Am Dienstag, dem 20. August 2024, stand Gold im Londoner Nachmittagsfixing bei 2.529,75 Dollar je Unze. Zum ersten Mal lag das Fixing über 2.500 Dollar. In Euro waren es 2.279,56. Auch das war der höchste Euro-Wert in der Geschichte des Fixings.
Die Zahlen stammen von der London Bullion Market Association. Sie veröffentlicht jeden Handelstag die Referenzpreise, auf die sich Banken, Händler und Zentralbanken weltweit beziehen.
Ein Rekord ist eine gute Nachricht für jeden, der Gold besitzt. Er wirft aber auch eine Frage auf, die mit dem Preis wächst: Wo liegt dein Metall eigentlich? Und wer kommt daran, außer dir? Diese Frage behandeln wir grundsätzlich unter Wo Edelmetall lagern. Der Rekord macht sie dringlicher.
Der Weg zur Marke von 2.500 Dollar
Ein Blick auf die Fixing-Reihe zeigt, wie steil der Anstieg war.
Am 2. Januar 2024 lag Gold bei 2.067,55 Dollar. Bis zum 20. August kamen gut 22 Prozent dazu. In Euro stieg der Preis im selben Zeitraum von 1.886,43 auf 2.279,56. Das sind knapp 21 Prozent.
Vor einem Jahr, am 21. August 2023, lag das Fixing bei 1.889,85 Dollar. Seitdem ging es um rund 34 Prozent nach oben. Vor fünf Jahren, am 20. August 2019, waren es 1.504,55 Dollar.
Zur Einordnung zwei Wegmarken aus derselben Reihe. Über 1.000 Dollar stieg das Fixing zum ersten Mal am 14. März 2008. Über 2.000 Dollar zum ersten Mal am 5. August 2020. Von 2.000 auf 2.500 hat es vier Jahre gedauert.
Silber zog mit. Das Silberfixing stieg vom 2. Januar bis zum 20. August von 23,945 auf 29,77 Dollar, ein Plus von gut 24 Prozent.
In den Tagen nach dem Rekord pendelte Gold knapp unter der Marke. Am 22. August stand das Fixing bei 2.483 Dollar.
Was der Rekord in Kaufkraft bedeutet
Ein Preis in Dollar sagt wenig über deine Kaufkraft. Deshalb lohnt der Vergleich mit dem, was du im Alltag bezahlst.
Am 2. Januar 2020 lag das Goldfixing bei 1.366,91 Euro. Am 20. August 2024 lag es bei 2.279,56 Euro. Das ist ein Plus von rund 67 Prozent in viereinhalb Jahren.
Im selben Zeitraum sind die Verbraucherpreise in Deutschland deutlich gestiegen. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland lag im Juli 2024 um rund 24 Prozent über dem Wert vom Januar 2020. Die Reihe steht in der Datenbank der Federal Reserve Bank of St. Louis, die die Daten von Eurostat übernimmt.
Das zeigt zweierlei. Wer sein Vermögen 2020 unverzinst auf dem Konto gelassen hat, hat rund ein Fünftel seiner Kaufkraft verloren. Wer Gold gehalten hat, hat die Entwertung mehr als ausgeglichen. Gold hat seine Aufgabe als Wertspeicher in diesen Jahren erfüllt. Genau deshalb wird die Frage wichtiger, wo es liegt.
Das Verhältnis von Gold zu Silber
Ein Detail aus denselben Daten ist für Anleger in Silber interessant. Am 20. August kostete eine Unze Gold so viel wie rund 85 Unzen Silber.
Seit Anfang 2000 lag dieses Verhältnis im Mittel der Fixing-Tage bei rund 68. Im Corona-Schock stieg es am 17. März 2020 auf über 123. Silber schwankt stärker als Gold, nach oben wie nach unten. Das ist keine Prognose für Silber. Es ist ein Hinweis darauf, dass beide Metalle unterschiedliche Aufgaben in einem Bestand haben. Gold ist der ruhigere Speicher. Silber ist der beweglichere Teil.
Was ein Rekordpreis mit dem Lagerort zu tun hat
Solange Gold billig ist, wirkt die Frage nach dem Lagerort klein. Ein paar Münzen im Tresor zu Hause, ein Barren im Schließfach der Hausbank. Das fühlt sich sicher an.
Mit dem Preis ändert sich die Rechnung. Was vor fünf Jahren eine Reserve war, ist heute ein Vermögensblock. Ein Kilobarren war am 20. August rund 73.000 Euro wert. Wer zehn davon hält, hat ein Vermögen, das in eine Schuhschachtel passt.
