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SNB startet Pilot mit digitalem Zentralbankgeld in Franken, vorerst nur für Banken

Veröffentlicht: 10.11.2023 · Digitaler Euro & Bargeld

Die Schweizerische Nationalbank hat am 2. November 2023 einen Schritt angekündigt, mit dem sie nach eigenen Worten weltweit eine Vorreiterrolle einnimmt. Ab dem 1. Dezember 2023 gibt sie echtes digitales Zentralbankgeld in Schweizer Franken aus. Nicht als Test in einer Laborumgebung. Sondern auf einer regulierten Plattform, für echte Geschäfte.

Der Kreis ist klein. Sechs Banken nehmen teil. Das Geld ist nur für Finanzinstitute bestimmt, nicht für Bürger. Der Pilot trägt den Namen Helvetia Phase III und soll von Dezember 2023 bis Juni 2024 laufen. So steht es in der Medienmitteilung der SNB.

Zwei Wochen zuvor hatte die EZB beschlossen, am 1. November die Vorbereitungsphase für einen digitalen Euro zu starten. Was ein digitaler Euro für dein Geld bedeuten würde, haben wir in unserer Übersicht zum digitalen Euro zusammengefasst. Die Schweiz geht einen anderen Weg. Er beginnt bei den Banken. Was die SNB genau tut, geht auch Anleger in Deutschland und Österreich an.

Was die SNB genau macht

Die SNB spricht von Wholesale CBDC. Das ist digitales Zentralbankgeld für den Verkehr zwischen Finanzinstituten. Es wird auf der Plattform der SIX Digital Exchange ausgegeben, einer regulierten Finanzmarktinfrastruktur, die auf der Technik verteilter Register beruht.

Auf dieser Plattform werden Anleihen in digitaler Form abgewickelt. Man spricht von tokenisierten Anleihen. Neu ist: Die Bezahlung dieser Anleihen erfolgt jetzt ebenfalls auf der Plattform, und zwar in echtem Zentralbankgeld. Wertpapier und Geld wechseln gleichzeitig den Besitzer. Fachleute nennen das Lieferung gegen Zahlung.

Die beteiligten Banken führen die Geschäfte als Vermittler für Emittenten und Anleger aus. Daneben nutzt der Pilot das bestehende Schweizer Zahlungssystem SIC, um Zentralbankgeld in digitale Form zu bringen. Über die Systeme der SIX SIS wird der Pilot mit der klassischen Abwicklung von Anleihen verbunden. In Testsystemen prüft die SNB zusätzlich Repo-Geschäfte mit digitalem Zentralbankgeld.

Von der Testumgebung in den Betrieb

Helvetia ist kein neues Projekt. Die SNB hat in zwei früheren Phasen mit digitalem Zentralbankgeld experimentiert, damals in Testumgebungen. „Die SNB testet seit mehreren Jahren verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Wholesale CBDC“, sagt Thomas J. Jordan in der Mitteilung.

Neu an Phase III ist der Schritt aus dem Labor. Die SNB verlagert ihre Arbeit, wie sie selbst schreibt, aus Testumgebungen in die Produktion. Zum ersten Mal wird echtes Geld für echte Anleihegeschäfte eingesetzt.

Der Zeitplan ist eng gefasst: Start am 1. Dezember 2023, Ende im Juni 2024. Was danach kommt, lässt die SNB offen. Genau das ist die typische Form, in der neue Infrastruktur entsteht. Erst ein befristeter Versuch mit wenigen Teilnehmern. Dann eine Auswertung. Dann eine Entscheidung, ob verlängert, erweitert oder beendet wird.

Wer mitmacht

Die SNB nennt sechs Banken:

  • Banque Cantonale Vaudoise
  • Basler Kantonalbank
  • Commerzbank
  • Hypothekarbank Lenzburg
  • UBS
  • Zürcher Kantonalbank

Unter ihnen ist mit der Commerzbank eine deutsche Großbank. Das Projekt ist also nicht nur eine Schweizer Angelegenheit. Eine Bank mit Sitz in Frankfurt sammelt Erfahrung mit digitalem Zentralbankgeld in der Praxis, und zwar in Franken.

Nur für Banken, und keine Zusage

Die SNB zieht zwei Grenzen.

Erstens richtet sich der Pilot ausschließlich an Finanzinstitute. Privatpersonen und Unternehmen haben keinen Zugang zu diesem Geld.

Zweitens ist er keine Verpflichtung. Die SNB schreibt, sie gehe mit dem Pilotbetrieb keine Verpflichtung ein, Wholesale CBDC dauerhaft einzuführen. Es gehe darum, verschiedene Ansätze für die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte zu prüfen.

