bei Silber ist das anders. Dort fällt beim Kauf in Deutschland Umsatzsteuer an, die du beim Verkauf nicht zurückbekommst. Warum Silber deshalb eine eigene Rechnung braucht, erklärt der Leitfaden zum Silberkauf im Ausland.
Beim Verkauf zählt die Haltedauer. Physisches Gold ist für Privatanleger ein Wirtschaftsgut im Sinne von § 23 des Einkommensteuergesetzes. Ein Gewinn ist dort nur steuerpflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt. Wer länger hält, verkauft steuerfrei. Ein Kilobarren, der seit Dezember 2023 im Tresor liegt, bringt seinen Zuwachs also ab Ende 2024 ohne Abzug nach Hause. Belege über das Kaufdatum sind deshalb Gold wert.
In der Schweiz sind nach Artikel 16 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer Kapitalgewinne aus der Veräußerung von Privatvermögen steuerfrei. In Österreich gelten eigene Regeln, die du vor einem Verkauf an deinem Wohnsitz prüfen lässt.
Das Privileg ist Gesetz, kein Naturrecht. Gesetze werden geändert. Die Vergangenheit kennt Staaten, die das Halten von Gold nicht besteuert, sondern gleich verboten haben: Die Executive Order 6102 vom 5. April 1933 verpflichtete jeden in den USA, Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikate bis zum 1. Mai 1933 bei der Notenbank abzuliefern. Der deutsche Gesetzgeber hat das Privileg bisher unangetastet gelassen. Was er dagegen Schritt für Schritt verändert, ist der Weg zum Gold.
Der Weg zum Gold wird enger
Gold kaufen ist legal und bleibt legal. Aber anonym Gold kaufen wird seit Jahren schwieriger. Die Regeln dafür stehen im Geldwäschegesetz, und sie treffen jeden, der bar bezahlt.
Nach § 1 Absatz 10 des Geldwäschegesetzes gelten Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin als hochwertige Güter. Für Händler solcher Güter schreibt § 10 Absatz 6a des Geldwäschegesetzes die allgemeinen Sorgfaltspflichten vor, sobald sie Barzahlungen über mindestens 2.000 Euro entgegennehmen. Sorgfaltspflicht heißt: Ausweis zeigen, Daten erfassen, aufbewahren. Ein Kilobarren zum Preis vom 26. September liegt fast beim Vierzigfachen dieser Grenze.
Die Europäische Union geht weiter. Am 31. Mai 2024 haben Parlament und Rat die Verordnung (EU) 2024/1624 beschlossen, das neue Geldwäsche-Regelwerk. Es ist am 19. Juni 2024 im Amtsblatt erschienen und gilt ab dem 10. Juli 2027. Drei Punkte darin betreffen jeden Goldbesitzer:
- Artikel 80 setzt eine EU-weite Bargeldobergrenze von 10.000 Euro für Zahlungen an Händler und Dienstleister. Mitgliedstaaten dürfen niedrigere Grenzen festlegen. Bestehende niedrigere Grenzen bleiben gültig.
- Händler von Edelmetallen sind ausdrücklich Verpflichtete des Regelwerks. Anhang V der Verordnung nennt Gold, Silber, Platin und weitere Metalle.
- Artikel 79 verbietet Banken und Finanzinstituten, anonyme Schließfächer zu führen. Bestehende anonyme Fächer dürfen erst nach einer Identifizierung wieder genutzt werden.
Dazu kommt die Grenze selbst. Nach der Verordnung (EU) 2018/1672 gelten Goldmünzen mit mindestens 90 Prozent und Barren mit mindestens 99,5 Prozent Goldgehalt als Barmittel. Wer mit Barmitteln im Wert von 10.000 Euro oder mehr in die Union einreist oder sie verlässt, muss sie anmelden. Bei 2.392 Euro je Unze reichen dafür fünf Unzen.
Kein einzelner dieser Schritte ist ein Goldverbot. Zusammen ergeben sie etwas anderes: ein System, in dem jeder größere Goldkauf einen Namen hat und jede größere Goldbewegung über eine Außengrenze eine Anmeldung. Welche legalen Wege es trotzdem gibt, zeigt der Leitfaden zum anonymen Goldkauf.
