Am Mittwoch, dem 30. Oktober 2024, hat das Londoner Nachmittagsfixing den Goldpreis auf 2.777,80 Dollar je Feinunze gesetzt. So hoch stand Gold in der Preisreihe der London Bullion Market Association noch nie. In britischen Pfund waren es 2.137,24 Pfund, ebenfalls ein Rekord. In Euro lag die Unze bei 2.560,85 Euro. Den höchsten Euro-Wert hatte das Fixing einen Tag vorher erreicht, am 29. Oktober, mit 2.564,51 Euro.
Die Zahlen stehen in der offiziellen Preisreihe der LBMA. Sie sind der Referenzpreis, an dem Händler, Banken und Zentralbanken weltweit abrechnen.
Einen Tag später, am 31. Oktober, fiel das Fixing auf 2.734,15 Dollar. Auch das gehört zum Bild. Gold steigt nicht in einer geraden Linie. Aber der Oktober hat gezeigt, in welche Richtung sich das Metall bewegt, an dem Anleger seit Jahrtausenden die Kaufkraft von Geld messen.
Was Gold und Silber als Teil eines geschützten Vermögens leisten, und wo ihre Schwachstellen liegen, beschreibt die Seite zu den Edelmetallen. Der Oktober 2024 macht eine Frage dringender, die mit jedem Rekord an Gewicht gewinnt: Wo liegt dein Gold eigentlich?
Ein Monat, neun Rekorde
Der Oktober 2024 war für Gold ein Monat der Höchststände. In Dollar setzte das Fixing am 1., 16., 17., 18., 21., 22., 28., 29. und 30. Oktober jeweils einen neuen Rekord. Neun Rekordfixings in einem Monat.
Die Schwellen fielen schnell:
- Am 18. Oktober lag das Fixing mit 2.712,50 Dollar erstmals über 2.700 Dollar.
- Am 21. Oktober lag es in Euro mit 2.522,46 Euro erstmals über 2.500 Euro.
- Am 29. Oktober stand der Euro-Wert bei 2.564,51 Euro, dem höchsten Stand der Reihe.
- Am 30. Oktober folgte der Dollar-Rekord von 2.777,80 Dollar.
Seit Jahresbeginn zählt die Reihe damit 40 Rekordfixings in Dollar. Gegenüber dem letzten Fixing des Jahres 2023 vom 28. Dezember liegt Gold am 30. Oktober um rund 34 Prozent höher in Dollar und um knapp 37 Prozent höher in Euro.
Ein Kilobarren kostete zum Fixing vom 30. Oktober rund 82.300 Euro. Ende 2023 waren es rund 60.200 Euro.
Noch deutlicher wird es im Fünfjahresvergleich. Am 30. Oktober 2019 lag das Euro-Fixing bei 1.342,74 Euro. Seitdem ist der Euro-Preis um rund 91 Prozent gestiegen, er hat sich fast verdoppelt. Anders gesagt: Wer 2019 einen Betrag in Euro auf dem Konto liegen ließ, bekommt dafür heute nur noch gut die Hälfte des Goldes, das er damals hätte kaufen können. Der Betrag auf dem Kontoauszug ist derselbe. Seine Kaufkraft, in Gold gemessen, ist es nicht.
Silber lief mit, aber nicht auf Rekordniveau. Das Silberfixing der LBMA erreichte am 23. Oktober 34,51 Dollar, den höchsten Wert des Jahres, und lag am 30. Oktober bei 34,03 Dollar. Der historische Höchststand der Reihe aus dem Januar 1980 liegt mit 49,45 Dollar noch deutlich darüber.
Der Rahmen: sinkende Zinsen
Auch im Oktober haben die Notenbanken gelockert. Am 17. Oktober 2024 hat der EZB-Rat die drei Leitzinssätze um jeweils 25 Basispunkte gesenkt. Der Zinssatz für die Einlagefazilität liegt seit dem 23. Oktober bei 3,25 Prozent. Einen Tag nach dem Beschluss, am 18. Oktober, fiel beim Gold die Marke von 2.700 Dollar.
Gold trägt keinen Zins. Wenn der Zins auf Geld sinkt, wird es billiger, Gold statt Geld zu halten. Das erklärt nicht jede Bewegung. Aber es erklärt, warum ein Metall, das nichts abwirft, in einer Phase sinkender Zinsen mehr Käufer findet.
Und es fällt in eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten am 5. November. Was diese Wahl für Märkte bedeutet, ist Spekulation, und Spekulation gehört nicht in eine Vermögensplanung. Belastbar ist nur, was die Preisreihe zeigt: Der Rekord kam vor der Wahl, nicht danach.
Auch die Bundesbank hat entschieden, wo ihr Gold liegt
Die wichtigste Lehre zum Rekord kommt nicht vom Preis. Sie kommt von der größten Goldbesitzerin des Landes.