Der Präsident des Direktoriums, Thomas J. Jordan, sagte dazu: „Im Rahmen dieses Pilotbetriebs schaffen wir nun erstmals die Möglichkeit, Transaktionen mit tokenisierten Vermögenswerten auf einer regulierten und produktiven DLT-Plattform sicher und effizient mit echtem Wholesale CBDC abzuwickeln.“ Und: „Wir sind stolz darauf, in diesem Bereich weltweit eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

Vier Formen von Geld

Um den Pilot einzuordnen, hilft die Übersicht, die die SNB im März 2023 selbst gegeben hat. Sie unterscheidet Geld nach zwei Fragen. Wer gibt es aus, ein privates Institut oder die Zentralbank? Und in welcher Form existiert es, als klassisches Buchgeld auf einem Konto oder als Token auf einem verteilten Register?

Daraus ergeben sich vier Felder.

Privates Buchgeld ist das Guthaben auf deinem Girokonto. Es ist eine Forderung gegen deine Bank.

Privates Tokengeld sind zum Beispiel Kontoguthaben einer Geschäftsbank, die als Token auf einem verteilten Register liegen, oder sogenannte Stablecoins.

Zentralbank-Buchgeld sind die Guthaben, die Banken heute bei der Nationalbank halten.

Zentralbank-Tokengeld ist das, was die SNB jetzt ausgibt: digitales Zentralbankgeld auf einem verteilten Register.

Der Unterschied zwischen privatem Geld und Zentralbankgeld ist nicht akademisch. Die SNB betont in ihrer Mitteilung, dass Zentralbankgeld kein Gegenparteirisiko aufweist. Ein Guthaben bei deiner Bank hat dieses Risiko sehr wohl. Es ist nur so viel wert wie das Versprechen der Bank, es auszuzahlen.

Für Privatpersonen gibt es heute nur eine Form von Zentralbankgeld, die sie selbst halten können: Bargeld.

Wholesale und Retail: der entscheidende Unterschied

Wer über digitales Zentralbankgeld spricht, muss zwei Formen auseinanderhalten. Die SNB hat sie im März 2023 selbst erklärt, in einer Rede ihres Direktoriumsmitglieds Andréa M. Maechler.

Wholesale CBDC entspricht einer digitalen Form der Guthaben, die Banken heute schon bei der Zentralbank halten. Es bleibt im Kreis der Finanzinstitute.

Retail CBDC wäre dagegen für die breite Öffentlichkeit verfügbar. Es wäre im Kern digitales Bargeld.

Der digitale Euro, an dem die EZB arbeitet, ist Retail CBDC. Er soll bei jedem Bürger ankommen, mit Konto, App und Haltelimit. Der Schweizer Pilot ist Wholesale CBDC. Er verändert nicht, wie du bezahlst. Er verändert, wie Banken untereinander Wertpapiere abwickeln.

Das ist ein großer Unterschied. Für deinen Alltag ändert der Schweizer Pilot nichts.

Drei Wege für digitales Geld

Die SNB hatte im März 2023 angekündigt, drei Ansätze zu vertiefen, wie Geschäfte mit tokenisierten Vermögenswerten bezahlt werden können.

Erstens: Die Zentralbank gibt selbst digitales Geld auf der neuen Plattform aus. Das ist Wholesale CBDC, und genau diesen Weg testet der Pilot.

Zweitens: Die neue Plattform wird mit dem bestehenden Zahlungssystem der Zentralbank verbunden. Das Geld bleibt klassisch, nur die Verbindung ist neu.

Drittens: Private Anbieter geben digitales Geld aus, das konkurssicher mit Zentralbankgeld unterlegt ist.

Dass die SNB den ersten Weg zuerst in den echten Betrieb bringt, heißt noch nichts über den Ausgang. Aber es zeigt, wo die Arbeit steht. Die Technik für digitales Zentralbankgeld geht in der Schweiz in den Echtbetrieb.

Warum das auch dich betrifft

Man könnte den Pilot als Technikthema für Banken abtun. Drei Gründe sprechen dagegen.

Erstens: Infrastruktur entsteht, bevor sie gebraucht wird. Digitale Wertpapiere und digitales Zentralbankgeld auf einer gemeinsamen Plattform sind ein neues Fundament des Finanzsystems. Wer heute einen Teil seines Vermögens in Anleihen hält, wird es morgen vielleicht über eine solche Plattform halten, ohne es zu merken.

Zweitens: Die Bezahlung wird an Bedingungen geknüpft. Lieferung gegen Zahlung heißt: Das Geld fließt nur, wenn das Wertpapier fließt. Das ist für den Handel zwischen Banken sinnvoll. Es ist aber auch der Beweis, dass Zentralbankgeld mit Bedingungen verknüpft werden kann. Der Entwurf der EU-Kommission für den digitalen Euro sieht solche bedingten Zahlungen ebenfalls vor, für jedermann. Er schließt programmierbares Geld zugleich aus, doch er ist ein Entwurf und nicht beschlossen.

Drittens: Die Zentralbanken bewegen sich gleichzeitig. In derselben Woche, in der die EZB ihre Vorbereitungsphase startet, kündigt die SNB echtes digitales Zentralbankgeld an. Die Wege sind verschieden. Die Richtung ist dieselbe: Geld wird digitaler, und die Zentralbank rückt näher an die Abwicklung heran.