Wo dein Gold liegt, entscheidet über den Zugriff
Mit dem Preis wächst die Frage nach dem Ort. Ein Kilobarren war Ende 2023 rund 60.000 Euro wert. Heute sind es fast 77.000 Euro. Das Risiko, das in deinem Keller, deinem Tresor oder deinem Bankschließfach liegt, ist mitgewachsen.
Drei Dinge unterscheiden die Lagerorte:
- Die Rechtsordnung. Gold in Deutschland unterliegt deutschem Recht und deutschem Vollstreckungsrecht. Gold in einem Lager außerhalb der EU unterliegt dem Recht des Lagerlandes.
- Die Bank als Mittler. Ein Schließfach bei einer Bank ist Teil eines regulierten Systems. Die Bank kennt dich, die Bank meldet, was sie melden muss, und die Bank befolgt behördliche Anordnungen.
- Der Weg zurück. Gold, das bereits dort liegt, wo es im Ernstfall gebraucht wird, muss keine Grenze mehr überqueren und keine Anmeldung auslösen.
Ein Teil des Metalls in einem Hochsicherheits- oder Zollfreilager außerhalb der Europäischen Union verbindet alle drei Punkte. Welche Standorte das sind und wie sie sich unterscheiden, beschreibt der Leitfaden zum Lagern von Gold außerhalb Deutschlands. Die grundsätzlichen Argumente für Strukturen jenseits der EU stehen unter Warum außerhalb der EU.
Was das für dein Vermögen heißt
Der Rekord vom 26. September ist keine Aufforderung zum Kaufen und keine zum Verkaufen. Er ist ein Messwert. Er zeigt, wie viel Kaufkraft Papiergeld in neun Monaten gegenüber einem Metall verloren hat, das niemand drucken kann.
Für Besitzer von Gold ergeben sich daraus drei nüchterne Fragen.
Erstens: Ist dein Gold dokumentiert? Die Steuerfreiheit nach einem Jahr hängt am Nachweis des Kaufdatums. Ohne Beleg bleibt im Zweifel nur das Wort gegen das Finanzamt.
Zweitens: Wo liegt es? Wenn der gesamte Bestand im Inland und in einem Bankschließfach liegt, hängt er vollständig an einer Rechtsordnung und an einer Bank. Eine Streuung über Standorte kostet Lagergebühren. Sie verschafft dafür Unabhängigkeit.
Drittens: Wer kommt im Ernstfall heran? Ein Bestand, von dem nur du weißt, ist für deine Erben verloren. Ein Bestand ohne klare Vollmacht ist für sie blockiert. Dokumentation und geregelte Zugriffsrechte gehören deshalb zur Lagerung dazu.
Für die meisten Vermögen in Deutschland ist Gold aber nicht der größte Posten. Der größte Posten ist die Immobilie. Sie kann nicht in ein Zollfreilager umziehen. Für Eigentümer, die in Deutschland wohnen bleiben, gibt es deshalb die Lösung über das Grundbuch: Eine eigene Gesellschaft außerhalb der EU, entweder eine Stiftungs-Limited in London oder eine LLC in Wyoming, wird mit Eintragungen im Grundbuch deiner Immobilie begünstigt. Ein Eigentümerwechsel findet nicht statt. Du bleibst Eigentümer, die steuerliche Situation bleibt unverändert, und alle Maßnahmen sind reversibel.
Gold schützt dich gegen die Entwertung von Geld. Die richtige Struktur schützt dich gegen den Zugriff auf das, was du besitzt. Das eine ersetzt das andere nicht.
Nachtrag (Stand: 23.09.2026)
Seit dem Beitrag haben beide Notenbanken weiter gelockert und dann wieder angezogen. Der EZB-Rat senkte den Zins für die Einlagefazilität in sechs weiteren Schritten von 3,50 auf 2,00 Prozent, gültig ab dem 11. Juni 2025, und hob ihn mit Wirkung vom 17. Juni 2026 auf 2,25 Prozent und mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent an (Übersicht der EZB-Leitzinsen, Beschluss vom 10. September 2026). Die US-Notenbank senkte ihr Zielband in fünf weiteren Schritten auf 3,50 bis 3,75 Prozent im Dezember 2025 und hob es am 16. September 2026 auf 3,75 bis 4,00 Prozent an (Zinsbeschlüsse der Federal Reserve, Erklärung vom 16. September 2026). Wo du Gold heute kaufst, beschreibt unser Leitfaden zum Goldkauf im Ausland.