Und genau das macht es interessant. Für Einbrecher. Für Gläubiger. Und für einen Staat, der Geld braucht. Der Wert konzentriert sich an einem Ort. Die Frage ist, wer diesen Ort kennt und wer dort Zugriff hat.
Wie der Staat Gold heute schon erfasst
Gold gilt als anonyme Anlage. In der Rechtswirklichkeit ist es das immer weniger. Drei Regeln zeigen, wie dicht das Netz schon ist.
Beim Kauf. Händler müssen nach dem Geldwäschegesetz ihre Kunden identifizieren, wenn Edelmetall bar für 2.000 Euro oder mehr bezahlt wird. Bei den Preisen vom August reicht dafür schon eine einzige Unze.
An der Grenze. Nach der Verordnung (EU) 2018/1672 gelten bestimmte Formen von Gold als Barmittel. Das betrifft Münzen mit einem Goldgehalt von mindestens 90 Prozent und Barren mit mindestens 99,5 Prozent. Wer solches Gold im Wert von 10.000 Euro oder mehr in die EU oder aus der EU bringt, muss es anmelden. Das gilt seit dem 3. Juni 2021. Bei 2.279 Euro je Unze sind das keine fünf Unzen.
Im Schließfach. Die neue EU-Geldwäscheverordnung vom 31. Mai 2024 verbietet Kreditinstituten, anonyme Schließfächer zu führen. Bei bestehenden anonymen Schließfächern müssen Inhaber und Begünstigte vor jeder weiteren Nutzung geprüft werden. So steht es in Artikel 79 der Verordnung (EU) 2024/1624.
Keine dieser Regeln verbietet dir, Gold zu besitzen. Aber jede sorgt dafür, dass Besitz und Person zusammengeführt werden. Der Staat weiß immer genauer, wer Gold kauft, wer es bewegt und wo es liegt.
Was die Geschichte über Zugriff lehrt
Der Grund, warum der Lagerort zählt, ist historisch belegt. Das bekannteste Beispiel stammt aus einer Demokratie.
Am 5. April 1933 unterzeichnete der amerikanische Präsident die Executive Order 6102. Sie verpflichtete alle Personen, ihre Goldmünzen, ihr Barrengold und ihre Goldzertifikate bis zum 1. Mai 1933 bei einer Bank des Federal-Reserve-Systems abzuliefern. Ausgenommen waren Beträge bis 100 Dollar je Person und Sammlermünzen. Bei Verstößen drohten bis zu 10.000 Dollar Strafe oder bis zu zehn Jahre Haft.
Die Anordnung traf das Gold, das im Land lag. Sie traf es dort, wo der Staat es erreichen konnte.
Das ist keine Vorhersage. Es ist eine Befugnis, die Staaten schon einmal genutzt haben. Präzedenz ist das stärkste Argument, das es gibt. Sie zeigt nicht, was kommen wird. Sie zeigt, was möglich ist.
Sache oder Forderung
Bevor du über Länder nachdenkst, gibt es eine wichtigere Frage. Besitzt du Gold, oder besitzt du einen Anspruch auf Gold?
Ein Goldkonto, ein Zertifikat oder ein börsengehandeltes Produkt auf Gold ist eine Forderung. Du hast einen Anspruch gegen einen Emittenten oder Verwahrer. Im Alltag macht das keinen Unterschied. In der Krise entscheidet es alles. Dann zählt, ob dieser Verwahrer zahlt, ob er noch existiert und ob er in einem Land sitzt, das den Zugriff einschränkt.
Physisches Metall in Einzelverwahrung, das dir namentlich zugeordnet ist, ist eine Sache. Es hängt an keiner Bilanz. Es fällt in keine Insolvenzmasse eines Verwahrers.
Auch das Bankschließfach hat seine Tücken. Es hängt an den Öffnungszeiten und an der Solvenz der Bank, und es liegt im vollen Zugriff des eigenen Rechtsraums.
Drei Lagerorte, drei Risiken
In der Praxis läuft es meist auf drei Orte hinaus. Jeder hat seine eigene Schwachstelle.
Zu Hause. Du hast jederzeit Zugriff, und keine Bank steht dazwischen. Dafür trägst du das Risiko von Einbruch und Bedrohung selbst. Und das Metall liegt im Inland, also in Reichweite jeder künftigen Maßnahme. Bei 2.500 Dollar je Unze wird ein Hausbestand schnell größer, als eine Hausratversicherung abdeckt.
Im Schließfach der Hausbank. Es fühlt sich professionell an. Aber du kommst nur zu den Öffnungszeiten heran, und nur solange die Bank arbeitet. Das Fach ist dir namentlich zugeordnet, und es liegt im selben Rechtsraum wie dein Konto.