Zwei Systeme, zwei Gesetzgeber

Ein Unterschied zwischen der Schweiz und der Eurozone liegt nicht in der Technik, sondern in der Zuständigkeit.

In der Schweiz entscheidet die Nationalbank im Rahmen des Schweizer Rechts, ob und wie sie digitales Zentralbankgeld ausgibt. Der Pilot ist ihre eigene Entscheidung, befristet und ohne Zusage.

In der Eurozone braucht der digitale Euro eine EU-Verordnung. Der Entwurf der Kommission liegt seit Juni 2023 vor. Er sieht vor, dass die EZB Instrumente zur Begrenzung der Bestände entwickelt und über deren Parameter entscheidet. Der Gesetzgeber schafft den Regler. Die Zentralbank stellt ihn ein.

Als Anleger kannst du keinen der beiden Wege steuern. Du kannst aber entscheiden, in welchem System du wie viel deines Vermögens hältst.

Befugnisse, nicht Absichten

Es geht nicht darum, der SNB etwas zu unterstellen. Die Nationalbank hat ihre Ziele offen beschrieben: effizientere Abwicklung, Zentralbankgeld ohne Gegenparteirisiko, Stabilität des Finanzsystems.

Entscheidend ist, was eine solche Infrastruktur ermöglicht. Ein System, in dem Wertpapiere und Zentralbankgeld auf derselben Plattform liegen, ist vollständig nachvollziehbar. Jede Bewegung ist registriert. Das ist sein Zweck, und es ist seine Eigenschaft.

Heute nutzen es sechs Banken für Anleihen. Welche Geschäfte morgen darüber laufen und wer dann Zugang hat, entscheiden die Nationalbank und der Gesetzgeber. Die Technik stellt keine Frage mehr.

Was Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz daraus ableiten können

Für Anleger in der Schweiz gilt: Der Franken bleibt bis auf Weiteres, was er ist. Der Pilot berührt dein Konto nicht. Er zeigt aber, dass die Frage nach digitalem Zentralbankgeld auch in der Schweiz auf dem Tisch liegt.

Wer Franken als Teil seines Vermögens hält, hält sie heute als Guthaben bei einer Bank oder als Banknoten. Der Pilot ändert an beidem nichts. Er fügt eine dritte Form hinzu, die du selbst nicht halten kannst und die nur zwischen Instituten zirkuliert.

Für Anleger in Deutschland und Österreich ist die Lage eine andere. Dort steht nicht nur Wholesale CBDC zur Debatte, sondern ein digitaler Euro für jedermann, mit Haltelimit und Annahmepflicht.

Für alle drei Länder gilt derselbe Gedanke. Geld, das vollständig in einem System liegt, folgt vollständig den Regeln dieses Systems.

Verteile dein Geld auf Rechtsräume. Konten in Ländern außerhalb der EU folgen anderen Regeln als Konten in der Eurozone. Einen Überblick gibt unsere Seite zu Nicht-EU-Bankkonten.

Halte Werte ohne Plattform. Physisches Gold und Silber brauchen keine Infrastruktur, kein Register und keine Zentralbank. Wie sie in eine Schutzstrategie passen, steht in unserer Übersicht zu Edelmetallen.

Sichere den unbeweglichen Teil. Wer eine Immobilie in Deutschland besitzt und hier wohnen bleibt, kann sie über das Grundbuch absichern. Unsere Lastenausgleich-Lösung arbeitet mit einer Gesellschaft außerhalb der EU, als Stiftungs-Limited in UK oder als Wyoming LLC in den USA. Zu ihren Gunsten nimmt dein Notar Eintragungen im Grundbuch vor. Die Immobilie wird nicht übertragen, es gibt keinen Eigentümerwechsel, und die steuerliche Situation bleibt unverändert. Den direkten Vergleich der beiden Wege zeigt unser Immobilienschutz.

Der Schweizer Pilot ist klein, freiwillig und befristet. Er ist trotzdem ein Meilenstein. Er zeigt, dass digitales Zentralbankgeld keine Idee mehr ist, sondern ein laufender Betrieb.

Nachtrag (Stand: 23.09.2026)

Der Pilot ist nicht wie ursprünglich geplant im Juni 2024 beendet worden. Die SNB hat ihn verlängert und ausgeweitet. Am 30. Juni 2025 kündigte sie an, ihn bis mindestens Mitte 2027 fortzuführen und zusätzlich die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte über eine Anbindung an das bestehende Zahlungssystem SIC zu erproben (SNB). Nach dem heutigen Stand der Projektseite der SNB läuft der Pilot bis mindestens Juni 2028, das digitale Zentralbankgeld heißt dort Digital Swiss Franc, und weitere Finanzinstitute sollen schrittweise hinzukommen. Eine Verpflichtung, Wholesale CBDC dauerhaft einzuführen, ist damit weiterhin nicht verbunden. Für ein digitales Zentralbankgeld für die breite Öffentlichkeit sieht die SNB nach ihrer eigenen Erklärseite keine klaren Vorteile. Wie sich der digitale Euro seither entwickelt hat, verfolgen wir in unserer Übersicht zum digitalen Euro.