Die Deutsche Bundesbank hat sich 2013 ein Ziel gesetzt: Bis spätestens 2020 sollte die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren in Frankfurt lagern. Im August 2017 meldete sie den Abschluss, rund drei Jahre früher als geplant. Dafür hatte sie in mehreren Schritten rund 300 Tonnen Gold aus New York und rund 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt gebracht. Damit lagerten 50,6 Prozent der deutschen Goldreserven in Deutschland.
Die Bundesbank begründet ihr Konzept mit zwei Funktionen der Goldreserven. Die erste ist die Vertrauensbildung im Inland. Die zweite ist die Möglichkeit, Gold innerhalb kürzester Zeit an Handelsplätzen im Ausland in Fremdwährung zu tauschen. Nach Abschluss der Verlagerung lagerte das deutsche Gold nach Angaben der Bundesbank nur noch an drei Standorten: in Frankfurt, bei der Federal Reserve Bank in New York und bei der Bank of England in London. Paris ist als Lagerort weggefallen.
Bei der Verlagerung haben Fachleute der Bundesbank nach deren Angaben den Eingang, die Echtheit, den Feingehalt und das Gewicht der Barren kontrolliert, und die Bank kündigte eine aktualisierte Liste ihrer Goldbarren an. Auch das gehört zur Lehre. Wer Gold an einem anderen Ort lagert, braucht den Nachweis, was genau dort liegt. Bei einem seriösen Lager heißt das: Barren mit Nummer, Hersteller und Feingehalt, einzeln auf deinen Namen verbucht.
Übersetzt auf ein privates Vermögen heißt das: Auch eine Zentralbank lässt ihr Gold nicht an einem einzigen Ort liegen. Sie verteilt es nach Funktion. Ein Teil soll greifbar sein. Ein anderer Teil soll dort liegen, wo er im Ernstfall schnell gebraucht werden kann. Die Frage, wo Gold liegt, ist keine Frage des Geschmacks. Sie ist eine Frage der Strategie.
Der Rekord verändert auch die Erbschaftsteuer
Ein steigender Goldpreis ist nicht nur eine gute Nachricht. Er verändert auch die Rechnung, die der Staat beim Übergang auf die nächste Generation aufmacht. In Deutschland wird geerbtes oder geschenktes Gold nach § 9 des Bewertungsgesetzes mit dem gemeinen Wert angesetzt, also mit dem Preis, der bei einem Verkauf zu erzielen wäre. Maßgeblich ist der Tag des Erwerbs.
Die Freibeträge dagegen stehen als feste Zahlen im Gesetz. Nach § 16 des Erbschaftsteuergesetzes bleiben für ein Kind 400.000 Euro steuerfrei, für einen Enkel 200.000 Euro, für den Ehegatten 500.000 Euro. Diese Beträge steigen nicht mit dem Goldpreis.
Rechne es durch. Zum Fixing vom 30. Oktober entsprechen fünf Kilobarren rund 411.700 Euro. Ende 2023 waren es rund 300.900 Euro. Was vor zehn Monaten noch deutlich im Freibetrag eines Kindes lag, liegt heute darüber. Dazu kommt: Schenkungen von derselben Person innerhalb von zehn Jahren werden nach § 14 des Erbschaftsteuergesetzes zusammengerechnet.
Wer Gold als Familienvermögen hält, sollte die Nachfolge deshalb mit den heutigen Preisen neu rechnen. Für Leser in Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln zur Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen, die du an deinem Wohnsitz prüfen lässt.
Die Präzedenz: Wenn der Staat das Gold einsammelt
Warum der Lagerort mehr ist als eine Frage der Bequemlichkeit, zeigt die Geschichte. Am 5. April 1933 unterzeichnete der amerikanische Präsident die Executive Order 6102. Sie verpflichtete alle Personen in den Vereinigten Staaten, Goldmünzen, Goldbarren und Goldzertifikate bis zum 1. Mai 1933 bei einer Federal Reserve Bank oder einer Mitgliedsbank abzuliefern. Wer vorsätzlich dagegen verstieß, riskierte eine Geldstrafe bis zu 10.000 Dollar oder bis zu zehn Jahre Haft.
Die Verordnung kannte Ausnahmen. Erlaubt blieben Gold für Industrie, Beruf und Kunst, Goldmünzen und Zertifikate bis zu 100 Dollar je Person, seltene Sammlermünzen und Gold, das für ausländische Regierungen oder Zentralbanken verwahrt wurde. Für das abgelieferte Gold zahlten die Banken den Gegenwert in anderem Geld aus. Aus Gold wurde Papier, zum amtlich festgelegten Tausch.
Das war kein Putsch und keine Diktatur. Es war eine Verordnung in einer Demokratie, in einer Bankenkrise, gestützt auf ein Gesetz, in dem der Kongress einen nationalen Notstand im Bankwesen festgestellt hatte. Es traf die Menschen, deren Gold dort lag, wo die Verordnung galt.
Diese Präzedenz sagt nichts darüber, ob sich so etwas wiederholt. Sie sagt aber, dass es möglich ist, und wie es funktioniert: Der Zugriff trifft das Gold, das im Geltungsbereich liegt. Gold, das in einer anderen Rechtsordnung lagert, erreicht eine solche Verordnung nicht ohne Weiteres.