In einem privaten Hochsicherheitslager außerhalb der EU. Das Metall liegt außerhalb des Bankensystems, und ein EU-Staat erreicht es nur noch über internationale Amtswege. Dafür ist es weiter weg, und du musst den Betreiber sorgfältig auswählen. Einzelverwahrung, Versicherung und klare Eigentumsnachweise sind hier Pflicht.
Keiner dieser Orte ist für alles richtig. Die robusteste Lösung verteilt den Bestand nach Aufgabe: die kleine Reserve nah, den Block weit weg.
Inland oder Ausland
Die zweite Frage ist die nach dem Rechtsraum. Metall im Inland ist für jede künftige Maßnahme des Inlands erreichbar. Metall außerhalb der EU ist es nur über internationale Amtswege.
Das heißt nicht, dass alles ins Ausland gehört. Eine kleine Reserve in deiner Nähe ist sinnvoll. Sie ist für die ersten Tage einer Krise gedacht. Der Vermögensblock dagegen soll Jahrzehnte überdauern. Für ihn ist Distanz ein Vorteil, keine Unbequemlichkeit.
Und denk an den Tag, an dem du nicht mehr selbst handelst. Ein Bestand, von dem nur du weißt, ist für deine Erben verloren. Ein Bestand, für den es keine klare Vollmacht gibt, ist für sie blockiert. Gute Lagerung heißt deshalb auch: Dokumentation, Zuordnung und geregelte Zugriffsrechte. Das gilt im Inland wie im Ausland, im Ausland aber umso mehr.
Wichtig ist dabei, die Regeln sauber einzuhalten. Die Anmeldepflicht an der EU-Außengrenze betrifft Gold, das über diese Grenze gebracht wird, ob du es mitführst oder verschickst. Wer bei einem Händler außerhalb der EU kauft und direkt dort einlagern lässt, bringt kein Metall über die Grenze. Welche Standorte es gibt und wann welcher passt, zeigen wir im Bereich Edelmetalle.
Was der Rekord steuerlich bedeutet
Der Preisanstieg hat auch eine steuerliche Seite.
Anlagegold ist beim Kauf in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit. Das regelt § 25c des Umsatzsteuergesetzes für Barren mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel und für bestimmte Münzen.
Beim Verkauf gilt die Regel für private Veräußerungsgeschäfte. Liegt zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr, ist der Gewinn steuerpflichtig. Danach ist er steuerfrei. So steht es in § 23 des Einkommensteuergesetzes.
Wer also Anfang 2024 gekauft hat, sitzt auf einem Gewinn von über 20 Prozent, der erst im kommenden Jahr steuerfrei wird. Wer lange hält, profitiert. Wer zum falschen Zeitpunkt verkaufen muss, zahlt. Das ist ein weiterer Grund, das Metall so zu lagern, dass du es nicht verkaufen musst, wenn du eigentlich nicht willst.
Und wenn dein größter Wert nicht im Tresor liegt
Oft ist Gold nicht der größte Posten. Der größte Posten ist die Immobilie. Und die lässt sich nicht verlagern.
Sie steht im Grundbuch. Jeder Gläubiger und jede Behörde mit berechtigtem Interesse kann dort nachlesen, was dir gehört und wie es belastet ist.
Für Eigentümer, die in Deutschland wohnen bleiben, gibt es dafür einen Weg ohne Verkauf. Deine Immobilie wird durch gezielte Eintragungen im Grundbuch zugunsten einer Struktur außerhalb der EU geschützt. Ein Eigentümerwechsel findet dabei nicht statt. Du bleibst Eigentümer, die steuerliche Situation bleibt unverändert, und alle Maßnahmen sind reversibel. Zur Wahl stehen die Wyoming LLC und die Stiftungs-Limited in London, gleichrangig. Beide Wege vergleichen wir unter Immobilienschutz.
Drei Fragen zum Rekord
Ein Rekordpreis ist ein guter Anlass für eine Bestandsaufnahme. Drei Fragen genügen.
- Wie viel deines Goldes ist Sache, und wie viel ist Forderung?
- Wie viel davon liegt im Inland, und wie viel außerhalb der EU?
- Wer außer dir weiß, wo es liegt, und wer könnte im Ernstfall darüber verfügen?
Die Antworten verändern sich nicht mit dem Preis. Aber ihr Gewicht wächst mit jedem Dollar. Bei 1.500 Dollar war eine falsche Lagerung ärgerlich. Bei 2.500 Dollar ist sie ein echtes Vermögensrisiko.