Vier Unzen und eine Grenze
Mit dem Preis ändern sich auch die Schwellen, die das Recht setzt. Nach der Verordnung (EU) 2018/1672 gelten Goldmünzen mit mindestens 90 Prozent Goldgehalt und Barren mit mindestens 99,5 Prozent Goldgehalt als Barmittel. Wer mit Barmitteln im Wert von 10.000 Euro oder mehr in die Europäische Union einreist oder sie verlässt, muss sie bei der Zollbehörde anmelden.
Die Schwelle von 10.000 Euro ist fest. Die Verordnung gilt seit dem 3. Juni 2021, und die Zahl hat sich seitdem nicht bewegt. Der Goldpreis schon. Zum Euro-Fixing vom 30. Oktober 2019 hätten 10.000 Euro noch gut sieben Unzen entsprochen. Zum Euro-Fixing vom 30. Oktober 2024 reichen dafür vier Unzen. Vier Krügerrand im Handgepäck, und du bist anmeldepflichtig. Was beim Grenzübertritt im Einzelnen gilt, erklärt der Leitfaden zu Gold-Einfuhr und Zoll.
Das neue EU-Geldwäscherecht, die im Juni 2024 veröffentlichte Verordnung (EU) 2024/1624, zieht die Linien ab dem 10. Juli 2027 weiter. Es setzt eine EU-weite Obergrenze von 10.000 Euro für Barzahlungen an Händler und verbietet Banken und Finanzinstituten, anonyme Schließfächer zu führen. Je höher der Goldpreis, desto weniger Metall passt unter jede dieser Grenzen.
Die Richtung ist deutlich. Gold zu besitzen, bleibt erlaubt. Gold unbemerkt zu bewegen und unbemerkt zu lagern, wird Schritt für Schritt schwieriger. Wer umlagern will, tut das besser, bevor die nächste Schwelle greift, und nicht erst, wenn es eilt.
Was das für dein Vermögen heißt
Der Rekord vom 30. Oktober ist ein Messwert. Er sagt, dass eine Unze Gold heute mehr Dollar, mehr Pfund und mehr Euro kostet als je zuvor. Er sagt nichts darüber, was morgen passiert. Aber er erhöht das Gewicht einer Frage: Wo liegt mein Gold, und wer kommt im Ernstfall daran?
Drei Punkte helfen bei der Antwort.
Streuung nach Funktion. Ein Teil deines Goldes darf greifbar sein. Ein anderer Teil gehört dorthin, wo er von deinem Wohnsitzstaat unabhängig ist. Das Vorbild liefert die Bundesbank selbst.
Lagerung außerhalb der EU. Physisches Gold in einem privaten Hochsicherheits- oder Zollfreilager außerhalb der Europäischen Union liegt unter einer anderen Rechtsordnung. Standorte und Unterschiede beschreibt der Leitfaden zum Lagern von Gold im Ausland. Die grundsätzlichen Argumente stehen unter Warum außerhalb der EU. Wer dort lagert, sollte auch wissen, wie er dort wieder verkauft, und was dabei zu beachten ist: Das erklärt der Leitfaden zum Goldverkauf im Ausland. In Deutschland bleibt ein Verkaufsgewinn nach § 23 des Einkommensteuergesetzes steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt, unabhängig vom Lagerort.
Dokumentation. Die Steuerfreiheit nach einem Jahr hängt am Nachweis des Kaufdatums. Rechnungen, Lagerverträge und Einlieferungsbelege gehören zum Gold wie der Barren selbst. Wer außerhalb der EU lagert, bewahrt sie so auf, dass er sie jederzeit vorlegen kann.
Und für den größten Posten der meisten Vermögen, die Immobilie, gilt ein eigener Weg. Sie kann nicht in ein Lager umziehen. Für Eigentümer, die in Deutschland wohnen bleiben, schützt eine Eintragung im Grundbuch zugunsten einer eigenen Gesellschaft, einer Stiftungs-Limited in London oder einer Wyoming LLC. Kein Eigentümerwechsel, keine Grunderwerbsteuer, keine Schenkungsteuer. Wie das funktioniert, steht unter Lastenausgleich-Lösung.
Nachtrag (Stand: 23.09.2026)
Seit dem Beitrag hat der EZB-Rat den Zins für die Einlagefazilität in fünf weiteren Schritten von 3,25 auf 2,00 Prozent gesenkt, gültig ab dem 11. Juni 2025. Mit Wirkung vom 17. Juni 2026 hob er ihn auf 2,25 Prozent an, mit Wirkung vom 16. September 2026 auf 2,50 Prozent. So steht es in der Übersicht der EZB-Leitzinsen und im Beschluss vom 10. September 2026. Wie Edelmetalle heute in eine Vermögensaufstellung passen, beschreibt unsere Übersicht zu Edelmetallen.